9. Apr, 2017

Zu Besuch bei den Orang Asli

Unser Guide Jo holt uns um 9.30 Uhr im Muti-ara Resort ab. Nachdem er uns auf der gestri-gen Nachtwanderung versicherte, auf unserer heutigen Dschungeltour hätten wir keine Blutegel zu befürchten, entschieden sich Sämi und Helena zu unserer Freude, uns auf dieser Wanderung zu begleiten.

Gespannt auf den heutigen Tag, wandern wir also zu fünft los. Unterwegs zeigt uns Jo viele Nutz- und Heilpflanzen und erklärt uns, wie die Eingeborenen, die Orang Asli, diese Pflan-zen verwenden würden. Wir lauschen den Lauten des Dschungels. Weit entfernt rufen ein paar Hornbills (Hornschnabel-Vögel) und dazwischen lautes Gezirpe von Zikaden. Neun verschiedene Hornbillarten soll es in diesem Dschungel geben, erklärt uns Jo. Ab und zu sehen und hören wir das gefährlichste Wesen des Dschungels - den Menschen. Jo lacht! Am Wegesrand sammelt un-ser Guide ganz unterschiedliche, lehmartig-weiche Steine. Als er ein paar davon beisammen hat, zeigt er uns wie die Ureinwohner des Dschungels daraus Schminkfarbe herstellen. Er benetzt einen Stein nach dem anderen mit etwas Wasser. Danach reibt er die Steine auf dem harten Bo-den, bis diese auf dem Untergrund etwas wässrige Farbe zurücklassen. Damit malt er sich auf seinem Unterarm eine bunte Blume. Sehen wirklich schön und kräftig aus – diese Naturfarben (s. Fotoalbum).

Nach rund fünf Kilometern wandern, sind wir beim Canopy Walkway, einer an Seilen aufgehäng-ten, schwingenden Brücke von einem Urwaldriesen zum anderen. Der Canopy W.(s. Fotoalbum), der bis zu 40 Metern über Boden verläuft, ist nur etwas für Schwindelfreie. Diese Touristenat-traktion wird überall als die längste, schwingende Hängebrücke der Welt angepriesen. Doch das war einmal. Von den einst 600 Metern sind gerademal noch 300 Meter begehbar. Der Rest dürfte bereits seit Jahren stillgelegt, bzw. abgebaut sein. Jo sagt uns, man sei daran die Brücke wieder in ihrer ganzen Länge herzustellen. Von einer Wiederherstellung können wir aber nichts sehen. Im Internet treffen wir auf Berichte, wonach der Canopy Walkway des Taman Negara schon seit mindestens Frühling 2010 nicht mehr auf der ganzen Länge begehbar ist. Irgendwie passt diese Canopy-Geschichte mit dem gesamten Zustand der Parkeinrichtungen zusammen. Auf dem fünf Kilometer langen Weg hierher bewegten wir uns praktisch ausschliesslich auf einem Holzsteg mit Stiegen und Geländer. Auf einem Holzsteg, der nota bene längst dringende Reparaturarbeiten nötig hätte. So bricht der Steg an einigen Stellen bereits gefährlich ein, sodass grosse Vorsicht ge-boten ist. Doch ausgerechnet diesem Steg haben wir es zu verdanken, dass wir uns heute nicht mit Blutegeln herumschlagen müssen.

Auch wenn wir nur rund 300 Meter des Canopy Walkways machen können, so ist auch dies im-mer noch ein spannendes Erlebnis und eine lustige Sache. Lustig wohl aber auch nur für Schwin-delfreie. Auf der wackeligen und schwankenden Brücke werde ich fast seekrank. So bin ich gar nicht unglücklich, nicht die vollen 600 Meter gehen zu müssen. Kurz nach dem «Seiltanz» in luf-tiger Höhe erreichen wir den Sungai Tembeling, wo wir ein Kanu besteigen und etwas flussauf-wärts zu einem einsamen Restaurant am Fluss fahren. Hier gibt es ein malaiisches Mittagessen. In Erinnerung davon wird mir der feine, frischgepresste Orangensaft bleiben. Das Glas leere ich fast in einem Zuge um gleich einen zweiten Saft zu bestellen. Es ist heiss und unsere Shirts sind von Schweiss und der hohen Luftfeuchtigkeit komplett durchnässt.

Nach dem Mittagessen geht die Reise flussabwärts weiter zu einem Dorf der Orang Asli. Jo erklärt uns, hier würden neun Familien zusammenleben. Eigentlich seien die Orang Asli Nomaden. Doch diese hier würden seit über 10 Jahren am selben Ort wohnen. Der Grund dafür: Diese Familien leben von Touristen, welche regelmässig hierher zu Besuch kommen und pro Person und Besuch umgerechnet 1 Fr./Euro Eintritt bezahlen. Bei uns zu Hause würde man einem Dorf wie diesem «Musterdorf» oder «Freilichtmuseum» sagen. Einfach mit dem Unterschied, dass diese Orang Asli tatsächlich noch so einfach und primitiv leben, wie sie uns dies heute zeigen und vorführen. So zumindest erklärt uns dies Jo.

Die hier ansässigen Orang Asli sind die eigentlichen Ureinwohner weiter Gebiete Südostasiens. Es sind dies fast schwarzhäutige Menschen. Mit ihren breiten und flachen Nasen erinnern sie an die Aboriginies (Ureinwohner Australiens). Zwei Männer zeigen uns, wie sie mit Reiben von Holz, et-was Holzspänen und trockenen Blattfasern ein Feuer entfachen können. Ein Mann demonstriert mit Pfeil und Blasrohr wie er auf eine Distanz von sieben Metern zielsicher trifft. Zum Spass dür-fen wir es ebenfalls versuchen. Dabei sind wir nicht einmal so schlecht, wie sich herausstellt. Nachdem wir diese Urwaldmenschen ausgiebig «begafft» hatten - so kam mir dieser Kurzbesuch leider etwas vor – verabschieden wir uns und machen uns mit unserem Kanu flussabwärts auf den Heimweg.

Jo, der vorne im Kanu sitzt, erklärt uns, wir müssen mit etwas Spritzwasser rechnen und deshalb die Fotoausrüstung einpacken. Den teuren Canon-Fotoapparat versorge ich im Rucksack. Und den Rucksack schütze ich zusätzlich mit einer wasserabweisenden Hülle. Die kleine Sony RX100 packe ich in die Fototasche. Gleichzeitig decke ich die Tasche mit der Schwimmweste, welche auf meinem Sitz liegt, zu. Dann geht die Kanufahrt los. Anfänglich Alles im «Grünen Bereich». Die letzten Tage hatte es in dieser Gegend häufig und stärker geregnet, sodass der Sungai Tembeling zurzeit klar mehr Wasser führt, als gewöhnlich. Auf unserem Ritt talwärts passieren wir kleinere Stromschnellen, die es in sich haben. So durchqueren wir Mitten und am Ende der Schnellen Wasserwalzen, welche das braune Flusswasser zuerst gegen den Bug und später auch über die Kanuwand bis auf Höhe unserer Köpfe schlägt. Zum Schweiss und der hohen Luftfeuchtigkeit werden wir zum Ende unserer Tour auch noch komplett geduscht. Und dies gleich mehrfach. Wir lachen, wie kleine Kinder bei einer Wasserschlacht. Wir hatten uns nur auf ein paar Wassersprit-zer eingestellt. Aber nicht auf eine Wasserdusche. Meine teure Fotoausrüstung hatte ich genü-gend geschützt. Hingegen die kleine Sony offenbar nicht. Wie sich später herausstellen sollte, überlebte die Sony diese Mehrfachdusche bedauerlicherweise nicht.