8. Apr, 2017

Sämi und Helena

Wir sind knapp zwei Stunden im Mutiara Resort angekommen, kehren Sämi (mein Nef-fe) und seine Partnerin Helena von einer Dschungeltour zurück. Sämi und Helena sind seit Anfang März auf einer 6-monatigen Welt-reise. Gestartet sind die beiden auf den Male-diven; haben einen Zwischenhalt in Singapore eingelegt, Borneo (Malaysia) bereist und auf Tioman (Malaysia) getaucht. Seit vorgestern sind sie nun im Dschungel von Taman Negara unterwegs. Wie abgemacht, treffen wir uns heute im Mutiara Resort. Sie sind dort im Hos-tel einquartiert.

Der zweitägige Dschungeltrip hat bei Sämi und Helena Spuren hinterlassen. Durch deren T-Shirts und Hosen treten Blutflecken nach Aussen. Und von Sämis Waden laufen mehrere Blutrinnsale in seine Wanderschuhe. Und dann noch diese nassen, durchschwitzten und von der hohen Luft-feuchtigkeit aufgeweichten Kleider. So sehen Sämi und Helena aus, als seien sie vor Kurzem ei-nem Tiger in die Quere geraten.

Auf seine blutenden Beine angesprochen, beruhigt mich Sämi. Dies sei alles halb so wild. Sie sei-en keinem Tiger begegnet. Dafür aber einer Übermacht an Blutegeln. Vom starken Regen der letzten Tage seien die Dschungelwege enorm aufgeweicht und morastig und der Wasserstand in den Bächen – durch die sie gewatet seien – hoch gewesen. In diesem matschigen und morastigen Gelände seien die Blutegel besonders zahlreich gewesen. Säugetiere hätten sie im Dschungel keine gesehen. Bloss Fussspuren und Kot vom asiatischen Elefanten. Ihre tierischen Erfahrungen seien Mücken und Blutegel gewesen, erzählen uns die Beiden. 

Das Kartenmaterial sei schlecht und kaum ein Weg oder eine Verzweigung sei markiert. Für einen von Rucksacktouristen so rege besuchten Nationalpark scheint mir dies nicht gerade vorbildlich. Am meisten davon profitieren dürften lokale Ranger Guides (Führer). Unter einem fast komplett geschlossenen Dschungeldach zu wandern, ohne irgendwelche Anhaltspunkte zu haben, dafür braucht man entweder einen guten Orientierungssinn oder eine gehörige Prise Risikofreudigkeit. Und Eines ist Dir im Taman Negara immer gewiss: Vermissen tut Dich hier tage- oder wochenlang sowieso keiner. Kann man doch im Taman Negara auf eine mehrtägige Dschungelwanderung ge-hen, ohne sich irgendwo registrieren lassen zu müssen. Mir scheint dies doch eher sonderbar.

Und weil Marion und mir in den Jahren einerseits die Risikofreudigkeit und andererseits der nö-tige Orientierungssinn abhanden gekommen ist und wir nicht unbedingt irgendwann nach Jahren als Skelette aus dem Wald getragen werden wollen, haben wir uns für einen sicheren und kom-fortablen Weg entschieden. So steht uns auf unseren Dschungeltouren ein lokaler Guide, namens Jo, zur Verfügung.