8. Apr, 2017

Eine Reise in den Dschungel

Ab Kuala Lumpur bis Jerantut benötigt man mit dem Auto rund drei Stunden. Mit einem schmalen, überdachten Kanu mit Aussenbord-motor geht es von hier nochmals knapp zwei Stunden den Sungai Tembeling-Fluss hoch, bis man den kleinen Ort Kuala Tahan erreicht. In Kuala Tahan befindet sich einer der beiden Parkeingänge in den «Taman Negara». Taman Negara ist malaiisch und heisst übersetzt sim-pel und einfach «Nationalpark».

Ravi holt uns heute morgen gegen 9 Uhr beim exquisiten Hotel Majestic im Zentrum von Kuala Lumpur ab. Ein Grossteil unserer Fahrt nach Je-rantut führt über mehrspurige Autobahnen in Richtung Nordosten. Auf dutzenden von Kilome-tern säumen links und rechts Palmölplantagen die Autobahn. Und dies so weit das Auge reicht. Monokultur an Monokultur und dazwischen ein paar wenige, waldartige Abschnitte. In der Palm-ölproduktion liegt Malaysia knapp hinter Indonesien an weltweit zweiter Stelle. Zusammen pro-duzieren diese beiden Staaten rund 87 % der gesamten Weltproduktion. Was dies für die Urwäl-der Malaysias und Indonesiens bedeutet, kann sich jeder selber ausrechnen. Doch das grosse Glück der Tier- und Pflanzenwelt Malaysias ist, dass dieses Land Nationalparks eingerichtet hat, noch lange bevor Palmöl auf dem Weltmarkt eine Rolle gespielt hat.

Diesem Umstand dürfte es zu verdanken sein, dass wir heute überhaupt diesen 4343 km2 gros-sen Taman Negara besuchen können. Dieser älteste Nationalpark Malaysias wurde in den Jahren 1938/39 errichtet. Die Malaiische Halbinsel in deren Zentrum der Park liegt, beherbergt sehr alte und daher besonders artenreiche Tropenwälder, sowie ein paar seltene und vom Aussterben be-drohte Tierarten, wie der Malaysia-Tiger und der Schabrackentapir.

Nach Kuala Tahan gäbe es auch eine Strasse. Doch diese zweistündige Flussfahrt auf einem der zehnplätzigen Holzboote ist ein Erlebnis der besonderen Art. Sitzt man doch tief und relativ flach im Boot und es nicht viel fehlt und man würde vom aufspritzenden Wasser der Bugwelle kalt ge-duscht. Doch diese Dusche bleibt uns - zumindest heute - erspart. Mindestens eine Fahrtrichtung von oder nach Kuala Tahan sollte man unbedingt mit einem dieser Boote machen. Kurz vor 15 Uhr erreichen wir unser Tropen Resort „Mutiara“. Als einzige Gästeeinrichtung befindet sich das Mutiara nicht direkt im Dorf von Kuala Tahan, sondern auf der gegenüberliegenden Flussseite des Sungai Tembeling. Zwischen Kuala Tahan und dem Mutiara Resort, wo sich auch der Parkeingang und der Start für die Dschungeltouren befindet, verkehren alle paar Minuten sogenannte Boot-Taxi zum Preis von 1 RM (Ringit). Ein Ringit entspricht ungefähr 25 Euro-Cents/Rappen (Sfr.).

In Kuala Tahan ist das Mutiara Resort die teuerste und wohl auch beste Unterkunft. Bungalows (kleine, braune Holzchalets, s. Fotoalbum) gibt es je nach Saison ab etwa 200 Euro pro Nacht. Das Mutiara verfügt aber auch über preiswertere, klimatisierte Mehrbett-Massenlager (6er-Zimmer) von umgerechnet 20 Euro pro Person. Das Personal des Mutiara ist sehr nett und hilfsbereit. Frühstück und Abendessen (Buffet) sind reichhaltig und gut.

Was mir auffällt, im Dorf Kuala Tahan steigen vorwiegend junge, preisbewusste Rucksacktouris-ten und jene mit eher schmalem Budget ab, während im Mutiara Familien mit Kindern und etwas ältere Paare anzutreffen sind, welche sich auch im Dschungel einen gewissen Komfort leisten wollen. Zu dieser Kategorie Reisender gehören auch wir. Weiter fällt uns auf, dass das Mutiara Resort vermutlich schon bessere Zeiten gesehen haben dürfte. Denn das Resort ist sichtlich ins Alter gekommen und bräuchte an einigen Stellen klar mehr Unterhalt, als es offenbar aktuell bekommt (s. Fotos Fotoalbum).