31. Jul, 2016

Gebirgswanderung auf das Dach Portugals

Heute, den 29.7. zeigt sich das Wetter von seiner prächtigsten Seite - zumindest am Morgen früh! Die Entscheide sind gefällt. Das eigentliche Programm mit Lavawandern und Walfängermuseum, zusammen mit Tourenleiterin Susanne, nimmt nur gerade eine einzige Wanderkollegin in Anspruch. Zwei weitere erkunden eine Hochebene der Insel und eine Wanderkollegin mietet sich ein Bike und pedalt nochmals Pico ab. Die anderen vier - eine Kollegin, ein Kollege, Marion und ich - machen uns auf, Pico, den gleichnamigen Berg der Insel, der gleichzeitig der höchste Portugals ist, zu besteigen. Pico ist, wie könnte es auf den Azoren anders sein, ein Vulkan. Mit seinen 2351 Metern Höhe zwar kein Riese unter den Bergen, sind das Besteigen und vor allem das Heruntersteigen vom Berg durchaus eine Herausforderung - zumindest für die Knie.

Zuerst lassen wir uns mit einem Taxi auf gut 1250 Höhenmeter bringen. Dort befindet sich der Parkeingang des Pico-Nationalparks. Jeder Bergbesteiger zahlt eine Parkgebühr von 10 bzw. 12 Euro - je nachdem, ob er nur bis zur Caldeira, d.h. zum Kraterrand wandern, oder auch noch die letzten 100 Höhenmeter des Vulkans erklimmen will. Danach werden alle Gruppen mit GPS-Sendern - auch als Notfalltelefon benutzbar - ausgestattet. Ein kurzer Film instruiert noch über die Verhaltensregeln am Berg. Dann geht es los. Der Weg ist gut markiert und sichtbar. Sichtbar zumindest, wenn das Wetter klar ist. Wer sich mit Gebirgswandern auskennt, der braucht für diese Wanderung keinen Führer.

Wie fast jeden Tag, ziehen auch heute am Pico Wolken auf. Auch wenn wir die nächsten fast zwei Stunden in Wolken gehüllt sind, stören uns diese nicht wirklich. Die Sicht bleibt genügend gut und der Weg trocken. Und gerade dies dürfte an diesem Berg Match entscheidend sein. Gibt es doch viel nackten Fels, sprich steile Lavafelder hoch zu wandern, bzw. zu steigen. Nicht auszudenken, wenn die Felspartien verregnet und nass sind. Die gesamte Wanderung wird mit rund 7 Stunden beschrieben. Und zwar je etwa 3,5 Stunden hoch und 3,5 Stunden hinunter. Wir kommen gut voran. Die Sonne drückt durch das Wolkenband. Ab ca. 2000 Höhenmetern ist es dann soweit. Wir sind über den Wolken. Der Himmel ist stahl blau. Nach rund 2,5 Stunden sind wir am Kraterrand, steigen etwa 20 Meter in den Krater hinunter und verpflegen uns vorerst einmal. Während Marion auf unsere Rucksäcke aufpasst, klettern wir anderen Drei noch die letzten 100 Höhenmeter auf die zylinderartige Vulkanspitze Mitten in der Caldeira. Ein überwältigendes Gefühl erfasst uns auf dem Dach Portugals. Teilweise, d.h. etwas versperrt durch das Wolkenmeer um uns herum, sehen wir in der Ferne auf die Nachbarinseln von Pico. Danach beginnt der doch etwas mühsame und beschwerliche Weg zurück. Zuerst die Kletterei hinunter in die Caldeira und dann das vorsichtige, stark kniebelastende Hinuntersteigen bis zum Parkeingang.

Für die gesamten, rund 1160 Höhenmeter hoch und hinunter, bzw. insgesamt ca. 7 Kilometer Distanz, benötigen wir 7 Stunden (inkl. Mittagspause). Dies ist bestimmt keine Meisterleistung. Doch wir sind stolz auf das, was wir heute geleistet haben. Am Abend lassen wir diesen grandiosen Tag mit dem Rest unserer Gruppe, welche allesamt von tollen Erlebnissen zu berichten wussten, bei einem Glas Wein oder Bier ausklingen.