6. Aug, 2016

Weit draussen im Atlantik, im Schnitt etwa 1800 km vom europäischen Festland entfernt, liegen sie, die neun Perlen der Azoren.  Dies an einem Ort, wo sich nur noch Füchse und Hasen einander gute Nacht wünschen - nein falsch, grössere Wildtiere als Hasen gibt es da nicht einmal und Raubtiere, Schlangen oder giftiges Kleingetier schon gar nicht. Ein Natur- und Wanderparadies der Extraklasse - wie wir meinen.

Mit Ausnahme der beiden etwas geschäftigeren Hauptinseln Sao Miguel und Fajal, auf denen auch die meisten Touris mit dem Flieger landen, beherbergen die anderen sieben Inseln fast nur noch Wandertouristen und Naturliebhaber. Auf den Inseln Flores und Corvo geht das sogar soweit, dass deren Bevölkerung bald unter Artenschutz gestellt werden muss, weil diese vom Aussterben bedroht ist. So hatte Flores einmal rund 10'000 und heute gerademal noch 3'800 Einwohner und auf Corvo sollen noch 400 Azorer ansässig sein. Schon verrückt! Wo wir in unseren Städten kaum noch freien und bezahlbaren Wohnraum finden, kann man auf Flores ganze Dörfer kaufen. Doch bitte - dies soll keine Aufforderung sein hinzugehen und Flores aufzukaufen. Denn diese immergrüne Natur, mit ihrem ganzjährigen, milden Klima, den vielen Wasserfällen, den Seen und Vulkankratern, den bizarren Lavaküsten und der Meeresfauna, die Ihresgleichen sucht, ist unbezahlbar, einzigartig und muss so erhalten bleiben.

Jede Insel hat ihre Einzigartigkeit und ihren unverwechselbaren Charme. Z.B. die Insel Pico mit ihrem majestätischen, gleichnamigen Vulkan und ihrem Weinanbau - die Picorer sagen hier scherzhaft über ihre Nachbarn, die Fajaler (unweit entfernt gelegenen Nachbarinsulaner) das schönste, was diese hätten, sei der Blick auf ihren Berg Pico. Dann die Küsten vor Fajal und Pico mit ihrer Meeresfauna und und und......

Was man auf den Azoren sicher immer etwas braucht, das ist Wetterglück. Dies hatten wir und zwar ganz ordentlich. Wenn der Südwind bläst, dann fühlen sich im Sommer Temperaturen von 24 bis 25 Grad als durchaus unangenehm an. Die Luftfeuchtigkeit liegt dann bei geschwängerten 100 Prozent. Der Südwind soll auch vermehrt Regen bringen. Wechselt der Wind auf Norden, dann wird die Luft angenehmer und trockener. Bei diesem Wind trockneten auch unsere Kleider endlich wieder.

Und noch etwas! Das Bereisen der Azoren ist durchaus preiswert. Dies als Schweizer zu beurteilen ist etwas schwierig. Doch wenn sich unsere nördlichen Nachbarn und Wanderfreunde aus Deutschland nicht über hohe Preise beklagen, dann darf man die Azoren gewiss als preisgünstig bezeichnen. So kostet ein grosses Bier (0,4 bis 0,5 l) im Restaurant etwa 1,5 Euro. Eine Flasche einheinmischer Wein von der Insel Pico zwischen 8 und 15 Euro; Mineralgetränke in der Flasche ab etwa 1 Euro; eine Taxifahrt von 20 bis 30 km (pro Taxi  - nicht pro Person) ca. 20 bis 25 Euro. Und wir haben gesehen, dass man Autos bereits ab etwa 25 Euros pro Tag plus Kilometergeld von etwa 18 Cents pro Kilometer mieten kann. Weil wir von zu Hause aus ein Gesamtpaket gebucht haben, fehlen uns jedoch Preisvergleiche zu den Unterkünften. Aber wir denken, auch diese Preise dürften einigermassen moderat ausfallen.

Gesamtpaket versus Individualreisen. Wer in der Vorbereitung wenig Zeit hat oder sich diese einfach auch nicht nehmen und trotzdem die Azoren in ihrer ganzen Pracht erleben will, der bucht am besten ein "Sorglos-Rundumpaket". Als Wanderbegeisterte haben wir zusammen mit unseren sechs deutschen Wanderfreunden ein solches Paket gebucht. Eine wirklich gute Sache, wie wir meinen. Doch die Azoren sind auch unter den Individualreisenden sehr beliebt. Am besten, man bucht von zu Hause aus einen internationalen Flug. Ab Frankfurt gibt es im Sommer sogar Direktflüge (ohne Umsteigen in Lissabon) von und nach Ponta Delgada (Insel Sao Miguel). Weiter ist man gut bedient, von zu Hause auch möglichst gleich alle Inselhopping-Flüge, in der Hochsaison auch die Unterkünfte, sowie ein Auto ab Flughafen oder Fährhafen zu buchen - und fertig! Dies geht alles sehr einfach und unkompliziert. Ganz wichtig: Die Azorer sind äusserst freundlich, verlässlich und pünktlich.

 

Fazit: Cool

Wenn Du ein Natur- und Wanderfreund bist, dann werden Dich diese neun Perlen im Atlantik bestimmt begeistern. Geheimtipp! Die etwas abgelegene Insel Flores solltest Du aber unbedingt in Dein Programm miteinbauen. Am besten gleich für mehrere Tage.

 

31. Jul, 2016

Heute, den 29.7. zeigt sich das Wetter von seiner prächtigsten Seite - zumindest am Morgen früh! Die Entscheide sind gefällt. Das eigentliche Programm mit Lavawandern und Walfängermuseum, zusammen mit Tourenleiterin Susanne, nimmt nur gerade eine einzige Wanderkollegin in Anspruch. Zwei weitere erkunden eine Hochebene der Insel und eine Wanderkollegin mietet sich ein Bike und pedalt nochmals Pico ab. Die anderen vier - eine Kollegin, ein Kollege, Marion und ich - machen uns auf, Pico, den gleichnamigen Berg der Insel, der gleichzeitig der höchste Portugals ist, zu besteigen. Pico ist, wie könnte es auf den Azoren anders sein, ein Vulkan. Mit seinen 2351 Metern Höhe zwar kein Riese unter den Bergen, sind das Besteigen und vor allem das Heruntersteigen vom Berg durchaus eine Herausforderung - zumindest für die Knie.

Zuerst lassen wir uns mit einem Taxi auf gut 1250 Höhenmeter bringen. Dort befindet sich der Parkeingang des Pico-Nationalparks. Jeder Bergbesteiger zahlt eine Parkgebühr von 10 bzw. 12 Euro - je nachdem, ob er nur bis zur Caldeira, d.h. zum Kraterrand wandern, oder auch noch die letzten 100 Höhenmeter des Vulkans erklimmen will. Danach werden alle Gruppen mit GPS-Sendern - auch als Notfalltelefon benutzbar - ausgestattet. Ein kurzer Film instruiert noch über die Verhaltensregeln am Berg. Dann geht es los. Der Weg ist gut markiert und sichtbar. Sichtbar zumindest, wenn das Wetter klar ist. Wer sich mit Gebirgswandern auskennt, der braucht für diese Wanderung keinen Führer.

Wie fast jeden Tag, ziehen auch heute am Pico Wolken auf. Auch wenn wir die nächsten fast zwei Stunden in Wolken gehüllt sind, stören uns diese nicht wirklich. Die Sicht bleibt genügend gut und der Weg trocken. Und gerade dies dürfte an diesem Berg Match entscheidend sein. Gibt es doch viel nackten Fels, sprich steile Lavafelder hoch zu wandern, bzw. zu steigen. Nicht auszudenken, wenn die Felspartien verregnet und nass sind. Die gesamte Wanderung wird mit rund 7 Stunden beschrieben. Und zwar je etwa 3,5 Stunden hoch und 3,5 Stunden hinunter. Wir kommen gut voran. Die Sonne drückt durch das Wolkenband. Ab ca. 2000 Höhenmetern ist es dann soweit. Wir sind über den Wolken. Der Himmel ist stahl blau. Nach rund 2,5 Stunden sind wir am Kraterrand, steigen etwa 20 Meter in den Krater hinunter und verpflegen uns vorerst einmal. Während Marion auf unsere Rucksäcke aufpasst, klettern wir anderen Drei noch die letzten 100 Höhenmeter auf die zylinderartige Vulkanspitze Mitten in der Caldeira. Ein überwältigendes Gefühl erfasst uns auf dem Dach Portugals. Teilweise, d.h. etwas versperrt durch das Wolkenmeer um uns herum, sehen wir in der Ferne auf die Nachbarinseln von Pico. Danach beginnt der doch etwas mühsame und beschwerliche Weg zurück. Zuerst die Kletterei hinunter in die Caldeira und dann das vorsichtige, stark kniebelastende Hinuntersteigen bis zum Parkeingang.

Für die gesamten, rund 1160 Höhenmeter hoch und hinunter, bzw. insgesamt ca. 7 Kilometer Distanz, benötigen wir 7 Stunden (inkl. Mittagspause). Dies ist bestimmt keine Meisterleistung. Doch wir sind stolz auf das, was wir heute geleistet haben. Am Abend lassen wir diesen grandiosen Tag mit dem Rest unserer Gruppe, welche allesamt von tollen Erlebnissen zu berichten wussten, bei einem Glas Wein oder Bier ausklingen.

 

30. Jul, 2016

Heute, den 28.7., feiern wir kurz am Morgen den 60. Geburtstag einer Wanderkollegin.

Nach nur gerade zwei Tagen heisst es heute bereits wieder Abschied nehmen von der spannenden und recht geschäftigen Insel Fajal. Unweit von unserem Hotel liegt der Hafen, von wo wir mit der Fähre die kurze Überfahrt auf die Insel Pico machen. Im Hafen von Madalena geben wir unser Gepäck ab, lassen dieses in unsere neue Unterkunft bringen, während wir uns auf die bereitgestellten Fahrräder schwingen um damit die nächsten rund zwei Stunden die Umgebung von Madalena mit ihrem Weinanbau zu erkunden. Übrigens: auf der Insel Pico werden die einzigen Weintrauben der Azoren angebaut. Viele dieser Pico-Weine haben wir die ganzen letzten Tage, bzw. Abende durchprobiert. Auch wenn ich Pico-Weine zu Hause vermutlich nicht trinken würde, so munden die einen oder anderen dieser Weine nicht einmal so schlecht.

Der heutige Tag ist aber noch lange nicht zu Ende. Denn am Nachmittag steht das nächste Highlight unserer Azorenreise auf dem Programm, nämlich das whale watching oder das Wale watschen, wie unsere Tourenleiterin Susanne Spasses halber zu sagen pflegt. Nach kurzer Instruktion über die verschiedenen Wale, welche rund um die Azoren und ganz besonders um die Inseln Fajal und Pico zu sehen sind, fahren wir mit einem speziellen, auch für Expeditionen geeigneten Schlauchboot hinaus. Zuerst wieder zurück nach Fajal, wo noch weitere Gäste aufgenommen werden und dann entlang der Nordküste Fajals hinaus ins offene Meer. Wir haben Glück, das Meer und das Wetter präsentieren sich von deren besten Seite. Es erwartet uns kaum Seegang, viel Sonne und herrliche Wolkenstimmungen. Nach längerer rasanter Fahrt treffen wir auf drei weitere Walbeobachtungsboote. Und dann geht es plötzlich schnell. Schlag auf Schlag sehen wir vor uns zuerst eine Gruppe Pottwale, welche von Schnabelwalen begleitet werden. Beide gehören zur Familie der Zahnwale. Später - fast am selben Ort - sichten wir auch noch einen Finnwal. Dieser gehört in die Familie der Bartenwale. Ein Nachzügler, der eigentlich längst seine Reise in Richtung Norden, in die kühleren Gewässer angetreten habem müsste. Ein riesen Erlebnis. Und zum Schluss - gewissermassen als Nachtisch - werden wir auch noch an eine Stelle gefahren, wo wir auf eine grössere Schule "common dolphins", auf deutsch, "der gewöhnliche Delphin" treffen.

Und am Abend feiern wir dann unsere Wanderkollegin nochmals so richtig ausgiebig. Danach ging einfach nichts mehr mit Berichte schreiben.

28. Jul, 2016

Die Blumeninsel Flores liegt hinter uns. Gestern Mittag sind wir mit einer Propelleremaschine der SATA auf der Insel Faial gelandet. Hier wohnen wir im Hauptort Horta, der gleichzeitig der Regierungssitz der Azoren ist. Nach der hübschen, jedoch einfachen Unterkunft in den 300jährigen Steinhäusern Cuadas, sind wir hier mit dem Faial Resort Hotel geradezu luxuriös untergebracht.

Eigentlich wollten wir gestern den Hauptkrater. d.h. die Caldeira auf 1000 Höhenmeter umwandern (Wanderzeitz etwa 3 Stunden). Doch diese Wanderung viel infolge Nebels oben am Vulkan förmlich ins Wasser. Zum Glück gibt es aber immer Ausweichwandermöglichkeiten. Denn unten am Meer schien die Sonne.

Unweit von unserem Hotel entfernt, befindet sich das Café Peter. Da muss man einfach gewesen sein. Das Café Peter gilt als eines der international bekanntesten Cafés. Nicht zuletzt, weil im Hafen von Horta die meisten Weltumsegler einen Stopp einlegen und dabei das eine oder andere Mitbringsel (wie Wimpel, Fahnen, Kleber) im Café Peter zurücklassen. So ist in den vielen Jahren das Café Peter zu einem einzigen Museum geworden. Und darüber hinaus ist das Café Peter für seinen Gin Tonic bekannt. So wird behauptet, es sei der beste im ganzen Atlantik. Das haben wir gestern und heute gleich zweimal ausprobiert.  Da Marion und ich aber bis dato keine Gin-Tonic-Kenner waren und wohl auch künftig keine werden, können wir dies leider nicht beurteilen. Geschmeckt hat er aber allemal.

26. Jul, 2016

Wie bereits die letzten beiden Tage erwartet uns heute, den 25. Juli, ein herrlicher Tag auf Flores. 3 unserer Wandergruppe haben bereits gestern einen Ausflug auf die Insel Corvo gemacht und uns am Abend von ihren tollen Eindrücken berichtet. Heute will ich Ähnliches erleben. Marion bleibt auf Flores und ich mache mich zusammen mit einer anderen Wandererin unserer Gruppe auf, die kleine Vulkaninsel zu besuchen, wo nur gerade 400 Einwohner leben. Bereits die Überfahrt in einem kleinen etwa 14 plätzigen "Schlauchboot" ist ein Erlebnis. Wir treffen auf eine kleine Schule Delphine, sehen einen fliegenden Fisch und fischende Schwarzschnabelsturmtaucher. Die Fahrt in einem Minibus hinauf zum Vulkankrater dauert etwa 10 Minuten. Die Aussicht in den grünen Krater mit den vielen Grün- und Gelbtönen und den Seen im Krater ist einzigartig. Nach einer 7 km langen Wanderung den Berg hinunter - leider alles auf der Strasse, denn es gibt hier keine Wanderwege ins Tal hinunter - und einem kurzen, erfrischenden Bad im Meer geht es dann per Boot zurück, wo wir die letzten Kilometer der spektakulären Küste Flores mit Wasserfällen und unzähligen kleineren und grösseren Höhlen folgen. Und das beste am Ausflug und überhaupt generell auf den Azoren - es gibt hier nur ganz wenige Touristen. Und wenn, dann sind es praktisch ausschliesslich Wanderer. So war oben auf dem Vulkan Corvo kaum eine Menschenseele. Natur pur - und das in einer Gewaltspracht!