12. Aug, 2016

Wie fällt man in Moskau am wenigsten auf?

Mitteleuropäer, wie wir, welche mit teuren Fotoausrüstungen umgehängt und Stadtplan in der Hand durch die City Moskaus schlendern, werden erstaunlicherweise von den Einheimischen so kaum wahrgenommen. Dies hängt wohl zum einen damit zusammen, dass sich die einheimische Bevölkerung, gemeint sind die europäisch stämmigen Russen (vor dem Ural lebend), sich von deren äusserem Erscheinungsbild von den restlichen Europäern kaum unterscheidet. Da gibt es Russinnen und Russen, die würden gut und gerne als Nordeuropäer, andere als Mittel- und wieder andere, als Südeuropäer durchgehen. Und zum anderen gibt es auch viele russische Touristen aus anderen Regionen Russlands, welche in Moskau ebenfalls mit Fotoapparaten, teuren Handys und Stadtkarten unterwegs sind. Das heisst, solange wir unseren Mund nicht aufmachen, outen wir uns mit unserer Ausrüstung höchstens als Touristen, aber nicht unbedingt als Ausländer. Übrigens: auf unserer Flussfahrt auf der Moskwa haben wir eine armenische Familie kennengelernt, mit der wir auf englisch ein paar Worte wechselten. Zuerst musste ich die Familie mehrfach mit deren Handys fotografieren. Alle Vier, Mutter, Vater, Sohn und Tochter waren je mit einem eigenen Handy ausgerüstet. Und danach durften wir von deren äusserst schmackhaften Aprikosen probieren, welche sie aus Armenien mitgebracht haben.

Dass wir als ausländische Touristen und zwar weder in Moskau, noch in Jekaterinburg allzusehr aufgefallen sein durften, schreiben wir der Tatsache zu, dass wir auf der Strasse mehrfach auf russisch angesprochen und mindestens einmal nach dem Weg gefragt wurden. Letzteres wissen wir auch nur, weil wir in Jekaterinburg gerade mit unserer Stadtführerin Olga unterwegs waren und sie uns anschliessend übersetzte, was die Russin gerade von uns wollte – nämlich, ob wir ihr sagen könnten, wie sie zur nächsten U-Bahn kommt.

Will man in Moskau oder anderswo in Russland garantiert nicht auffallen, so lege man seinen Fotoapparat weg, zücke sein Handy, drücke darauf herum, stecke sich die Stöpsel in die Ohren, telefoniere oder mache damit Fotos. Und wichtig: Beim Gehen immer schön aufs Display schauen! Fast jeder zweite Moskauer ist so oder ähnlich in seiner Stadt unterwegs. Und jeder unserer Taxifahrer hatte auf seinen Fahrten mindestens einmal mit seinem Handy telefoniert. Ganz nach dem Motto: Telefonieren und Autofahren passen bestens zusammen. Für irgend etwas hat uns unser Schöpfer ja schliesslich auch zwei Hände gemacht! Cool