10. Aug, 2016

Ende mit Vollpension!

In eineinhalb Stunden treffen wir mit unserem «Rumpeltaxi», genannt Transsibirische Eisenbahn, in Jekaterinburg ein. Fertig mit Vollpension.

Heute kam die Zugbegleiterin gegen 08.00 Uhr. Zuerst wollte sie uns Souvenirs verkaufen – so wie beim Tax Free im Flugzeug. Gerne hätten wir ihr erklärt, dass wir noch auf langer Mission; unsere Rucksäcke bis auf den letzten Zentimeter mit Kleidern und technischen Geräten vollgestopft sind und wir mit je etwa 25 kg Gepäck schon genug schleppen. Unser Russisch lässt grüssen! Doch wir sagen uns, wenn sich unsere aufmerksame und freundliche Zugbegleiterin schon die Zeit nimmt uns Ihre Sachen zu präsentieren, dann zeigen wir uns wenigstens interessiert. Und das geht bekanntlich auch ohne Worte.

Schliesslich bestellen wir bei Ihr einen Frühstückskaffee und eine Tasse Tee. Für Heissgetränke, wie Kaffee und Tee ist in der Transsib nicht etwa das Bordrestaurant, sondern sind direkt die Zugbegleiter zuständig. Die Zugbegleiter belegen ein eigenes Abteil, wo sie einen Heisswasserboiler bzw. Kocher haben und von wo sie auch ihre Gäste bedienen. Für den Kaffee und den Tee haben wir dann zusammen 100 Rubel (umgerechnet 2.00 SFr.) bezahlt. 

Übrigens: In jedem Wagen gibt es einen Zugbegleiter sowie einen Schaffner. Und die spielen ihre Rollen ausgezeichnet.  So ist der Schaffner wie ein Schauspieler, der gleich mehrere Rollen spielt. Wenn der Zug nach hunderten von Kilometern in einen Bahnhof einfährt, steht unser Schaffner in seiner grauen Uniform mit aufgesetztem Hut, ganz förmlich und top hergerichtet vor seinen Wagen. Das tun ihm seine Kollegen Wagen für Wagen gleich. Vor dem Wagen verabschiedet er Gäste, welche hier aussteigen und er begrüsst neue und kontrolliert deren Fahrschein. Und allen, welche sich auf dem Bahnsteig kurz die Füsse vertreten wollen, sagen die Schaffner wie lange sie sich Draussen aufhalten können. Wenn dann wieder alle eingestiegen sind und der Zug - meist etwa nach einem 15 minütigen Halt - losfährt, dann zieht sich unser netter Schaffner schnurstracks um. Angesagt ist dann Tenü top leger mit kurzen Hosen, T-Shirt und Badelatschen. Als ich ihm so das erste Mal im Zug begegnet bin, musste ich gleich zweimal hinsehen und schliesslich das Lachen verkneifen. Habe den freundlichen Herrn im «Schlaftenü» fast nicht mehr erkannt. Ohne Uniform verlor dieser fast glatzköpfige Herr irgendwie seine Autorität. Absolut lustig und witzig zugleich.

Auf die nette Dame vom Bordrestaurant, die uns gestern noch zum Abendessen einlud, warten wir immer noch. Mittlerweile zeigt unsere Uhr 13.45 Uhr (Moskauzeit). Das Mittagessen ist längst vorbei. Unsere Vollpension von gestern – wohl auch! Macht nichts. Wir haben vorgesorgt und uns in Moskau noch mit allerlei Lebensmitteln eingedeckt. Und in knapp 90 Minuten heisst es ohnehin aussteigen. Wir kommen in Jekaterinburg an.