18. Sep, 2016

Eine kurze Nacht!

Pünktlich um 7.30 Uhr holt uns die Tochter von Buom mit ihrem tollen SUV Mercedes in unserem Hotel ab und fährt uns zum Bahnhof. Um 08.30 Uhr sitzen wir im Zug in Richtung Peking. Diesmal in einem der chinesischen Eisenbahngesellschaft. In unserem Erstklass-Zweierabteil sind beide Betten übereinander angeordnet. Vis à vis gibt es am Fenster noch einen kleinen Sitz. Speziell: Ins obere Bett kommt nur, wer noch etwas sportlich ist und sich getraut, den Tisch am Fenster als Kletterhilfe zu benutzen. Denn eine Leiter gibt es keine.

Zu Gunsten von einem kleinen Waschraum, der sich zwischen zwei Kabinen befindet und abwechslungsweise von beiden Kabinen benutzt werden kann, ist das Zugabteil mit knapp 2,5 m2 noch kleiner, als dasjenige der russischen Wagen. Dafür läuft das chinesische Rollmaterial bedeutend ruhiger, als das russische. Trotzdem, bis wir in dieser Nacht zum Schlafen kommen, wird es sehr spät. Gegen 19.30 Uhr erreichen wir auf der mongolischen Seite den Zoll. Bis die Mongolen den ganzen Zug abgefertigt, die Visagenkontrolle beendet haben und der Pass am richtigen Ort gestempelt ist, dauert es gut eineinhalb Stunden. Wobei dies erst der Anfang ist. Danach fährt der Zug gut zwanzig Minuten weiter zum chinesischen Zoll. Dort beginnt dasselbe Spiel von vorne - einfach mit anderen netten Herren und Damen. Mittlerweile zeigt die Uhr 22.30.  Das Schönste und für jeden Eisenbahn-Fan das bestimmt Interessanteste kommt jetzt.

Die Russen, Mongolen und Chinesen kennen bei ihren Zügen zwei unterschiedliche Spurbreiten. Während die Chinesen dieselbe Spurbreite, wie wir Mitteleuropäer haben, erklärt uns ein vielgereister Deutscher, hätten die Russen und die Mongolen eine andere Spurbreite. Mir scheint, die fahren "breitspuriger", als die Chinesen. Statt einfach die Fahrgäste in einen bereitgestellten Zug umsteigen zu lassen - so ähnlich würden wir dies vermutlich in der Schweiz oder in Europa machen, wechseln die Chinesen bei jedem einzelnen Wagen das gesammte Rollmaterial aus. Bei unserem Zug sind dies bestimmt fünfzehn Wagen. Und das dauert. Zuerst das Rollmaterial vom Wagen lösen, danach den Aufbau mit einem Hebekran zusammen mit den im Wagen befindenden Fahrgästen rund einen Meter anheben, dann das alte Rollmaterial entfernen und das passende unter den Wagen schieben und den Wagen wieder abgesenken und mit dem Rollmaterial verbinden. Das Ganze macht nicht nur einen ohrenbetäubenden Lärm, sondern dauert auch noch geschlagene vier Stunden. Nachts um zwei Uhr können wir schliesslich unsere Reise fortsetzen und schlafen. Die chinesischen Pritschen sind ein klein wenig weicher und dürften etwas breiter sein. Dafür ist die Kabine insgesamt noch kleiner, als bei den russischen Wagen.