10. Sep, 2016

Im Orkhon-Tal

Die gestrige Nacht, wie auch die kommenden zwei Nächte verbringen wir beim Wasserfall, in einem Jurtencamp, welches Explore Mongolia gehört. Gestern abend haben wir in diesem Camp noch Herrn Buom, den Besitzer von Explore Mongolia getroffen. Er ist mit einem Spezialgast - einem Mitarbeiter eines deutschen Reiseunternehmens – auf einer zweiwöchigen Rundreise.  

Buom dürfte gut 50 Jahre alt sein. Er hat in Deutschland studiert und spricht ein nahezu perfektes Deutsch. Vor sechs Jahren gründete er in der Mongolei die «Grüne Partei». Gestern abend konnten wir mit Buom noch lange und intensive Gespräche führen. Er interessiert sich sehr für Weltpolitik, die lokale Wirtschaft und besonders für die Umwelt und die vielfältigen Probleme Umweltprobleme der Mongolei. Man spürt, Buom ist nicht nur sehr gebildet ist, sondern hat auch eine klare und realistische Einschätzung was in unserer Welt abgeht und worauf sich die Mongolei gegebenenfalls einzustellen hat. Buom beweist sehr viel Weitblick.

Nachdem es letzte Nacht immer wieder stark geregnet hat und die Wolken heute den ganzen Tag sehr tief in den Bergen hängen und es ab und zu auch wieder regnet, entscheiden wir uns, heute Abend eine Nomadenfamilie zu besuchen und denen beim Melken ihrer Yaks zuzusehen. Das Programm mit dem Wandern mit Yaks und dem zweimaligen übernachten in Zelten auf über 2'200 Metern über Meer, wo es in dieser Jahreszeit bereits ersten Schnee geben kann, lassen wir zu Gunsten von zwei eher ruhigeren Tagen im Jurtencamp, fallen.

Unglaublich, doch der kommende Tag zeigt sich wieder von seiner wolkenlosen Seite. Die Nacht war klar und eisigkalt. Unsere Alpweide, auf der das Camp steht, trägt einen weissen Film an Bodenfrost. In jeder Jurte steht ein Holzofen. Wie richtige Touristen, aber vermutlich etwas übertrieben, heizen wir vor dem Schlafen gehen unseren Ofen so richtig ein. Dies hatte zur Folge, dass wir die erste Stunde wegen saunaähnlichen Temperaturen nicht und etwa drei Stunden später, nachdem der Ofen seine letzte Wärme von sich gegeben hatte, wegen zunehmender, klirrender Kälte in unserer Jurte nicht mehr schlafen konnten. Wir machen heute noch einen zweistündigen Spaziergang entlang von Bächen, Flüssen und über Alpweiden; treiben Ziegenherden vor uns her, schauen Frauen beim Yakmelken zu und geniessen die herrlich warmen Sonnenstrahlen. An windgeschützten Stellen dürfte das Thermometer erneut 25 Grad erreichen. Der Herbst ist eingekehrt. Die wenigen Laubbäume entlang der Flüsse tragen gelbes Laub. Buom sagt, nun komme der goldene Herbst über die Mongolei. Die Winde ändern sich; kommen zusehends von nord – nordwest. Die Tage sind meist trocken, sonnig und immer noch warm, während die Nächte frostige Temperaturen annehmen. Das Gras ist niedrig und von den grossen Schaf-, Ziegen- und Yakherden abgeweidet. Wegen der sehr kalten Nächte wächst das Gras kaum noch. Nach drei Nächten mit viel Erholung, geht es morgen etwa 60 Kilometer weiter, wo es heisse Quellen geben soll. Wir freuen uns auf die angekündigten Thermalbäder.