8. Sep, 2016

Auf dem Weg zum Wasserfall von Ulaanzutgalan

Diese beiden Tage verlaufen wenig ereignisreich. Es liegen wieder einmal zwei lange Reisetage von insgesamt 450 Kilometern vor uns. Von den Sanddünen der Gobi im Süden geht es nun wieder in Richtung Norden. Nach etwa 80 Kilometern queren wir den südöstlichen Ausläufer des Altaigebirges. Das Altaigebirge erstreckt sich von Russland – etwa 2'000 km westlich von Irkutsk - quer durch die Westmongolei bis an den Rand der Gobi. Während die höchsten Gipfel im russischen Altaigebirge über 6'000 m hoch sind, erreichen die höchsten Berge in der Westmongolei noch maximal 4'600 und in der Gegend, wo wir am 7. September das Altaigebirge kreuzen, schätzungsweise noch 2'500 Meter. So verliert das von Nordwest nach Südost verlaufende, alpenähnliche Gebirge, zusehends an Höhe. Auffallend ist, je weiter wir in Richtung Norden kommen, desto grüner wird die Landschaft wieder. Zum ersten Mal auf unserer Mongoleireise begegnen wir grösseren, zusammenhängenden Wäldern. Diese Wälder bestehen weitgehend aus Zedern – so ähnlich, unseren Lärchenwäldern im Bünderland. Doch im Gegensatz zu den Lärchen verlieren die Zedern im Winter ihre Nadeln nicht.  Nach sieben Stunden Fahrt, bzw. 290 äusserst anstrengenden Kilometern erreichen wir die gut 23'000 Einwohner zählende Stadt Arvaikheer. Arvaikheer ist die Provinzhauptstadt des Uvurkhangai Aimag. Sowohl in nordsüdlicher, wie auch in ostwestlicher Ausrichtung liegt Arvaikheer nahezu in der Mitte der Mongolei.

Nach zwei Nächten auf viel zu kurzen, kaum gepolsterten Bretter-Betten und zwei Tagen «Katzenwäsche» (keine Duschen, dafür eine mit Wasser gefüllte Petflasche vor der Jurte als Waschgelegenheit), freuen wir uns heute wieder einmal auf ein Hotelzimmer mit einer richtigen Warmwasserdusche und Betten, wie wir sie auch bei uns kennen. Im Hotel Palace, wo wir nächtigen, gibt es sogar Internet und WLAN. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. Internet und WLAN sind so schlecht, dass ich nur gerade ein paar Fotos auf meine Homepage laden kann. Alle weiteren Versuche scheitern laufend. Die nächste Gelegenheit werden wir erst wieder in Ulanbaatar - am Ende unserer Mongoleireise haben.

Der heutige Tag startet so strahlend blau, wie der gestrige zu Ende ging. Nach dem Frühstück gehen wir auf den Markt. Unsere Reiseführerin und Köchin Battuul muss sich für die nächsten vier Tage noch mit weiteren Lebensmitteln eindecken. In einer Metzgereihalle kauft sie für uns erneut Ziegenrippen zum Kochen bzw. braten. Ziegenfleisch ist erstaunlich schmackhaft. Nicht so intensiv im Geruch, wie Schaffleisch. Danach fahren wir von Arvaikheer alles Richtung Westen. Eigentlich haben wir heute nur gut die Hälfte der gestrigen Strecke zu bewältigen. Doch zeitlich brauchen wir letztlich fast so lange, wie am gestrigen Tag für 290 Kilometer. Die Strassen, sprich Alpwege, sind ausgesprochen schlecht. Mehrmals queren wir mit unserem Auto Bäche und kleinere Flüsse. Diese Wege halten Otog, diesen jungen Wilden, aber nicht davon ab, sein Auto immer wieder an dessen Belastungsgrenzen zu bringen. Als gefährlich erachten wir es zwar nicht gerade.  Doch mit seinem Fahrstil nimmt Otog äusserst wenig Rücksicht auf seine mitfahrenden Gäste. Für uns bedeutet dies letztlich wenig Fahr- und Reisekomfort. Zum Glück können wir unterwegs ab und zu aussteigen und uns die Füsse vertreten oder wie heute wieder einmal eine Nomadenfamilie besuchen. Eine Nomadenfamilie, welche Yaks hält und züchet und aus der Milch verschiedene Produkte, so u.a. Yoghurt herstellt. Die Yakmilch soll einen Fettgehalt von gegen 6% haben. Dies dürfte ungefähr dem Doppelten entsprechen, was wir von unserer Kuhmilch kennen. Wem Kuhmilch schmeckt, jedoch Yakmilch noch nicht kennt, dem würden wir unbedingt empfehlen, Yakmilch oder noch besser frisches Yakyoghurt zu probieren. Schmeckt super lecker!

Alle Nomadenfamilien, welche wir besuchen, sind äusserst gastfreundlich. Wir werden verköstigt, dürfen alles probieren und in der Regel auch alles fotografieren – inkl. den Nomaden selbst. Von dieser Nomadenfamilie nehmen wir gleich je ein grosses, gefülltes Gurkenglas mit Yakjoghurt auf unsere Weiterreise mit. Gegen 17.00 Uhr sind wir am Etappenziel Ulaanzutgalan angelangt. Ganz in der Nähe donnert ein Wasserfall auf mehreren Metern Breite 30 Meter in die Tiefe. Wir befinden uns hier im Orkhon-Tal, auf über 1800 Metern über Meer. Die Weiden sind relativ grün und satt. Das Tal und dessen Seitentäler werden links und rechts von gut 2'500 Meter hohen Bergen eingesäumt.  Speziell ist: Wo auf der Nordseite unserer Alpen die Baumgrenze bereits bei etwa 1800 m ü.M. aufhört, sind in dieser Gegend der Mongolei auch Berge mit 2'700 Metern noch bis zum Gipfel bewaldet. Wir begegnen grossen, frei laufenden Ziegen-, Schaf- und Pferdeherden. Würden in dieser weiten, fast menschenleeren Landschaft nicht ab und zu ein paar Jurten stehen oder Yakherden weiden, welche von Hirten auf Pferden oder «modern» mit dem Motorrad zusammengetrieben werden, wir kämen uns glatt in unseren Alpen vor. So ähnlich sieht die Landschaft hier aus. Das Wetter schlägt um. Es wird zusehends schlechter. Ausgerechnet jetzt, wo wir die nächsten beiden Tage geplant hatten, mit Yaks zu wandern. Flexibel, wie wir sind, übrigens auch unsere Organisation Explore Mongolia, stellen wir heute unser Programm um.