2. Sep, 2016

Wo einst Dinosaurier lebten!

Schliesslich sind wir gestern abend, ohne weitere Zwischenfälle zu haben, so gegen 19.00 Uhr in unserem Luxus Jurtencamp «Secret Ongi» eingetroffen. Hier ist auch wieder etwas mehr Betrieb. Wir fühlen uns nicht mehr so einsam, wie noch gestern. Wir treffen auf Gruppen aus Deutschland, Italien und aus anderen europäischen Ländern, sowie Individualreisende, wie wir. Am gestrigen Abend führten uns ein paar Angestellte des Camps noch Trachten und Bekleidungen aus verschiedenen Epochen der Mongolei vor. Währenddessen baute Otog, mit Hilfe von anderen Fahrern, den Alternator (die Lichtmaschine) und den Kühler seines Toyotas aus. In rund zweistündiger Nachtarbeit reparierte Otog mit speziellem Reparaturkitt den Kühler noch etwas fachmännischer, als gestern bei den Nomaden.  Auf jeden Fall tropft der Kühler auf der heutigen 180 km langen Weiterreise nicht mehr. Wir sind froh und gleichzeitig erleichtert. Auch sollten uns – zumindest heute - weitere Pannen erspart bleiben. Was wir zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht wissen, aus der gebuchten Rundreise durch die Mongolei, sollte es schliesslich ein ziemliches Abenteuer mit ungewissem Ausgang geben - zumindest in Bezug auf unser Weiterkommen und den Zustand unseres Autos.

Die Unterschiede zum bisherigen Steppengras sind merklich sichtbar. Die Vegetation wird immer karger, dünner und artenarmer. Anstelle der Pferde und Kühe treffen wir am Wegrand auf Kamelherden. Der heutige Tag ist nasskalt. Aus der dichten Bewölkung regnet es immer wieder – jedoch meist nur sehr leicht. Am Nachmittag erreichen wir unser Touristencamp von Bayanzag. Hier befinden sich die «Glühenden Felsen». Den Namen erhielten die Glühenden Felsen von einer amerikanisch-mongolischen Expeditionsgruppe, welche unter der Leitung von Roy Chapman im Jahre 1923 an dieser Stelle der Gobi die ersten versteinerten Dinosaurier der Mongolei gefunden hat. Die Expeditionsgruppe gab diesen bizarren Felsen, welche aus rotem Stein und lehmiger Erde bestehen und je nach Sonnenlicht glühendrot leuchten, den Namen «Glühende Felsen» (s. Foto). Einmal mehr haben wir heute Wetterglück. Denn genau, als wir im Camp ankommen, reisst der Himmel auf. Am Nachmittag machen wir dann zusammen mit Battuul eine Wanderung durch diese Felsen. Den Sonnenuntergang wollen wir uns ebenfalls nicht entgehen lassen. Denn dann verwandelt die tiefstehende Sonne dieses Gebirge in ein besonders dunkelrotes Licht. An den Hotspots treffen wir wieder auf andere Touristen. Übrigens, mehrheitlich auf dieselben, denen wir in unserem gestrigen Camp schon begegnet sind und offenbar eine ähnliche Tour gebucht haben, wie wir. Nähe der Felsen treffen wir auch auf ein Grazer Ehepaar, welches sich vorzeitig pensionieren liess (Firma verkauft) und nun mit ihrem kleinen Wohnmobil - einem umgebauten Geländewagen - im Juli in Österreich gestartet, Russland durchquert hat, um für zwei Monate die Mongolei zu bereisen. Übrigens auch zwei begeisterte Fotografen, wie sich zeigt. Die Nacht wird sternenklar. Zum ersten Mal bedaure ich es ausserordentlich über keine astronomischen Kenntnisse zu verfügen. Mein Wissen hört nach der Milchstrasse schon bald einmal auf. Und als Zweites bedaure ich, dass ich auch (noch) kein Nacht- und Sternenfotograf bin.