17. Sep, 2016

Ein Volk zwischen Tradition und Moderne

Viele Touristen besuchen die Mongolei, weil sie von den endlosen Weiten, dem besonderen Licht, den wunderschönen Farben und den einzigartigen Wolkenstimmungen angezogen, in der Mongolei unheimlich schöne Fotomotive vorfinden, ohne dabei stundenlang darauf warten zu müssen, bis sich vor der Linse alle Touristen verzogen haben. Auf andere warten in den gewaltigen, nahezu menschenleeren Steppen, den gigantischen Wüsten und den hohen Gebirgen der Mongolei noch echte Abenteuer. Wer sich hier falsch ausgerüstet auf Touren begibt, der handelt fahrlässig. Denn eine Panne abseits der gängigen Touristenrouten kann fatale Folgen haben. Hier schleppt Dich kein TCS und auch keine ADAC ab. Wer hier eine Panne hat und nicht gleich auch noch ein geübter Automechaniker ist, kann irgendwo im Nirgendwo gut und gerne mehrere Tage sitzen- bzw. steckenbleiben; auf einen zufällig vorbeikommenden Nomaden warten oder stundenlange Fussmärsche unternehmen um sich selbst Hilfe zu besorgen.  Das Gute ist, ausserhalb der Hauptstadt helfen alle einander. Denn früher oder später trifft es sowieso Jeden. Ein rechter Teil der Mongolei ist mittlerweile am Handynetz. D.h. wenn man Glück hat, kann man sich notfalls auch so noch Hilfe organisieren.

Nebst einzigartiger Landschaften und gastfreundlicher Menschen haben uns aber noch ganz andere Dinge in der Mongolei fasziniert. Nämlich, wie viele Mongolen, insbesondere aber die Nomaden der Mongolei es schaffen, ihre Traditionen über Jahrhunderte zu bewahren und gleichzeitig den Fortschritt der Zivilisation zu nutzen. So trifft man in Ulanbaatar auf viele gläubige Buddhisten und Schamanisten und ältere buddhistische Klöster unmittelbar vor oder zwischen modernen Hochhäusern. Anmerkung: Nahezu alle buddhistischen Klöster der Mongolei, sind nicht älter, als etwa 60 bis 70 Jahre.  Denn in der Zeit des Kommunismus gab es 1930 eine regelrechte Welle der Zerstörung. So wurden in der Mongolei in dieser Zeit fast sämtliche religiösen Einrichtungen dem Erdboden gleichgemacht.

Andere, fast noch grössere Gegensätze, als religiöse Bauten und moderne Hochhäuser in der Hauptstadt der Mongolei, trifft man auf dem Lande bei den Nomaden. So steht fast vor jeder Jurte eine Satellitenschüssel, sowie mindestens ein Motorrad um das Vieh zusammenzutreiben. Und in der Jurte steht ein Fernseher, sowie ein Handy. Das Kurioseste was wir auf unserer Reise je gesehen haben (s. Fotoalbum), war ein relativ moderner Kinderwagen, der vor einer Jurte parkiert war. Nichts als Steppe rundherum; keine Siedlung und keine Strassen weit und breit und der nächste Nachbar mindestens 20 Kilometer entfernt. Was ein Kinderwagen mit kleinen Rädern im unebenen Gelände und in dieser Abgeschiedenheit verloren hat? Wir wissen es nicht. Ein herrliches Fotomotiv war es aber allemal.

Nebst diesem technischen Fortschritt lebt die Landbevölkerung der Mongolei aber doch eher ärmlich. Sanitäre Einrichtungen nach westlichem Standard sucht man hier vergebens. 100 Meter von der Jurte entfernt ein Plumpsklo; d.h. ein Loch im sandigen Boden und ein paar Bretter darüber, fertig! Keine Duschen – nur Katzenwäsche. In der Jurte zwei harte Betten, einen Ofen, einen Altar und ein paar aufgehängte Auszeichnungen, welche man bei Pferde- oder Kamelrennen gewonnen hat und selbstverständlich ein Foto der ganzen Familie mit allen Kindern und Enkeln neben oder über dem Altar, sind zusammen mit ihren Ziegen-, Schaf-, Yaks- oder Kamelherden oft die ganze Habe dieser Menschen.  Einfache, für unsere Begriffe eher ärmliche Menschen, gezeichnet vom Leben und trotzdem stets mit einem herzlichen Lächeln und einem Strahlen im Gesicht zeichnet diese Nomaden aus. Griesgrämigen oder unzufriedenen Nomaden sind wir auf unserer ganzen Mongoleireise nie begegnet. Und gegen allfällige Einsamkeit haben die Nomaden immer noch ein oder zwei Wässerchen im Köcher. Gemeint sind die selbstgebrauten Säfte oder der einheimische bzw. russische Wodka.