22. Okt, 2016

Anders und Alles eine Spur grösser!

Ein Schweizer, der noch nicht viel von der Welt gesehen hat, glaubt in Zürich, Bern, Basel oder Genf in einer Grossstadt zu sein. Doch für Chinesen, welche in ihrem Land mit ganz anderen Dimensionen rech-nen, sind unsere Schweizerstädte nichts mehr als grössere Einkaufszentren oder bestensfalls mittelgrosse Dörfer.

Übrigens: Shoppen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Chinesen.

Unsere Reiseführerin Jennifer, welche uns heute vom Yangtse-Staudamm zum Bahnhof von Yichang begleitet, erklärt uns, in China gelten Städte bis zu einer Einwohnerzahl von vier Millionen als klein. Zwischen vier und sechs Millionen seien es mittelgrosse und erst ab einer Bevölkerung von sechs Millionen würden sie von Grossstädten reden. Als ich ihr die Einwohnerzahl der Stadt Luzern von 50'000 bis 60'000 nenne, lächelt sie. Soviel hätten bei ihnen kleinere bis mittlere Dörfer, meint Jennifer.

Und der Staudamm, den wir heute Morgen nach dem Frühstück, gewissermassen als Dessert, besuchen, der ist sowas von gigantisch, dass man dafür nur noch Superlativen kennt. (Foto: Blick auf die unteren der fünf "Schiffstreppen" / Schleusen). Die Daten zum Yangtse-Staudamm erspare ich mir und auch Euch. Diese lassen sich einfach googeln und in Wikipedia nachlesen. Den Staudamm aber life zu sehen, ist aber dennoch ausgesprochen beeindruckend.

Mindestens so beeindruckend sind in China aber noch ganz andere Sachen. So geht es im bevölkerungsreichsten Land der Erde extrem zivilisiert und gesittet zu und her. So, wie ich es mir vor unserer Chinareise nicht habe vorstellen können. So stehen die Chinesen in der Regel überall anständig an und nirgendwo wird gedrängelt (Ausnahme Strassenverkehr). Auch fühlen wir uns in jeder Stadt Tag und Nacht sicher - ausser beim Überqueren der Strassen. Und das im Westen aufgebaute Bild der lauten und überall auf den Boden spuckenden Chinesen ist eher ein Vorurteil, als Normalität und Wirklichkeit. So können wir dies hier in China unter den vielen Chinesen äusserst selten feststellen. Und wenn, dann wird eher diskret und etwas abseits auf den Boden gespuckt. Darüber hinaus geben sich die Chinesen modern, aufgeschlossen und westlich. Und in vielen Dingen sind sie gar nicht so anders, als wir Westler.

Deshalb erscheinen mir Zensur, die eingeschränkte Meinungsbildungs- und Meinungs-äusserungsfreiheit, das Blockieren von Internetseiten und E-Mail-Accounts (war die letzten Tage des Öftern selber davon betroffen), sowie das Einparteien-System, als Relikte längst vergangener Zeiten. Irgendwie passt das kommunistische System so gar nicht mehr zum modernen China. Wie China künftig den immer grösser werdenden Spagat zwischen der Alles beherrschenden Einparteien-Politik und der modernen und offenen Wirtschaft, sowie zwischen den immer grösser werdenden Luft- und Umwelt-problemen und den steigenden Bedürfnissen seiner Bevölkerung meistern will - ist mir ein echtes Rätsel. Doch bis heute hatten die Chinesen aber noch auf alle Fragen stets eine passende Antwort.

Und im Kopieren gehört China seit Jahrhunderten, und nicht erst seit Rolex, zu den unangefochtenen Weltmeistern. Wer weiss, vielleicht wird China auch einmal in Sachen Umweltschutz "Kopier-Weltmeister"! Zu wünschen wäre es jedenfalls China und der ganzen Welt. Nur Einmischung von Aussen schätzt das offizielle China ganz und gar nicht. Und mit Kritik umgehen, wird den Chinesen nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Um dies zu lernen, braucht China aber weder eine UNO und schon gar keinen Weltpolizisten, wie Amerika. Bei aller Kritik an Chinas Politik muss man den Chinesen unbedingt zu Gute halten. In ihrem Land gibt es ein hohes Mass an Ordnung und Sicherheit. Und wie dies letztlich zustande kommt, steht auf einem anderen Blatt und nicht in diesem Blog.Traurig