19. Okt, 2016

Einschiffen!

Einschiffen ist nicht etwa die vulgäre Form von einnässen. Einschiffen bedeutet das an Bord gehen eines Schiffes. Dies tun wir heute Abend, nachdem wir mit der China Southern Airline von Guilin kommend um 17.30 Uhr in Chongqing gelandet sind. In der Mega-Metropole Chongqing leben auf einer Fläche von 80'000 km2 über 32 Millionen Einwohner. Im Stadtzentrum sind es sogar 6 Millionen Menschen auf nur gerade 2'400 km2. Dies ergibt im Zentrum eine Bevölkerungsdichte von 2'500 Menschen/km2. (Vergleich Schweiz: ca. 200). Kein Wunder, dass wir für die 30 km lange Fahrt mit dem Auto mehr als eine Stunde benötigen. Einmal mehr keine Stadt in der wir leben und - wir sind uns einig - in der wir auch nicht eine einzige Nacht verbringen möchten. Von Smog will ich nicht mehr schreiben. Auch wenn ich mir sicher bin, dass das was wir am Himmel sehen und die Sonne verdeckt, nicht nur einfach zu Wolken erstarrter Wasserdampf ist.

Zum Glück wartet auf uns die Victoria Katarina. Die Victoria Katarina ist eines der grösseren Yangtze-Kreuzfahrtschiffe. Mit diesem "Dampfer" - erinnert etwas an die alten Missisippi-Dampfer, nur ohne Dampf und ohne Schaufelräder - werden wir die nächsten drei Tage die "Drei Schluchten" durchfahren und den "Drei Schluchten Damm", eines der grössten und umstrittensten Dammprojeknte der Geschichte besichtigen. Vor dem Schiff wartet der Kapitän und eine Blaskapelle. Alle Gäste werden mit einem Musikstück begrüsst. Wir hören gerade noch, wie man den Gästen vor uns den Titanic-Ohrwurm von Celine Dion "My heart will go on" spielt. Ich frage mich: Ist dieses Stück wirklich passend? Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. So enden, wie die Titanic oder das 2014 auf dem Yangtze untergegangene Touristenschiff möchten wir eigentlich nicht. Nicht zuletzt, weil der Yangtze ziemlich braun und trüb aussieht.

Da unten würde ich nämlich bestimmt meine Orientierung verlieren!Zwinkern Als ob die Blaskapelle meine Bedenken ob diesem Titanic-Lied gespürt hat, wechselt sie bei uns auf einen ziemlich lauten "Schränzer". Das Musikstück gefällt mir schon besser. Erinnert es mich doch an die Luzerner Fasnacht. 

Unser Führer begleitet uns bis zum Einchecken. Dann sind wir mit 300 bis 400 Gästen "alleine". Zuerst will man uns auf dem Schiff ein "Kabinen-Upgrade" auf eine Suite verkaufen. Doch wir sind mit unserer kleinen, aber netten Kabine mit kleinem Balkon, Bad und Dusche sehr zufrieden. Gegen 22.00 Uhr legen wir dann ab. Hafen, Brücken und Schiffe und alles, was sich sonst noch dazu eignet, sind bunt erleuchtet. Es blinkt, es glitzert und es spiegelt sich im Wasser. So bei Nacht sieht Chongqing nicht einmal so übel aus!