10. Okt, 2016

Im Land der Bai

Nachdem sich zu unserer Überraschung und Freude das Wetter gestern nachmittag markant gebessert hat, geht es heute wettermässig so weiter. Alex und unser Fahrer bringen uns um 08.30 Uhr zum Busbahnhof. Für einmal ist Busfahren angesagt. Und zwar mit dem «Yunnan Express». Für die 350 Kilometer benötigen wir rund 5,5 Stunden. Wir fahren nach Dali, ins Land der Bai. Endlich bekommen wir etwas vom ursprünglichen und ländlichen China zu sehen. Denn mit Ausnah-me der autonomen Provinz Tibet haben wir in China bisher mehrheitlich Grossstädte gesehen. Jetzt fahren wir durch hügelige und grüne Gegenden. Dali befindet sich rund 100 Meter höher als Kunming auf 2'000 Metern über Meer. Ein Herr Mei holt uns am Busbahnhof von Dali ab. Klappt wie immer wie am Schnürchen. Wenn uns ein Reiseführer an einem Flughafen, Zug- oder Busbanhof "abgibt", telefoniert er mit dem nächsten und teilt diesem unsere voraussichtliche Ankunftszeit mit.

Als Erstes fahren wir also mit Herrn Mei zum Wahrzeichen von Dali - den drei Pagoden. Diese stammen aus dem neunten und elften Jahrhundert und sollen ein schweres Erdbeben aus dem 14. Jahrhundert, sowie Chinas Kulturrevolution unbeschadet überstanden haben. Die mittlere der drei Pagoden ist ein eigentliches «Bauwunder» (s. Foto). Ist sie doch 71 Meter, bzw. 16 Stockwerke hoch und ohne Fundament gebaut. Im Kern der Stadt leben zwar auch 600'000 Einwohner. Doch die Stadt ist weitläufig und lebt praktisch ausschliesslich vom Kleinhandwerk und der Landwirtschaft. Dali ist ein richtiges «Touristennest». Weitaus die meisten Touristen – nämlich über 95% - stammen aus China selber, sagt uns Herr Mei. Die Altstadt ist sehr liebevoll gestaltet. Hier finden wir viele, wirklich alte Häuser. D.h. bis zu 300 Jahre alt sollten gewisse sein, erklärt uns unser Stadtführer. Unser Hotel, im passenden Stil der Stadt, liegt mitten in der Altstadt. Handwerker sitzen vor ihren Länden, fertigen Silberschmuck an oder erstellen sonst irgendwelche Verkaufsgegenstände an. Hier macht es so richtig Freude, durch die Stadt zu bummeln. Wir sind der Versuchung nahe, unsere bereits überfüllten Rucksäcke mit sehr preiswerten nützlichen und weniger nützlichen Souvenirs noch weiter zu überladen.  In China ist auf den Märkten stets Handeln angesagt.  Selbst dann zahlen wir als Westler vermutlich immer noch einen überhöhten Preis. Doch verglichen Schweizerpreisen bekommen wir in China immer noch sehr viel für unser Geld.

Ein ausgiebiges und schmackhaftes Mittagessen in einem guten Restaurant oder sogar im Hotel, mit verschiedenen Fleischgerichten, diversen Gemüsesorten, Nudeln oder/und Reis, sowie einem Getränk (1 Bier, 1 Tee oder 1 Mineralgetränk) kostet fast überall, wo wir bisher waren, höchstens Fr. 7.00 bis Fr. 10.00 pro Person. 1 Paar Handschuhe aus Yak-Leder gibt es für etwa Fr. 15.00 zu haben. Und handgefertigte Batik-T-Shirts gibt es ebenfalls für Fr. 15.00.

Was die Provinz Yunnan und ganz besonders Dali auszeichnet, ist das friedliche Zusammenleben einer Vielzahl chinesischer Minderheiten. Von den 56 Minderheiten – eine haben wir bereits im Tibet kennengelernt – würden 51 in der Provinz Yunnan leben. Und davon wiederum über 20 in Dali, erklärt uns Herr Mei. Dali habe diesbezüglich eine jahrhundertealte Tradition. Während über 500 Jahren sei Dali ein unabhängiges Königreich gewesen. Dabei hätten sich viele Völker in dieser Region niedergelassen um miteinander Handel zu treiben. Nach den Tibetern seien die Bai die grösste Minderheit Chinas. Von den 1,2 Millionen Bai würde die Mehrheit in Dali und Umgebung leben. Die Trachten der Bai zeichnen sich durch bunte Kleider und einen speziellen, vielfach blauen Kopfschmuck aus.