9. Okt, 2016

Im Steinwald

Ausflugsziel von heute morgen ist der Steinwald, chinesisch «Shilin». Dieser befindet sich etwa 80 Kilometer ausserhalb von Kunming. Bei diesem Steinwald handelt es sich um ein Karstgebirge (ähnlich der Schrattenfluh im Entlebuch), welches haarnadelartig, bizarr aus der Landschaft ragt. Der weitläufige Park ist sehr schön angelegt. Es regnet zwar nicht. Doch um schöne, kontrastreiche Fotos machen zu können, ist das Wetter zu diffus.

Am Nachmittag besuchen wir dann noch den lokalen Blumen- und Vogelmarkt in der Altstadt von Kunming. Doch sowohl der Blumen- wie auch der Vogelmarkt und ganz besonders die Altstadt sind sehr enttäuschend. Alex meint, hier entstehe die «neue Altstadt». Denn von dem was einmal eine Altstadt war, was den Namen Altstadt auch verdient, existieren kaum noch Häuser. Während bei uns schon weniger als 100jährige Häuser unter Denkmalschutz gestellt werden, pflegt man in China alte, sanierungsbedürftige Siedlungen und Häuser grossräumig abzureissen. Dies komme billiger, als alte Häuser zu sanieren, erklärt uns der sichtlich enttäuschte Alex. Anstelle der alten Häuser baue man eine neue Altstadt. Gewiss, die neuen Häuser sind sehr geschmack- und stilvoll gebaut – keine Frage. Werden diese doch sehr oft dem Stil der bisherigen Altstadt nachempfunden. Halt einfach neu! Was mit den bisherigen Bewohnern der abgerissenen Häuser passiert, wissen wir nicht. Doch die Vermutung liegt nahe, dass sich die Alteingesessenen die Mietpreise der neuen alten Häuser nicht mehr leisten können. Wie wir in Kunming, wie auch anderswo in China sehen, entstehen in den neu erstellten Altstadthäusern im Parterre relativ noble Verkaufsgeschäfte. Und die Mietpreise in der Stadt seien hoch, erklärt uns Alex.

Die meisten Chinesen würden für eine eigene Wohnung sparen. Häuser und Wohnsiedlungen würden von Wohnbaugenossenschaften oder direkt vom Staat erstellt. Weil der Boden immer Eigentum des Staates bleibt, entstehen in China Häuser de facto stets nur im Baurecht. Dies führt dazu, dass Wohnungen nur für eine Laufzeit von maximal 70 Jahre «gekauft» werden können, sagt uns Alex. Selber besitzt er eine kleinere Wohnung, welche er demnächst vermieten möchte, sowie eine etwas grössere Stadtwohnung in einem Quartier in der Nähe einer Schule.

Alex hat eine Familie und eine mittlerweile fünfjährige Tochter, welche in einem Jahr zur Schule kommt. Diese grössere Wohnung habe er für seine Tochter gekauft, sagt er. Eine Wohnung von 100 m2 koste in Kunming bis gegen 1 Million Yuan. Dies sind Euro 130'000.00 bzw. etwa Sfr. 150'000.00. Wenn man bedenkt, dass die meisten Chinesen pro Monat nicht mehr als rund 5'000.00 Yuan; d.h. gut 700.00 Franken verdienen, dann sind dies stolze Wohnungspreise. Die Hypothekarzinsen lägen bei rund 5%. Um eine Wohnung kaufen zu können, müsse man 20% Eigenkapital bringen, erklärt uns Alex. Und noch etwas: In China – und dies ist augenfällig – wird extrem viel gebaut. Dieser Bauboom habe vielerorts richtige «Geisterstädte» entstehen lassen. Man habe hierzulande Angst vor einer Immobilienkrise à la USA, so Alex. Wirtschaftlich gesehen – mit der klaren Betonung auf Wirtschaft - seien sie sehr westlich, meint Alex.