27. Sep, 2016

Endlich wieder Luft zum Atmen!

Nach einem kurzen Flug von gut einer Stunde erreichen wir heute abend Xining. Das Wetter ist leicht bewölkt. Doch die Luft ist endlich wieder klar und sauber.

Xining liegt auf 2’400 Metern über Meer, rund 700 Kilometer nordwestlich von Xi’an. Xining, heute eine Zweimillionenstadt, war bis 1950 Teil des 2,4 Millionen Quadratkilometer grossen, unabhängigen Staates Tibet. Dann marschierten die Chinesen im Tibet ein. Und seither betrachtet China den Tibet als Teil Chinas. So einfach ist das!

Welche Besiedelungs- und Verdrängungspolitik die chinesische Regierung seither betreibt, wird einem bereits auf der Hinfahrt vom Flughafen ins Zentrum Xinings ziemlich deutlich vor Augen geführt. Xining wächst rasant. Aber nicht etwa mit Tibetern, sondern mit Chinesen, die der chinesische Staat hier anzusiedeln versucht. Die Regierung zahle Chinesen, welche bereit seien ins unwirtliche Hochland Tibets zu ziehen, klar höhere Löhne, als man in anderen Regionen Chinas bekommen würde, erzählt uns unsere hier ansässige Reiseführerin, welche uns am Flughafen abholt.

Übrigens: Das Abholen von Flughäfen und Bahnhöfen hat bis jetzt reibungslos geklappt. Wir können uns stets darauf verlassen, dass in der wartenden Menschenmenge immer ein Reiseführer oder eine Reiseführerin mit einem grosses Blatt Papier in der Hand, auf dem unsere Namen stehen, auf uns wartet. Der Service ist super. Und daran wird sich wohl auch nichts ändern. Die lokale Firma, mit der wir hier unterwegs sind, ist nämlich eine staatliche, wie wir in Erfahrung bringen können. Dann sind wir ja in besten Händen! Denn China setzt alles daran, sein Image aufzubessern. D.h. man versucht seinen Gästen  möglichst nur die Schokoladenseite des Landes zu zeigen. So ähnlich kommt es uns auf jeden Fall vor. Doch das ist menschlich! Versuchen wir Schweizer doch genau so, wie es auch der Rest der Welt zu tun pflegt. Einfach mit dem kleinen Unterschied - wir tun es etwas subtiler, weniger offensichtlich und vor allem ohne Zensur.

Und so schreiben wir ganz artig auch nur über die Sachen, welche wir auf unserer Chinareise sehen und hören dürfen. Über das andere China, bzw. das was wir auch noch zu hören bekamen, schreiben wir dann frühestens, wenn wir China verlassen haben. Denn in einem Land, wo Google, Facebook, Twitter und Co. komplett zensuriert sind und wir nebst diesen auch auf viele andere Seiten nicht zugreifen können, müssen wir davon ausgehen, dass China ziemlich alles überwacht, was dieses Land verlässt – ganz besonders das Internet.

Unsere Reiseleiterin setzt uns schliesslich in unserem Hotel im Zentrum Xinings ab. Morgen steht einer der grossen buddhistischen Tempelanlagen Tibets, der Kumbum-Tempel, auf dem Programm. Nachts machen wir noch einen kurzen Bummel durch kleine Gassen und Marktstände Xinings.