26. Sep, 2016

Geht China am eigenen Dreck zugrunde?

Im 9'600'000 Quadratkilometer grossen China, dem bevölkerungsreichsten Land dieser Erde, gibt es nicht nur eine einheitliche Uhrzeit für das ganze Land - genannt Peking-Zeit - sondern gleich auch noch ein Wetter und eine Jahreszeit - genannt Smog. (Foto: Blick aus dem 14. Stock von unserem Hotel in Xi'an)

 Auf dem bisherigen Teil unserer Weltreise wurden wir mit äusserst sauberer Luft (Azoren, Sibirien und Mongolei) mit riesigen Wasserreservoirs, welche Trinkwasser-qualität haben (Baikalsee) und mit Landschaften, bei denen die Fernsicht von einem Horizont zum anderen reicht (Mongolei) so sehr verwöhnt, dass wir kaum glauben können, was wir hier in China nun antreffen.

Von den bisherigen sieben Tagen in China hatten wir gerade mal zwei Tage - nämlich die ersten beiden -, an denen die Luft klar und das Wetter schön war. Wobei schön wäre das Wetter ja auch jetzt mehrheitlich - zumindest auf dem Wetterradar. Doch dieser hässliche Smog verwandelt alles in einen einheitlich grauen Brei. So ähnlich, wie bei uns im Spätherbst, wenn Nebel über das Land zieht. Nur viel, viel ungesunder und giftiger. Hinzu kommt, dass die am Himmel stehende, gelbrote Sonne die stickigen Abgase und den giftigen Industrieruss zusätzlich noch treibhausartig aufheizt. 

Anfänglich glaubten wir, dies sei nur gerade in der 23-Millionenmetropole Peking und deren Umgebung so. Doch seitdem wir gestern Morgen mit dem Nachtzug von Peking hier in Xi'an, einer etwa 1'000 Kilometer südwestlich von Peking gelegenen Achtmillionenstadt angekommen sind, haben wir die Gewissheit, dieser Russ, Staub und Dreck liegt über halb China. Und dies sei nicht etwa nur an ganz bestimmten Tagen oder zu einer bestimmten Jahreszeit so, bestätigen uns unsere Stadt- und ReiseführerInnen in Peking und Xi'an. Dieser Smog beherrsche weite Teile Chinas und zwar das ganze Jahr hindurch. Tage mit klarer Luft seien die Ausnahme, sagen sie.

Der Smog ist das, was jedem Chinareisenden als erstes ins Auge sticht, bzw. ihm in den Augen brennt. Doch mindestens so schlimm belastet, wie die Luft muss in Nordchina auch das Wasser sein, bestätigen uns zumindest unsere Stadt- und ReiseführerInnen vor Ort. 

Komisch: In unserem Reiseführer über China von "Nelles Tour Guide" finden wir einerseits nur tolle Fotos, welche bei besten Sichtverhältnissen gemacht wurden und andererseits kein einziges Wort über Chinas Umweltprobleme, wie z.B. den Smog. Ich meine, alle China-Reiseführer müssten zwingend umgeschrieben werden. So sollten die Reiseführer nicht mehr primär nach Provinzen, sondern in smog-freie und smog-belastete Regionen gegliedert werden. Denn hätten wir im Vorfeld nur annähernd erahnen können was uns in China erwartet, dann hätten wir unsere Chinareise bestimmt anders zusammengestellt. D.h. wir wären in den belasteten Gebieten kaum einen Tag länger geblieben, als unbedingt nötig. Unter den aktuellen Bedingungen macht das Rausgehen, das Flanieren und das Fotomachen, für naturliebende Menschen wie uns, nicht wirklich Spass. Statt Polarisationsfilter auf meinen Objektiven bräuchte ich jetzt für meine Kamera ein paar gute Smogfilter. Nur so etwas muss zuerst noch erfunden werden. 

Nun freuen wir uns mal auf die nächsten zehn Tage. Denn morgen fliegen wir nach Xining einer Stadt nordwestlich von Xi'an, welche auf einer Höhe von 2'200 Metern über Meer liegt und gewissermassen das Tor zum Tibet bildet. Dort sollten wir hoffentlich dem Dunst und dem Smog des Tieflandes entfliehen können. Garantiert keinen Smog, dafür ziemlich sauerstoffarme Luft, werden wir dann die weiteren 8 Tage in Lhasa haben. Die Hauptstadt Tibets liegt nämlich auf einer Höhe von 3'650 Metern über Meer.