29. Okt, 2016

Dies ist unser letzter Abend in China. Die Metropole Shanghai ist für das Reich der Mitte in verschiedenster Hinsicht ein Aus-hängeschild Chinas. Die mondäne Stadt mit ihren Wolkenkratzern ist der eigentli-che Motor Chinas. In ihrem Lichtermeer erstrahlt die Stadt nachts besonders. An einem gewöhnlichen Samstagabend wie heute, sind in der Innenstadt so viele Menschen unterwegs, dass wir fast nicht durchkommen.  

Morgen früh um 07.00 Uhr ist Startschuss zum internationalen Marathon von Shanghai. Die Marathonstrecke führt genau an unserem Central Hotel vorbei. Leider können wir nicht am Strassenrand stehen und den Läufern zujubeln. Müssen wir doch bereits um 06.45 Uhr mit unserem Taxi an den internationalen F.lughafen von Pudong fahren. Unser Flug in die Schweiz geht um 09.50 Uhr.

Wir verabschieden uns von China und ganz besonders von der chinesischen Internet-polizei. Ab morgen werden unsere Mails und meine Blogs dann wieder von der NSA gelesen. Statt unsere Homepage zu blocken und uns den Zugang zu unserem Mail-Account zu erschweren, wünsche ich mir, dass sich die NSA ab und zu in unserem Gästebuch verewigt. 

29. Okt, 2016

«Ni chile ma?» ist eine chinesische Form der Begrüssung und bedeutet: «Hast Du schon gegessen?» Mit diesem Satz drückt der Chinese bereits aus, wie wichtig ihm die kulinarischen Freuden und das gemeinsame Tafeln sind.

Wenn man weite Teile Chinas bereist und viele Blogs über allesmögliche geschrieben hat, dann ist es unbedingt wert, auch etwas über die chinesische Küche zu schreiben.

Diesen Bericht schreibe ich ganz eigennütz all’ jenen, welche lieber essen, als kochen und jenen, welche «gesundes» Essen, «ungesundem» Sport vorziehen. D.h. ich widme diesen Bericht ganz besonders mir.

Prolog

Die chinesische Küche gibt es genausowenig, wie die Schweizer Küche oder die französische oder die österreichische Küche. Nachdem wir in mittlerweile 40 Tagen China von Nordosten (Peking) über das tibetische Hochland im Westen (Lhasa) bis hin zum Tiefland im Südosten (Shanghai) ausgiebig bereist und uns dabei tapfer durch die Speisekarten der Hotels und Restaurants durchgearbeitet haben  –  was man mir entsprechend ansieht Cool -  stellen wir fest, dass das Einzige, was die Küche im Reich der Mitte miteinander verbindet, höchstens das Geschirr und die Stäbchen sind, aus und mit denen die zubereiteten Speisen gegessen werden. Dazwischen liegt eine äusserst vielseitige und abwechslungsreiche Spannbreite chinesischer Kochkunst. Die chinesische Küche in diesen Regionen unterscheidet sich zueinander mindestens so sehr, wie eine St. Galler Weisswurst von einem Walliser Raclette.

Die Küche des Nordens

Im Nordosten; d.h. rund um Peking isst man viel mehr Hirse- und Weizenprodukte, als Reis. Hier haben wir besonders viele Nudelgerichte aller Art gegessen.  Die Nudeln werden meist im Öl gebraten. So gibt es Nudeln mit Ei oder Nudeln mit Schwein oder Huhn oder Nudeln mit verschiedenem saisonalen Gemüse, wie Lauch, Bohnen und Soja. Besonders die gebratenen Nudeln schmecken lecker. Die kaugummiartigen, weichen, schneeweissen Dampfbrötchen schmecken nach Nichts und sind eher gewöhnungsbedürftig. Eine Delikatesse und Besonderheit dieser Gegend ist die knusprig gebratene Peking-Ente. Muss man unbedingt probiert haben. Die Pekinger würzen ihre Speisen nicht allzu scharf. In dieser Hinsicht haben wir in China noch ganz andere Regionen kennengelernt.

Die Küche Tibets

Die tibetische Küche unterscheidet sich von der Pekinger Küche grundlegend. So kommen im Tibet besonders viele unterschiedliche Yak-Produkte auf den Tisch. Momos, schneeweisse Teigtaschen aus Mehl und Wasser - Ravioli oder Tortellini ähnlich - nur viel grösser, meist gefüllt mit Yak-Fleisch, schmecken ganz besonders gut. Aber auch Yak-Steak, Yak-Milch oder die feinen Yak-Natur-Yoghurts sind lecker.  Hier isst man bereits klar schärfer, als in Peking. Mit Chilischoten, Paprika und Pfeffer wird nicht gespart.

Die Küche des Westens

Im Hochland der Provinz Yunnan (Dali, Lijiang und Shangrila), wo ebenfalls viele Tibeter und ganz viele Ethnien zusammenleben, wird viel Reis und Gemüse angebaut, was wiederum in deren Küche zum Ausdruck kommt. So haben wir hier einerseits tibetische Küche, kombiniert mit anderen Küchen serviert bekommen. Erwähnenswert sind hier die verschiedensten Reisgerichte. Reis in allen Variationen – ähnlich den Nudelgerichten Peking’s – einfach mit Reis. Besonders schmackhaft ist gebratener Reis mit Ei und feingeschnittenem Gemüse. Hier wird noch schärfer gekocht, als im Tibet. Diverse Chilisorten; scharfe und bisweilen extreme Gewürze und eine grosszügige Verwendung von Knoblauch, Zwiebeln und Frühlingszwiebeln schaffen einzigartige Geschmackserlebnisse. Glücklicherweise ist den meisten Chinesen bewusst, dass wir Westler solche Schärfe eher schlecht gewohnt sind. So werden "Nicht-Schlitzaugen" in den Restaurants meist gefragt, ob sie scharf gewürzte Speisen mögen.

Die Küche des Südostens

Wenig scharf geht es in der Gegend um Guilin und Yangshuo zu und her. Die Stadt Guangzhou (Kanton) befindet sich ganz in der Nähe. Aus dieser Gegend sollen die grossen chinesischen Kochkünstler stammen, welche in der Schweiz und Europa ihre Restaurants betreiben. D.h. die chinesische Küche, welche wir bei uns kennen, ist die kantonesische Küche.  

Die Küche des Ostens

Je mehr wir uns den wasserreichen Gegenden um Shanghai (Shangzhou und Hangzhou) nähern, desto mehr finden wir auf den Speisekarten Fisch, Krebse und anderes See- und Meeresgetier. Dieser wohlschmeckende Mandarin Fisch (s. Foto) stammt aus dem 2'500 km2 grossen Tai-Hu-See. Fritiert und mit einem feinen Teig leicht überbacken, leicht süss/sauer an einer Tomatensauce haben wir diesen leckeren Mandarin Fisch im Hotel Holiday Inn in Suzhou gegessen. Zusammen mit etwas Klebereis wurden wir zu zweit mehr als nur satt von diesem Fisch. Preis zusammen inkl. Tee und Reis total Fr. 25.00 (Euro ca. 22.00).

Sicher ist, den kulinarischen Wettstreit mit China werden die Amerikaner auch in tausend Jahren nicht gewinnen. Denn dazu fehlt Amerika schlicht und einfach die entsprechende Kultur.

Und noch etwas:

Wozu ich mich bis heute (noch) nicht überwinden konnte, ist einen fritierten Skorpion, eine fritierte Heuschrecke oder einen gebratenen Engerling zu essen. Doch wer weiss, vielleicht esse ich an unserem letzten Tag in Shanghai doch noch so eine «Made in China».

28. Okt, 2016

Unsere gestrige Hoffnung auf besseres Wetter war leider nur von kurzer Dauer. In der Nacht sah es zwar einmal so aus, als ob der Himmel aufklaren und wir am nächsten Tag freundliches Wetter haben würden. Doch als wir heute morgen aus unserem Hotelzimmer schauen, ist wiederum Alles in dichten Nebel gehüllt. Und zwar so, dass wir das Haupthaus des Xihai-Hotels, welches nur gerade 100 Meter von unserem Gebäude entfernt ist, bloss durch einen dichten Nebelschleier erkennen können. Statt uns mit unserem Guide um zehn Uhr auf eine Wanderung zu begeben, beschliessen wir, uns nochmals ins Zimmer zurückzuziehen und dann um zwölf Unr auszuchecken, den "Doppelmayr" zu nehmen und die Gondelfahrt ins Tal anzutreten. Das Wetter im Tal ist zwar ebenfalls stark bewölkt. Doch im Tal unten irren wir wenigstens nicht im Nebel herum und wir werden dort auch nicht mit Regen berieselt, wie oben auf dem Huangshan. Schade, denn das Gelbe Gebirge wäre bei schönem Wetter wirklich sehr eindrücklich. Sowohl auf das Kaufen, wie auch auf das Fotografieren von Postkarten verzichten wir schliesslich.

Nach der 75 Kilometer langen Rückfahrt verbringen wir den Nachmittag in der Altstadt von Tunxi mit "lädele" (shoppen). Hier probieren wir in einem Teehaus noch diverse Teesorten. So u.a. den lokalen Crysanthemen-Tee (s. Beitrag China - Land der Tee-trinker). Um 18 Uhr holen wir noch unser schweres Gepäck, welches wir gestern morgen hier im Hotel in Tunxi zurückgelassen haben. Dann fährt uns Bruce, unsere Reisefüdhrer, zum Bahnhof, wo wir das letzte Mal einen chinesischen Nachtzug besteigen. Auf der 700 Kilometer langen und zwölf stündigen Fahrt teilen wir unser 4er-Abteil im chinesischen Erstklass-Softsleeper mit zwei netten etwa 40jährigen Frauen aus Singapur. Die beiden Frauen beenden ihre achttägige Reise nach China ebenfalls in Shanghai. Am Montag fliegen sie nach Singapur zurück.

Das Gute: Heute Nacht stört uns wenigstens kein Schnarcher!

28. Okt, 2016

Tee ist Chinas Nationalgetränk schlecht-hin.  Praktisch in jedem Restaurant wird zu jeder Mahlzeit unaufgefordert eine Kanne Tee serviert. Der so servierte Schwarz- oder Grün-tee ist dann auch im Normalfall kostenlos. Während im Raum Peking entweder Grün- oder Jasmin-Tee getrunken wird, bevorzugen Tibeter gesalzenen Schwarztee mit Yak-Milch. Diesen «Yak-Tee» mögen wir ganz besonders. Wilde Yaks leben im Hochgebirge u.a. rund um den Mount Everest und den Mount Kailash bis weit über 7'000 Metern, während die tibetischen Nomaden und Bauern grosse Yak-Herden oder Kreuzungen zwischen Kühen und Yaks als Nutztiere halten. Wie man diese Kreuzung nennt, weiss ich nicht - möglicherweise «Ka(c)k».

In der Gegend von Huangshan (Gelbes Gebirge) wird als Spezialität Crysanthemen-Tee getrunken. In den Tälern dieser Gegend findet man grosse Crysanthemen-Plantagen (s. Foto). Für den Crysanthemen-Tee würden sich nur die weiss- und gelbblühenden Sorten eignen, so unser aktueller Reiseführer Bruce. Wenn die Blüten in voller Pracht stehen, werden die ganzen Blütenköpfe geerntet und während Tagen getrocknet. Aktuell ist gerade Erntezeit.

Für eine Tasse Tee wird eine einzige getrocknete Blüte mit heissem Wasser übergossen. Die so übergossene Blüte erwacht im Krug bzw. in der Tasse schliesslich wieder zur vollen Pracht. So, als ob sie nie getrocknet worden wäre. Nach drei bis fünf Minuten ziehen lassen, bekommt man dann einen herrlichen Teesud. Der Sud schmeckt nicht nur fein nach Crysantheme. Er soll auch noch gesund sein. Die Chinesen sagen, Crysanthemen-Tee sei gut für Augen und Leber. Also, bevor Du nun Deine auf dem Balkon stehende, gelbe oder weisse in der Migros oder im Aldi gekaufte Crysantheme entsorgst, schneide die noch schönen Blütenköpfe ab und trockne diese für einen feinen «Winter-Tee». Übrigens: Wir haben gestern Crysanthemen-Tee getrunken. Und heute geht es uns immer noch gut!

Während Marion die letzten 40 Tage meist Tee oder Wasser trank, habe ich mich – jedoch mit sehr mässigem Erfolg – durch die vielen einheimischen Biersorten und Biermarken durgearbeitet und dabei mindestens fünfzehn Sorten probiert.

Fazit:

Keines der chinesischen Biere kann auch nur annähernd mit unseren kräftigen und malzigen Bieren des Westens mithalten. Das in China am weitesten verbreitete Bier ist das Tsingtao-Bier. Am besten geschmeckt hat mir das Dali-Bier. Doch alle Biere schmecken irgendwie wässrig. Mit einem Volumengehalt von meist weniger als 2,5% passt sich der Alkoholgehalt dem eher «faden» Biergeschmack bestens an.

27. Okt, 2016

Die drittletzte Nacht in China verbringen wir in Huangshan. Huangshan liegt auf einer Höhe von 1'600 Metern und heisst übersetzt soviel, wie Gelbes Gebirge. (Huang = gelb; shan = Gebirge).

Den gestrigen Tag haben wir in der Nähe von Tunxi, einer chinesischen Kleinstadt von 200'000 Einwohnern verbracht. Das schwere Gepäck lassen wir heute im Hotel in Tunxi zurück, während wir mit leichtem Gepäck zuerst etwa 75 Kilometer hinein und dann mit Bus und Gondelbahn hinauf ins Gelbe Gebirge fahren. Wir - und dabei meine ich ganz besonders Marion - fühlen uns hier wie zu Hause. War doch Doppelmayr, der österreichische Hersteller von Gondelbah-nen auch schon hier und baute 2007 diese Seilbahn, welche wir gegen elf Uhr besteigen.

Unserem Reiseführer zufolge soll das Gelbe Gebirge einzigartig, bizarr und zugleich eine der schönsten Gebirgslandschaften Chinas sein. Doch leider können wir dies nicht bestätigen, sondern anhand von Postkarten und Gemälden lediglich erahnen. Der Nebel ist so dicht, dass wir gerade mal 100 Meter weit sehen. Zudem sind wir hier oben auf unsere beiden Regenschirme angewiesen.  Dies ist aber glücklicherweise erst das zweite Mal während der letzten drei Monate. Vorteil: die Schirme werden wieder einmal gewaschen.

Wieso das Gelbe Gebirge so heisst, kann man unlängst anhand von diesem Foto erkennen. Denn da oben treffen wir auf grosse Kolonien handzahmer herumwatschelnder "Gelbschnabel-Blaufuss-Tölpel". Lautes Lachen

Mal schauen, ob das Wetter morgen etwas mehr vom Gebirge zeigt, als heute. Andernfalls machen wir dann das, was andere auch tun - nämlich Postkarten abfotografieren! Zwinkern

Übrigens: Das Gebirge hier ist dunkel bis fast schwarz und nicht etwa gelb. Den Namen Gelbes Gebirge hat diese Gegend von einem Kaiser erhalten. Dem "Gelben Kaiser", wenn ich unseren aktuellen, wieder einmal englisch sprechenden Reiseführer, richtig verstanden habe. Und diese gelben Plastikumhänge und  die dazu passenden blauen Schuhüberzüge kann man für wenige Yuan bei der Seilbahnstation kaufen. Ein weiterer Vorteil: Mit diesen knalligen Farben gehen Touristen nicht einmal im dichtesten Nebel verloren!