20. Nov, 2016

Mein Traum

Wenn heute Eltern mit ihren Kindern ans Meer in die Ferien fahren - pardon fliegen, dann ist dies in der Regel weder spektakulär noch irgendwie aussergewöhnlich. In den 60er und 70er Jahren, als ich selber noch Kind war, da war ein Urlaub am Meer noch etwas ganz Besonderes. So hatte ich das Glück mit meinen Eltern und Geschwistern alle fünf Jahre an ei-nen der schönen italienischen Badestrände von Baia Domizia oder Torre Pedrera zu fah-ren - und dies mit dem Zug. 

Diese Ferien am Meer gehörten für mich zu den schönsten, weil Aussergewöhnlichsten und Prägendsten meiner Kindheit. Der Duft von Meer und Salzwasser; der herrliche Sand mit dem sich Sandburgen bauen liessen, das Spielen mit Bocciakugeln im weichen Sand und die Strand-verkäufer mit ihren Bauchnabelkiosken, das vergesse ich selbst Jahrzehnte später nicht. Ich weiss noch genau, die Strandverkäufer liefen kreuz und quer durch die vielen Badegäste. Der eine rief dauernd auf Deutsch «Eis am Stecken tut man schlecken, Eis am Stiel kost’ nicht viel». Und der andere versuchte seine eisgekühlten Kokosschnitze mit «Coco bello, Coco bello» an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.

Ein guter Schwimmer war ich nie. Bin schon als Kind lieber getaucht, als geschwommen. Später habe ich es dann mit der Pressluftflasche versucht. Jedoch mit mässigem Erfolg. Von der Unter-wasserwelt habe ich zwar immer geschwärmt. Doch wenn ich ehrlich bin, wollte ich bei meiner Taucherei einfach bloss wissen, was für Fische mir im Wasser entgegenkommen, die ich beim normalen Schwimmen im schlimmsten Fall spüren, jedoch nicht sehen konnte. Auch wenn ich mich im Wasser eher selten und wenn, dann kaum lange aufhalte - schon gar nicht, wenn das kühle Nass keine Badewannentemperatur hat - so ist mir in all' den Jahren Eines geblieben und zwar der Wunsch nach Sonne und Meer. Für mich gibt es kaum was Schöneres, als das Rauschen und Klatschen von Wellen und der Blick in die Ferne. Bei aller Liebe zu unserer schönen Schweiz mit den hohen Bergen und den klaren Seen – träume ich seit meiner Kindheit davon, wir Schweizer hätten auch irgendwo ein bisschen Meer. Doch daraus ist bis heute einfach nichts geworden.

Als am Ende des 15. Jahrhunderts die Seefahrernationen Portugal, Spanien, Frankreich, England, Holland und wie sie alle heissen, die Welt entdeckten und eroberten, haben unsere Alten Eidge-nossen entweder geschlafen oder ganz einfach den Zug, bzw. das Schiff verpasst. Zu sehr waren sie mit sich selber beschäftigt, schlugen sich gegenseitig die Köpfe ein oder waren in Kriege, wie 1480 in den Burgunder- oder 1499 in den Schwabenkrieg verwickelt. So dachten sie weder an die weite Welt, noch an mich und meinen Traum von einer Schweiz mit Meeranstoss. Vermutlich haben die Alten Eidgenossen primär einmal an sich und nicht an spätere Generationen gedacht. Etwas, was man unsereins bestimmt nie vorwerfen kann. Denken wir doch laufend an Euch - liebe Nachfahren - wenn wir heute Eure künftige Welt kaputtmachen!

Warum habt Ihr Eidgenossen, als die Holländer, Portugiesen und Spanier zur See fuhren, nicht einfach eine Karavelle gechartert oder Euch zumindest auf einem von deren Schiffen anheuern lassen? Während die Seefahrer, Entdecker und Eroberer anderer Nationen an die Zukunft ihrer Länder dachten, seid ihr lieber als Söldner in fremden Sold gezogen und habt – und das muss man Euch für einmal hoch anrechnen – sogar den Papst beschützt.

Und was ist geblieben?

Die Holländer zum Beispiel, die haben auch heute noch eine ganze Anzahl herrlicher Touristen-inseln in der Karibik. Aruba ist nur eine davon. Und was gehört uns «bescheidenen» Schweizern? Nicht einmal der Papst ist Einer von uns. Obwohl wir ihn seit Jahrhunderten mit Waffen aus dem Mittelalter beschützen. Ich finde, daran muss sich langsam aber sicher etwas ändern.

 (Offener Brief an unsere lieben Holländer im Norden)

«Liebe Oranje’s.

1636 habt ihr Aruba besetzt. Mit Ausnahme einer kurzen britischen Herrschaft zwischen 1805 und 1816 ward ihr immer die Herren auf der Insel. Das Gold, das es hier einst gab, habt Ihr längst zutage gefördert. Und Erdöl fliesst hier auch keines. In den letzten Jahren und Jahrzehnten verzeichnete Aruba einen starken Zuwachs an Touristen. Es ist Euch bestimmt aufgefallen, dass sich Eure Karibikinsel parallel zum touristischen Aufschwung immer weiter vom Mutterland Holland entfernt. So hat sich Aruba mit dem Aruba-Florin nicht nur eine eigene Währung geschaffen, sondern sich in den letzten Jahren auch noch eine vollkommene innere Autonomie erstritten. Und es ist augenscheinlich, dass man auf der Insel vor allem Papiamento, eine auf das Portugiesische zurückgehende Kreolsprache spricht, während in den Touristenhochburgen und Hotels mehrheitlich Englisch oder Spanisch und bedeutend weniger holländisch als noch vor Jahren gesprochen wird.

In Anbetracht dessen, liebe Holländer, warum verkauft Ihr Aruba nicht einfach an uns Schweizer? Ich sage Euch, der Präsident unserer schweizerischen Nationalbank, der Herr Jordan, tut sich schwer, seine vielen Milliarden an Währungsreserven und seine 88 Milliarden Eigenkapital irgendwie schlau am Markt zu platzieren. Dabei wäre es doch so einfach. Warum nicht eine Insel, wie Aruba kaufen? Für uns Schweizer wäre dies eine nette Kapitalanlage und Ihr Oranje’s könntet damit Eure Löcher im holländischen Haushalt stopfen.

Ich schlage vor, Ihr nehmt am besten gleich morgen mit unserem Aussenminister Kontakt auf. Seine Adresse lautet: Herr Bundesrat Didier Burkhalter, Bundeshaus, Bundesplatz 3, 3005 Bern. Tut dies und ich bin der Erste, der in der Schweiz auf die Strasse geht und Unterschriften sammelt. Ihr müsst wissen, wir Schweizer sind Weltmeister im Unterschriften sammeln. Und zwar für und gegen Alles. Nützt zwar in der Regel nichts. Beruhigt aber das Gewissen ungemein. Und sollte es dann zwischen unseren beiden Ländern betreff Aruba zu Verkaufsgesprächen kommen, dann wären dies für einmal keine billigen Latrinengeschäfte, sondern echte biLaterale Verhandlungen.

Für den schlimmsten Fall, dass das Aruba-Geschäft scheitert und mein Traum von einer Schweiz mit Meeranstoss weiterhin ein Traum bleiben sollte, dann habe ich – bitte nehmt es mir nicht übel, liebe Oranje’s – am schönsten Strandabschnitt des Eagle Beach mit diesen Schweizer Fähnchen (s. Foto) bereits vorsorglich zwei Quadratmeter Schweiz abgesteckt.

Euer Daniel - der Träumer und Lausbub»