20. Dez, 2016

Um 07.30 Uhr fährt unser Bus nach El Chaltén. El Chaltén liegt am nördlichen Ende des Natio-nalparks Los Glaciares, ungefähr 200 km nörd-lich von El Calafate am Lago Viedma. Der Lago Viedma dürfte ähnlich gross sein, wie der Ar-gentino bei El Calafate. 

Vor 25 Jahren besuchten wir auf unserer da-maligen Weltreise ebenfalls El Chaltén. Mehr als an die staubigen, nicht geteerten Strassen, sowie an eine kleine Kapelle können wir uns nicht mehr erinnern. 1991 waren wir mit Zelt und Schlafsack unterwegs und viel am Wandern. An die Schlepperei kann ich mich noch gut erinnern. Heute, wie schon damals, zieht es primär Wan-derer, Bergsteiger und Kletterer nach El Chaltén. Vom kleinen "Nest" von vielleicht 300 Einwoh-nern (1991) ist heute ein richtiges Touristendorf von rund zehnmal mehr Menschen geworden. Und es wird in El Chaltén tüchtig weitergebaut. Eine Unterkunft nach der anderen.

El Chaltén ist zu einem richtigen Mekka der Wander- und Bergsteigerszene aus aller Herrenländer geworden. Dieses Dorf ist das Eingangstor zum berühmten Fitz Roy, dem Cerro Torres oder zu den riesigen Gletschern des Los Glaciares Nationalparks. Bergwanderer sehen diese Berge jedoch nur von Weitem. Das Besteigen der Berge bleibt mehrheitlich Hochalpinisten und Kletterern vor-enthalten. Dennoch, die Bergwanderer kommen im Nationalpark Los Glaciares reichlich auf ihre Rechnung. So verfügt dieser Teil des Parks über unheimlich schöne und kilometerlange Bergwan-derwege, welche auch für wenig geübte Wanderer durchaus zu bewältigen sind. Und das tolle am Park ist, hier bezahlt man im Gegensatz zum Parkeingang beim Perito Moreno Gletscher bei El Calafate, keine Eintrittsgebühren.

Auf der zweieinhalbstündigen Busfahrt war das Wetter recht freundlich. Je mehr wir uns jedoch El Chaltén und den Bergen nähern, desto stärker ist der Himmel bewölkt. Trotzdem machen wir am Nachmittag noch eine Wanderung zur Laguna Capri. Dort befindet sich auch ein einfacher Campground inmitten eines Waldes, vier Kilometer und 375 Höhenmeter oberhalb von El Chal-tén. Der Wind bläst stark und böenartig. Der Himmel ist bedeckt und auf unserem Rückweg kommt sogar noch etwas Regen auf. Wir hoffen, dass wir morgen etwas bessere Witterungs-bedingungen haben werden.

19. Dez, 2016

Seit einem halben Jahr soll es in El Calafate nicht mehr geregnet haben, sagt man uns. Dort, wo nicht gewässert wird, sieht es auch entsprechend aus. Mit Tank-Spritzwagen, ähnlich unserer Strassenreinigungsmaschinen, werden die Rabatten entlang der Strassen bewässert. An Wasser würde es grundsätzlich nicht mangeln. El Calafate liegt am riesigen Gletschersee Lago Argentino. Dieser See wird mit Gletscherwasser u.a. vom Perito Moreno Gletscher gespiesen. Laut Wikipedia hat er eine Fläche von 1'466 km2, was etwa der dreifachen Fläche des Bodensees entspricht.

Verantwortlich für die grosse Trockenheit entlang der Andenostseite Patagoniens sind nicht nur die geringen Niederschläge, sondern auch der unangenehme, kalte, bis warme, jedoch meist sehr trockene Fallwind, der von den chilenischen Anden im Westen über die Steppen Argentiniens bläst. Der Wind kann mit einem stetig wehenden, starken Föhnsturm oder dem Mistral Frankreichs verglichen werden. 

Bei solch’ trockenem Wetter ist wandern angesagt. Eigentlich habe ich gar keine Zeit zum Wandern. Es warten noch so viele Berichte und Fotos aus der Antarktis darauf, webseitentauglich gemacht und auf unsere Homepage gestellt zu werden. Und wenn ich nicht am Tage dazu komme, dann muss ich dies nachts tun, wenn Marion bereits längst schläft. Und am Morgen, wenn sie zwischen 08.00 und 09.00 Uhr aufsteht, bin ich in der Regel auch schon zwei bis drei Stunden am Arbeiten.

Wie schätze ich doch ab und zu mal schlechtes Wetter. Als ob der Himmel mit El Calafate und mir erbarmen gehabt hätte, regnet es am 18. und 19. Dezember fast die ganze Zeit und dies erst noch relativ stark. In El Calafate rinnen ganze Bäche die Strassen hinunter. Und ich komme für einmal um Nachtarbeit herum.

17. Dez, 2016

Der Zufall will es, dass wir gestern zusammen mit den beiden Amerikanern, Shahryar und Das, auf demselben Flug von Ushuaia nach El Calafate waren. Wir wohnen zwar nicht in derselben Unterkunft. Doch wir planen den morgigen Tag gemeinsam zu gestalten. Unser Ziel: der Nationalpark Los Glaciares. Etwa 65 Kilometer westlich von El Calafate befindet sich eine der Hauptattraktionen dieses Parks – der Perito Moreno Gletscher (s. Bild). Gäbe es diesen Gletscher nicht, so gäbe es vielleicht auch El Calafate nicht oder El Calafate wäre noch immer dieses kleine Nest wie vor 25 Jahren, als wir zum ersten Mal hierherkamen. Damals zählte El Calafate etwa 3'000 Einwohner. Woran wir uns erinnern können, ist, dass 1991 die Dorfstrassen noch mehrheitlich unbefestigt und staubig waren. Heute zählt El Calafate etwa 12 mal mehr Einwohner, wie damals. Ein unbedeutendes Nest ist es meiner Meinung nach dennoch geblieben. Die vielen tausend Gäste, welche jährlich hierher pilgern, kommen wegen des Gletschers und sicher nicht, weil El Calafate besonders reiz-voll wäre.

Nach Wikipedia ist der Perito-Moreno-Gletscher einer der grössten Gletscher des grössten Glet-schergebietes der südamerikanischen Anden sein.Bekannt ist der Gletscher vor allem dadurch, dass seine im Lago Argentino endende Gletscherzunge den südlichen Arm des Sees absperrt und aufstaut, der sich dann alle zwei bis vier Jahre entleert. Benannt wurde der Gletscher nach Perito Moreno, einem argentinischen Geografen, der sich insbesondere Patagonien widmete. Heute ge-hört der als UNESCO-Weltnaturerbe eingestufte Nationalpark Los Glaciares, wo auch der Perito Moreno Gletscher dazu gehört, den größten Touristenattraktionen Argentiniens.

Der Perito Moreno hat eine relativ konstante Fläche von gut 250 Quadratkilometern. Im Gegen-satz zu den meisten Gletschern der Erde verliert der Perito-Moreno-Gletscher weder an Grösse noch an Masse. Die Höhe der Kalbungsfront, d.h. dort wo der Gletscher in den Lago Argentino kalbert, liegt bei stolzen 55 bis 77 Metern. Und weil der Perito-Moreno-Gletscher sich mit einer täglichen Geschwindigkeit von bis zu zwei Metern vorwärts schiebt, kann man an der Gletscher-zunge alle paar Minuten spektakuläre Eisabbrüche beobachten. Dieses seltene Schauspiel be-kommt man hier einerseits nahe und andererseits aus sicherer Distanz zu beobachten. Etwas, was jährlich viele Touristen aus aller Welt anzieht. Marion und ich sind bereits zum dritten Mal hier. Wir kommen jedes Mal hierher, wenn wir in Südpatagonien unterwegs sind. Das wollen wir uns einfach nicht entgehen lassen.

Shahryar und Das haben nur einen Tag Zeit. Bereits am heutigen Abend fliegen sie via Buenos Aires zurück in die Staaten. Also nehmen wir uns gemeinsam für die rund 65 Kilometer lange Fahrt ein Taxi (Preis total für Hin- und Rückfahrt 2‘000 Pesos, ca. US$ 125.00). Mit dem Taxi sind wir flexibel. Der Parkeintritt kostet nochmals 330 Pesos pro Person (gut US$ 20.00) Auf dem Lago Argentino werden Schiffstouren angeboten. Dabei bekommen Touristen die Kalbungsfront in seiner ganzen Höhe von unten zu sehen. Das entscheidet sich für eine solche Tour. Shahryar, Marion und ich gehen auf den schön angelegten Rundweg im Park. Dieser liegt am gegenüber-liegenden Hang, ziemlich genau auf der Höhe der Gletscherkante, etwa 800 Meter vom Gletscher entfernt. Der Blick auf den Gletscher ist herrlich. Es ist kühl und es geht ein starker Wind. In der Antarktis war es zwar kälter. Doch ohne Wind fühlten sich dort die Temperaturen angenehmer an. Es ist bewölkt. Gegen Mittag reisst der Himmel auf und die Sonne taucht den Gletscherab-bruch und die gigantischen Gletscherspalten in ein blauweisses Licht. Dutzende von Fotografen versammeln sich an den besten Aussichtspunkten. Die Kameras auf eine Stelle des Gletschers gerichtet. Dies in der Hoffnung das „Big Picture“ in den Kasten zu bekommen. Alle paar Minuten knackt und kracht es. Dann ein Knall, der Gletscher kalbert. Ein Teil einer Eishöhle bricht ein. Dann stürzt eine zwanzig Meter hohe Eiswand mit Getöse in den Lago Argentino. Schon wieder habe ich - und mit mir auch die meisten anderen Fotografen - meine Kamera auf den falschen Punkt gerichtet. Ein Katz- und Mausspiel. Schliesslich kann ich dann doch noch ein paar ganz schöne, gewaltige und mehrere hundert Kubikmeter grosse Abbrüche mit meinem Fotoapparat festhalten (s. Fotoalbum). Das kommt uns auf einer Aussichtsplattform entgegen. Er zeigt sich von der Schifffahrt enttäuscht. Er hatte gehofft, näher an den Gletscher herangefahren zu wer-den.

Um 14.00 Uhr fahren wieder zurück. Marion und ich bis zu unserem Hotel Sierra Nevada; Das und Shahryar, mit dem wir die letzten zwei Wochen in der Antarktis sehr viel zusammen waren und mächtig viel Spass mit ihm hatten, lassen sich gleich an den Flughafen fahren. Um 17.00 Uhr geht ihr Flug.

16. Dez, 2016

Von der Grösse her ist El Calafate eine Stadt mit etwa 35 - 40'000 Einwohnern. Von der Art und Aufmachung her ist El Calafate jedoch lediglich ein aufgebla-senes Dorf, ähnlich diesem Weihnachts-mann. So herrscht hier vor Allem ein Cha-os städtebaulicher Fehlplanung oder besser gesagt Nichtplanung. Die schach-brettartig angeordneten Strassen sind vermutlich noch das Einzige, was in dieser Stadt irgendwie eine Logik und Einheit ergibt. Der Rest ist Unordnung.

Nur, Argentinien kann sich dieses Chaos offenbar leisten. Verfügt doch Argentinien über sehr sehr viel unbebauten Platz. Pro km2 trifft es in Argentinien nicht einmal 15 Einwoh-ner (Vergleich Schweiz 200 E/km2). Verdichtetes Bauen ist in Argentinien höchstens in Städten, wie Buenos Aires ein Thema, aber sicher nicht auf dem Lande, wie El Calafate. Und von El Calafate nimmt der Rest der Welt auch nur Notiz, wegen des nahen Perito Moreno Gletschers, der jährliche viele Gäste aus nah und fern anzieht (s. Perito Moreno Gletscher / Bericht vom 17.12./kommt gleich!).

 

3. Dez, 2016

Heute verbringen wir die letzte Nacht in der Hosteria America. Morgen treffen wir uns mit den anderen Passagieren unserer Kreuzfahrt im 5-Sterne-Hotel Arakur. Das Arakur liegt ziemlich abseits, weit entfernt vom Stadtzentrum von Ushuaia. Wir sind gespannt, ob die Sea Spirit ausgebucht ist. Denn dann dürften gut 100 Gäste an Bord sein. Die Sea Spirit ist ein verhältnismässig kleines, aber sehr gediegenes Kreuzfahrt-schiff. Wer gerne mehr über die Sea Spirit erfahren möchte, dem empfehlen wir einen Bericht auf:

www.kreuzfahrten-mehr.de/kreuzfahrt-blog/news/ms-sea-spirit-ein-expeditions-kreuzfahrtschiff-von-poseidon-expeditions.html.

Hier kann man auch Fotos vom Schiff, den verschiedenen Decks und einer Superior-Suite anschauen. Gebucht haben wir eine solche Superior-Suite - Deck ganz vorne - mit der Ka-binen-Nummer 414. Wir freuen uns sehr auf diese Antarktisreise. Geht damit doch einer meiner langgehegten Träume in Erfüllung. Doch zum Einstimmen gibt es zuerst noch eine Nacht im Arakur.

Heute planen wir noch unsere Weiterreise nach der Antarktis. Denn zwischen dem 16. De-zember - unserer Rückkehr von der Antarktis - bis zum 28. Dezember, wo wir von Puerto Montt (Chile) nach Calama (Atacamawüste/Chile) fliegen, haben wir noch ein paar Tage ohne konkreten Pläne. Dem Internet und booking.com sei Dank. Mit Hilfe eines in Ushuaia ansässigen Reisebüros, über das wir nun noch die passenden Busreisen buchen (den Flug nach El Calafate vom 16.12. haben wir hier in Ushuaia in einem anderen Reisebü-ro bereits Ende November gebucht), geht es nun über booking.com ans Buchen von Unterkünften.

Unsere Buchungen sehen wie folgt aus:

16.12. Flug nach El Calafate; Unterkunft 4 Nächte im Hotel Sierra Nevada, El Calafate

20.12. Bus El Calafate nach El Chaltén; Unterkunft 2 Nächte im Hotel Inlandsis, El Chaltén

22.12. Nachtbus El Calafate nach Los Antiguos. Ankunft am 23.12.; Unterkunft 2 Nächte im Hotel Mara, Los Antiguos

25.12. Bus von Los Antiguos nach San Carlos de Bariloche; Unterkunft 2 Nächte im Hotel Bariloche by Tierra Gaucha, San Carlos de Bariloche

27.12. Bus nach Puerto Montt (Chile); Unterkunft 1 Nacht im Hotel Manquehue, Puerto Montt

28.12. Flug nach Calama, Mietauto entgegennehmen und Fahrt nach San Pedro de Atacama. Unterkunft im Hotel Iorana Tolache vom 28.12. bis 10.1.17.

Das wär's! Dies ist vorerst der letzte Bericht auf unserer Argentinienseite. Wer uns weiter verfolgen will, der muss für die nächsten 13 Tage auf die Antarktisseite wechseln.