23. Dez, 2016

Willkommen in der argentinischen Hauptstadt des Kirschanbaus!

In Patagonien ist es trotz Sommeranfang vielerorts immer noch kühl. Ein bedeckter Himmel und die starken, von den Anden her wehenden Westwinde tragen viel dazu bei, dass man sich auf der argentinischen Seite Patagoniens selbst im Sommer gerne warm anzieht. Nicht so in Los Antiguos.   

Los Antiguos ist eine Kleinstadt mit rund 2'000 Einwohnern. Sie liegt an der Ruta 41, am 2'240 Quadratkilometer grossen, argentinisch-chileni-schen Grenzsee Lago Buenos Aires zwischen El Calafate und San Carlos de Bariloche. Der Lago Buenos Aires ist nach dem Titicacasee der zweitgrösste See in den Anden. Heute morgen sind wir von El Chaltén mit dem Nachtbus der Gesellschaft Marga in Los Antiguos angekommen. Was wir als Erstes feststellen, wir können unsere warmen Fliesjacken, welche wir in El Chaltén noch dring-end brauchten, wieder einpacken. Denn das Tal in dem Los Antiguos liegt, hat ein für Patagonien mildes Mikroklima. Hier werden feinstes Obst und saftige Beeren kultiviert.

Unter dem Obst dominieren in Los Antiguos vor allem Kirschen. Und jedes Jahr in der Weih-nachtszeit ist Erntezeit. Da kommen wir gerade richtig. Und zu halten sind wir auch nicht mehr. Bei einem Bauern decken wir uns mit grossen, knackigen Herzkirschen ein. Kaum haben wir den Hof verlassen, haben wir bereits das erste halbe Kilogramm weggeputzt. Also besuchen wir nach dem Mittagessen einen weiteren Bauern, bzw. eine Bäuerin, welche, wie könnte es anders sein, ebenfalls Kirschen verkauft. Der Preis für ein Kilogramm beläuft sich einheitlich auf 50 Pesos. Dies entspricht umgerechnet rund 3 Franken, bzw. 3 Euro. Die Bäuerin erklärt uns, dass sie in den na-hen Bergen 1'500 Kirschbäume kultiviert. Es sind dies alles Niederstammbäume, wie wir unlängst festgestellt haben. Diese 1500 Bäume würden zusammen einen Ertrag von 8 Tonnen ergeben, sagt sie uns. Und weil uns ihre Kirschen besonders interessieren und wir nicht bloss kaufen und gehen wollen, lässt uns die Bäuerin gleich ab Baum verschiedene Sorten probieren. Die Namen konnte ich mir nicht behalten – den feinen, süssen Geschmack der Kirschen jedoch schon. Wir decken uns nochmals mit einem halben Kilogramm schwarzer Riesenkirschen ein. Ich glaube, sie hat uns für 25 Pesos ein gutes Stück mehr eingepackt, als nur 500 Gramm. Wir schauen der Bäu-erin noch kurz zu, wie sie Kirschen abwägt und für den Versand bereitmacht; bedanken uns und wünschen Ihr schöne Weihnachten und ein gutes Neues Jahr. Ist das nicht schön! An Weihnach-ten frische, knackige und süsse Kirschen frisch vom Baum essen – und gleichzeitig kein schlechtes Gewissen zu haben, weil wir teure, um den halben Globus gereiste Importware verzehren. Ein-fach lecker! Los Antiguos, der argentinischen Hauptstadt des Kirschanbaus sei Dank!

Übrigens: solltest Du in der Weihnachtszeit irgendwo in der Schweiz frische Kirschen kaufen, dann könnte es gut sein, dass diese von Los Antiguos (Argentinien) stammen. Wie uns nämlich Leute im Dorf bestätigen, würden Kirschen von Los Antiguos auch in die Schweiz exportiert.