29. Nov, 2016

Al fin del mundo

Das Klima ist rauh und windig. Nichts mehr mit dreissig Grad im Schatten. T-Shirts und kurze Hosen können wir für die nächsten Wochen getrost tiefer in unsere Rucksäcke packen. So zumindest unser Eindruck, als wir gestern mit einer kleineren Maschine der Aeorolineas Argentinas gegen Mittag in Ushuaia landeten. Der Landeanflug gestaltete sich als ziemlich luftige Angelegenheit.

Die Lufttemperaturen bewegen sich aktuell um die 8 bis 12 Grad und das Wasser aus der Ant-arktis ist mit 8 Grad doch ziemlich frisch. Eindeutig nichts mehr für Warmduscher, wie mich. Die Hosteria Argentina, wo wir für sechs Nächte logieren, befindet sich am westlichen Ende der etwa 60'000 Einwohner zählenden Stadt. Eine wirklich nette und empfehlenswerte Unterkunft. Städte-baulich herrscht in Ushuaia ein einziges und unübersichtliches Chaos. Ausser Hochhäuser und Wolkenkratzer gibt es in Ushuaia so ziemlich jeden Baustil und jede Häusergrösse. Und dies auf engstem Raum - Fassade an Fassade. So stehen neben unscheinbaren kleineren Wohn- und Ein-familienhäusern aus Holz abwechselnd wuchtige viereckige Betonklötze, Einkaufshäuser, kleinere Tante-Emma-Läden, Touristengeschäfte, Restaurants, eine bunte Kirche, Museen oder Reisebü-ros. Das Typische an dieser Stadt ist. Es gibt hier nichts Typisches - keinen Stadtkern, keine wirk-liche Altstadt. Nur vier oder fünf auf dem Reissbrett gezeichnete und parallel zum Baegle Kanal verlaufende Strassen. Ich schätze, in ein bis zwei Stunden hat man die Stadt abgelaufen und gesehen.

Doch wen stört dieses Sammelsurium von Gebäuden schon wirklich? Schliesslich befinden wir uns am Ende der Welt. Und wenn es ein Ende der Welt gibt, dann muss es hier sein. Die Insulaner Ushuaias - durch die Magellanstrasse vom Festland Amerikas getrennt - nehmen auf jeden Fall für sich in Anspruch am Ende der Welt zu leben. Gewiss, Ushuaia ist die südlichste Stadt der Welt. Sie liegt auf dem 54. Breitengrad Süd (54° 48’ S und 68° 18’ W). Doch was ist das schon? Auf der Nordhalbkugel liegen sehr viele Städt weit nördlicher, als Ushuaia südlich liegt. So befindet sich Kopenhagen auf dem 55. Breitengrad Nord. Und wir in der Stadt Luzern bringen es auch schon auf den 47. Breitengrad. Doch lassen wir das und gönnen wir den Ushuaianern ihre clevere Ver-marktung ihrer Stadt am Ar…, pardon am Ende der Welt zu sein.

Wenn Touristen wie wir nach Ushuaia reisen, dann kommen sie in der Regel eh nicht, weil sie unbedingt einmal in der südlichsten Stadt der Welt sein wollten, sondern wegen der wilden Natur, den Bergen, Seen und Gletschern. Oder sie benutzen Ushuaia ganz einfach nur, um von hier aus mit einem der Expeditions- und Kreuzfahrtschiffe in die Antarktis aufzubrechen. Etwas, was wir dann am 5. Dezember tun werden.