23. Nov, 2016

Ankunft in Puerto Piràmides

Nach einem ruhigen Flug landet unsere Ma-schine der Aerolineas Argentinas kurz nach sieben Uhr auf dem kleinen Flughafen von Trelew. Mit an Bord ist auch eine Gruppe Deutscher, begleitet von einer deutschen Rei-seleiterin, welche eine zwölftägige Patago-nienrundreise gebucht hat. Die Reiseleiterin lebt in Calafate (Argentinien). Bei ihr holen wir uns noch ein paar Infos und Tips zu Unter-künften in dieser Gegend. Man weiss nie, vielleicht sind wir noch einmal froh darum.

Die Argentinier nehmen es eher gelassen und locker. Doch dafür klappt es! Keine Flugzeugtüre, die klemmt und unser Gepäck ist ebenfalls mit uns mitgereist. Am Flughafen nehmen wir unser gebuchtes Auto – einen weissen, mittelgrossen Fiat entgegen.  Damit wollen wir die nächsten sechs Tage die Peninsula (Halbinsel) Valdès erkunden. Das Wetter ist herrlich und angenehm warm. Vom Flughafen Trelew nach Puerto Piràmides, dem einzigen kleinen Ort innerhalb des Nationalparks der Halbinsel sind es etwa 160 Kilometer. Einfach zu finden. Nur Puerto Madryn, eine vergleichsweise kleine Stadt, liegt dazwischen. Und diese Stadt kann man mit dem Auto problemlos umfahren. Abgesehen davon, haben wir unser TomTom-Navigationsgerät dabei. Da kann wirklich nichts schiefgehen.

Nach rund zweistündiger Fahrt erreichen wir den Eingang des Nationalparks. Wir bezahlen die Parkgebühren (330 Pesos pro Person /ca. 20 US$ + 20 Pesos für das Auto) und erreichen nach weiteren 30 Kilometern unser Etappenziel - Puerto Piràmides. Ein kleines Touristendorf, bestehend aus zwei oder drei Strassenzügen, ein paar Unterkünften, wenigen Restaurants, sechs Organisationen für whale watching (Walbeobachtungen), einer Touristeninformation, ein paar kleinen Souvenirshops, einer Tankstelle und vier «Tante Emma»-Läden. Nett, klein, ruhig und fast ausgestorben – wenn nicht gerade der eine oder andere Touristenbus fünfzig bis hundert Gäste fürs whale watching vorbeibringt. Morgens früh und nachmittags ab 16 Uhr kehrt wieder Stille ins Dorf. Es sei denn, eine Gruppe der friedlichen «Dorfhunde» ist für einmal nicht am Strand, sondern zieht lautstark durchs Dorf und macht auf sich aufmerksam. Diese Hunde sind ein Teil des Dorfbildes. Man lässt sie herumstreunen und in den Restaurants Gäste anbetteln, sofern sie nicht allzu aufdringlich werden. Wie man uns erklärt, gehören die meisten dieser Hunde keinem Einzelnen, sondern allen Puerto Pyràmidern.

In Puerto Piràmides wird es langsam aber sicher Sommer. Mit dem Sommer geht die Touristen-saison ihrem Ende zu. Denn die Pyràmider leben weitgehend von ihrer Hauptattraktion, dem südlichen Glattwal oder auch Südkaper genannt. Und dieser zieht im Südsommer (ab etwa Dezember) südwärts in kühlere und nahrungsreichere Gebiete Südpatagoniens und Antarktis. Doch der Nationalpark hat ausser Wale und Walbeobachtungen auch sonst noch sehr viel zu bieten. Dafür sind wir für die nächsten knapp sechs Tage hierhergekommen. Logieren tun wir im «The Paradise». Einer kleinen und netten Unterkunft, welche wir über booking.com gebucht haben.

Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage schönes und recht stabiles Wetter voraus. Der Wind soll auf Norden drehen. Nordwind auf der Südhalbkugel heisst in der Regel der Wind ist warm, weil vom Äquator kommend.

Am Nachmittag machen wir – zwar etwas übermüdet von den letzten beiden Reisetagen – unsere erste Erkudungstour. Die Peninsula Valdès ist mehrere tausend Quadratkilometer gross. Und sämtliche Strassen im Nationalpark bestehen aus ungeteerten Stein- und Sandpisten. Mehr als 60 Stundenkilometer darf nicht gefahren werden. PW’s, wie unsereiner beginnen bei dieser Geschwindigkeit bereits zu «schwimmen». Das Fahren wird dabei entsprechend gefährlich. Langsam fahren ist angesagt. Schliesslich wollen wir hier für Natur- und Tierbeobachtungen. Heute begegnen wir u.a. einer kleinen Kolonie Magellan-Pinguinen, aus einer Distanz von mehreren hundert Metern grossen See-Elefanten am Strand und Guanacos. Zusammen mit den Lamas, Alpakas und Vicuñas gehören die Guanacos zu den vier einzigen und nur in Südamerika beheimateten Arten von Kleinkamelen. Ein ereignisreicher und langer Tag geht zu Ende. Mit unserem Fiat sind wir heute über 300 Kilometer weit gefahren. Für morgen haben wir unsere Walbeobachtungstour gebucht.