11. Dez, 2016

Cuverville Island und Orne Harbour

Cuverville beherbergt eine der grössten Esels-pinguinenkolonien überhaupt. Und das be-kommen wir nicht nur zu sehen, sondern vor allem auch zu riechen und zwar schon lange, bevor wir mit unseren Zodiacs anlanden. Ein-fach schade, dass ich Dir mit meinen Bildern und Texten nicht auch noch gleich den inten-siven und zum Abstechen starken Duft von Pinguinenkot und -pisse in Deine warme Stube schicken kann. Doch, wenn ich dies könnte und täte, dann würdest Du mich bestimmt auf den Mond wünschen und garantiert kein weiteres Mal meine Homepage besuchen. So intensiv riecht es, wenn hunderte und tausende Pinguine - wohlverstanden, nicht etwa in einer chinesi-schen Grossstadt, sondern bei extrem frischer und guter antarktischer Luft - auf engem Raum zusammenleben.

Früh in der Saison liegt Cuverville Island noch unter dichtem Schnee und die Pinguine bilden so-genannte «Pinguinen-Autobahnen». Diese brauchen und nutzen sie, um sich zwischen ihren Nes-tern und dem Meer hin und her zu bewegen. Stets auf der Suche nach dem speziellen, lustigen oder einzigartigen Foto, bekomme ich - den Pinguinen sei Dank - mit etwas Glück und Geduld immer wieder tolle Fotomotive vor die Linse. Pinguine knapp über der Schneekante in deren "Au-tobahnen" zu fotografieren, ist eine von vielen Möglichkeiten, um witzige Aufnahmen zu schies-sen (s. Fotoalbum), wo Pinguine zwischen kleinen Schneemauern fast versinken und nur noch deren Köpfe und allenfalls noch ihre Flügel über die Schneeränder schauen.

Am Rande der Pinguinenkolonien leben auch braune Raubmöwen, genannt Skuas, welche ihrer-seits hier brüten und ihre Jungen mit Pinguineneier und jungen Pinguinen füttern, wenn Pingui-neneltern deren Nester für einen kurzen Moment schlecht schützen.

Am Nachmittag besuchen wir ein Stück weiter Orne Harbour (s. Foto Orne Harbour Bucht). Orne Harbour bietet uns ein spektakuläres Bergpanorama und eine steile Schneewanderung zu einem Sattel, wo jeden Sommer Eselspinguine in einer schwer zugänglichen Pinguinenkolonie brüten. Unglaublich, was Pinguine auf sich nehmen, um möglichst früh im Jahr mit ihrem Brutgeschäft anfangen zu können. Auf dem Weg hinunter machen wir es dann den Pinguinen gleich und rut-schen auf unseren Hintern den steilen, aber doch etwas sehr weichen Hang hinunter. Die Tempe-raturen sind wunderbar warm. Es geht kein Wind und die Sicht in die vergletscherten Berge und riesigen, bis zum Meer hinunterreichenden Gletscher sind fantastisch. Bei schönstem Sonnenlicht bekommen wir heute abend auf der Fahrt aus der Bucht noch ein ganz besonderes Spektakel zu sehen. Ganz in der Nähe tauchen drei bis vier Buckelwale auf, blasen aus und tauchen dann mit weit erhobener Schwanzflosse wieder ab. Darauf haben wir auf unserer Antarktisreise so sehn-lichst gewartet. Zwar konnten wir bisher zwei oder dreimal etwas weit entfernt Buckelwale sichten. Doch entweder war die Distanz zu gross oder die Lichtverhältnisse nicht besonders gut um schöne Fotos zu schiessen. Heute stimmte für einmal wirklich alles. Was Beine hat, steht irgendwo an der Reeling; hält Ausschau; ruft andern zu wenn irgendwo ein Wal, ein Ausblasen oder eine Finne gesichtet wurde; knipst darauf los, was das Zeug hält oder geniesst und staunt einfach - so wie wir!

Für Walbeobachtungen ist es fast noch etwas früh im Jahr. Die meisten Buckelwale oder z.B. der Südkaper, den wir auf der Peninsula Valdés gesehen haben, sind erst auf dem Weg in die Antark-tis. Die beste Zeit für Walbeobachtungen in der Antarktis sei in den Monaten Februar und März, sagt man uns. Umso mehr sind wir erfreut, doch ein paar schöne Beobachtungen machen zu kön-nen.