8. Dez, 2016

Great Wall und Penguin Island

Der Wetterbericht hatte für heute ähnlich schönes Wetter vorhergesagt, wie wir es schon gestern auf Aitcho Islands hatten. Doch zu unserer Überraschung startet der heutige Tag stark bedeckt. Die Wolken hängen so tief, dass wir nicht das ganze Gebirgspanorama zu sehen bekommen. Doch für das, was heute morgen auf dem Programm steht, spielt das Wetter eine nicht so zentrale Rolle. Besuchen wir doch eine Forschungsstation der Chinesen, genannt The Great Wall (die Grosse Mauer).

Die chinesische Great Wall Station liegt auf der Fildes Halbinsel auf King George Island. Die King George Island gehört ihrerseits zu den Südshetlandinseln. Und diese sind wiederum Teil des ant-arktischen Kontinents. Die Great Wall Station wurde 1985 gebaut und soll das ganze Jahr über besetzt sein. Im Sommer bestehe das Team in der Regel aus 40 Leuten. Im Winter sollen es nur etwa 14 Personen sein, die hier «forschen». Ich habe forschen ganz bewusst in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt. Denn was viele der Forschungsstationen in der Antarktis unter dem Titel der Forschung betreiben, ist milde ausgedrückt nichts weiter als für ihr Land Anspruch auf einen Teil des antarktischen Kontinents erheben. Und das sind rund 50 grosse Staaten dieser Erde mit einer Population von ungefähr 80% der gesamten Weltbevölkerung. Die Schweiz, wie könnte es anders sein, ist wieder einmal nicht vertreten. Schon zu Zeiten der Seefahrerei, als die Welt er-obert und die Filetstücke verteilt wurden, waren wir Schweizer nicht dabei. Und hier, wo es um jungfräuliches Land und Erforschung der Antarktis geht, schlafen wir Schweizer schon wieder. Dabei soll doch gerade unsere Forschung - zumindest auf einigen Gebieten – zur besten der Welt gehören. Mal schauen, ob sich daran nicht etwas ändern lässt. Um das zu erfahren, musst Du Dich aber durch meine folgenden Berichte kämpfen.

Nun gut, schauen wir uns doch die Forschungsstation der Chinesen an. Sie ist gross, mit vielen roten und auch blauen Gebäuden. Es ist die grösste der vier Stationen, welche die Chinesen in der Antarktis betreiben. Die Great Wall Station soll sehr modern und gemütlich sein und Platz für rund 80 Menschen – genannt Forschern – bieten. Doch mehr als das kleine Museum und der vor sich hin rostende Bagger (s. Foto) interessieren uns nicht. Mir gefällt mehr, wie der junge Larry, der sich auch «Little Man» nennt - ein Inuit-Halbblut aus Alaska – mit seinem mitgebrachten Skatebord am Steg und vor den Häusern der Great Wall, akrobatische Einlagen macht (s. Foto-album).

Nach dem Mittagessen auf der Sea Spirit fahren wir weiter zur Penguin Island. Die 1,6 km lange Insel wurde 1820 als erstes von der Britischen Expedition unter Bransfield gesichtet und von Bransfield «Pinguin-Insel» genannt, wohl nach den vielen Pinguinen, welche er an der Küste ge-sehen hatte. Nebst Pinguinen bestaunen, kann man hier auch eine schöne Vulkanbesteigung machen. Auf einem kleinen Weg geht es den schneefreien Vulkankegel hinauf, bis wir auf einer Höhe von 120 Metern über Meer in einen Krater und einen weiteren Vulkankegel im Krater schauen können. Die Farbe des Vulkans ist rostrot bis dunkelbraun und hebt sich von der schneebedeckten Umgebung herrlich ab. Dann heisst es wieder Abschied nehmen, ins Zodiac steigen und zur Sea Spirit zurückfahren. Wie jeden Abend, gibt es vor dem Abendessen gibt es in der Lounge einen kurzen Tagesrückblick und einen Ausblick darauf, was uns morgen erwartet. Wir hoffen, das Wetter zeige sich morgen wieder von der sonnigeren Seite.