5. Dez, 2016

Aufbruch in die Antarktis

Am 4. Dezember um 10 Uhr checken wir in der Hosteria America aus und lassen uns mit ei-nem Taxi ins Arakur fahren. Dort treffen wir auf die anderen Gäste unserer 13tägigen Antarktisreise.

Ein zweijähriger, grün-grauer Betonklotz, der irgendwie unfertig aussieht, so als ob den Ei-gentümern das Geld zum Fertigstellen aus-gegangen wäre, mit einer geschotterten, bau-stellenartigen Hotelzufahrt, so präsentiert sich dem Gast an seinem ersten Tag der Antarktisreise mit Poseidon das 5-Sterne-Hotel Arakur in Ushuaia (s. Foto). Doch bereits in der Lobby ändert sich dieses Bild schlagartig. Die kühlen Beton-wände wurden mit viel Holz und Stein verkleidet. Die Räume sind hoch und die Fensterfronten riesig. Auf etwa 150 Metern über Meer, an einem Hang etwas ausserhalb von Ushuaia gelegen, hat man vom Arakur aus eine phänomenale Sicht auf den Beagle Kanal und Ushuaia. Hinter und vor sich präsentiert sich die gesamte Bergwelt bis hinüber nach Chile. Wir sind gespannt mit was für Menschen aus welchen Herrenländern wir hier zusammentreffen werden.

So kommt es, wie es kommen musste. Im Arakur lernen wir Shahryar kennen. Shahryar ist in den 80er Jahren zu Studienzwecken aus dem Iran nach Amerika gekommen. Dann hat er sich, wie wohl noch viele Andere, in den Staaten niedergelassen. Seine beiden Brüder und seine Mutter seien ihm in die Staaten gefolgt. Sein Vater habe jedoch bis heute nicht aus dem Iran auswandern dürfen, sagt er uns. Shahryar lebt in der Nähe von New York, ist verheiratet und hat zwei erwach-sene Kinder. Die Kreuzfahrt in die Antarktis macht er mit seinem Freund Das. Dessen Geschichte ist ähnlich, wie jene von Shahryar. Nur, dass Das ein Inder und kein Iraner ist. 

Übrigens: Der Name Antarktika stammt von den griechischen Wörtern «anti» und «arktos» und bedeutet soviel wie «dem Bären gegenüber» - gemeint ist das Sternbild des Grossen Bären im Norden. Die geographische Isolierung bewahrte die Antarktis vor deren Entdeckung durch den Menschen bis ins frühe 19. Jahrhundert. Ihre Existenz wurde jedoch schon lange vor ihrer Ent-deckung vermutet. Griechische Geographen der Antike glaubten, dass es einen südlichen Konti-nent geben müsse, der die arktischen Landmassen im Norden ausgleiche.

Während einzelne Gäste am Morgen des 5. Dezembers noch eine Fahrt in den Tierra del Fuego Nationapark unternehmen, machen wir – Marion, Shahryar und ich - eine zweieinhalb stündige Wanderung in der Nähe unseres Hotels. Shahryar ist ein spassiger Typ und fast gleich alt, wie ich. Wir verstehen uns vom ersten Moment an ausgezeichnet. So, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Ich habe das Gefühl, wir werden die nächsten Tage noch viel Zeit miteinander verbringen.

Gegen 16.00 Uhr holt uns ein Bus beim Arakur ab und fährt uns an den Hafen zum Einschiffen. So eine Kreuzfahrt ist neu für uns. Auch was die ganzen Sicherheitsvorkehrungen an Bord eines Kreuzfahrtschiffes anbetreffen. Um 18.00 h läuft die Sea Spirit aus. Das Wetter ist schön und an-genehm warm und der Beagle Kanal fast so ruhig, wie ein Binnensee. Zwanzig Minuten nach Aus-dürfen alle 110 Gäste aus rund 15 verschiedenen Ländern zu einer Notfallübung antreten.

Danach heisst es schon bald einmal Abendessen. Wir bekommen einen ersten Eindruck davon, was es heisst von acht ausgezeichneten Köchen aus Indien, Guatemala, Philippinen, China und Österreich bekocht zu werden. Diese Bordküche hat auf jeden Fall eine 4-Sterne-Qualität. Um Mitternacht verlässt die Sea Spirit die ruhigen Gewässer des Beagle Kanals und taucht ein in die 1000 Kilometer lange Drake Passage. Die Drake Passage verbindet den amerikanischen und den antarktischen Kontinent miteinander. Mit der Drakepassage kommen auch die Wellen. Dies war einerseits zu erwarten und andererseits wurden wir heute Abend bereits von Michaela, unserer Expe-ditionsleiterin auf der Sea Spirit, darauf vorbereitet.