6. Jan, 2017

Salar de Tara

Marion und ich sind uns einig. Der heutige Ausflug ist der spannendste, eindrücklichste, abenteuerlichste, aber auch der teuerste von allen.  Der Touranbieter Vive Atacama mit dem wir auf allen drei Touren sehr zufrieden sind, mache die Tour zum Salar de Tara höchs-tens ein- bis zweimal pro Monat, sagt man uns heute. Möglicherweise, weil vielen Gästen der Preis von umgerechnet Fr./Euro 65.00 pro Per-son zu hoch ist. Doch das, was man auf dieser Tour geboten bekommt - sofern das Wetter mitspielt - ist grandios. Zum heutigen Wetter komme ich noch später.

Um 08.00 Uhr werden wir vor dem Iorana Tolache abgeholt. Der Bus ist bedeutend kleiner, als die letzten beiden Tage. Wir sind auch nur neun Gäste. Nebst Marion und Deli fahren noch zwei Brasilianer, drei Frauen aus Chile und eine aus Costa Rica mit.

Wir sind auf der Ruta 27 in Richtung Südosten, ins Dreiländereck, nahe der bolivianischen und argentinischen Grenze unterwegs. Die Strasse steigt stetig an, bis wir zwei passähnliche Hoch-ebenen erreichen. Der Bus klettert bis auf eine Höhe von 4'840 Metern. Kurz vor dem Salar de Loyoques, etwa 120 Kilometer von San Pedro entfernt, biegen wir von der asphaltierten Strasse links ab, hinein in die Wüste. Ab jetzt gibt es keine richtigen Strassen mehr. Wenige Kilometer nach der Abzweigung tauchen bizarre, 18 bis 23 Meter hohe Felsformationen auf, welche ohne erklärbaren Grund einfach in der Ebene stehen und in den Himmel ragen. Dass ein 23 Meter hoher Felsen letztlich auch in einem Koffer Platz hätte, ist bloss eine Frage der Perspektive (s. Foto).

Bei dem «Felsengarten» zeigt sich die Sonne noch einmal von ihrer besten Seite. Doch in der Ferne künden dunkle Wolken ein aufziehendes Gewitter an. Wir sind im Altiplano, Mitten in den Anden. Aufgrund der kargen, sehr trockenen und sandigen Böden, dürfte es hier auch nur selten regnen. Dennoch machen sich Fahrer und Tourguide grosse Sorgen. Denn starke Regenfälle wür-den die auch im trockenen Zustand nicht ganz einfach befahrbaren Pisten plötzlich unpassierbar machen, sagen sie uns. Und eine Übernachtung in der Wüste haben wir nicht gebucht. Dennoch wagen wir die Fahrt zum Salar de Tara. Der Salar erstrecht sich über alle drei Länder, Chile, Boli-vien und Argentinien. Ähnlich wie beim Salar de Atacama handelt es sich beim Salar de Tara um eine Abflusslose Senke, welche mit Wasser aus den umliegenden Vulkanen und hohen Gebirgs-zügen der Anden genährt wird. Erstaunlicherweise müssen wir hier keinen Eintritt zahlen. Ver-mutlich lohnt sich der Aufwand einfach nicht, weil es zu wenig Touristen sind, welche diese Salz-pfanne besuchen. Wir machen einen schönen Spaziergang, sehen viele Flamingos und auch meerschweinchenartige Nager mit langem Schwanz (s. Fotoalbum). Eigentlich wollten wir am Salar de Tara zu Mittag essen. Doch der Himmel verdunkelt sich zusehends. Wir kehren um. Die Sorge, irgendwo in der Wüste stecken zu bleiben, sind unserem Fahrer und unserem Guide förm-lich ins Gesicht geschrieben. Im Eiltempo geht es durch die Wüste zurück. Nördlich von uns geht ein Gewitter nieder. Es blitzt. Und dann bekommen wir auch noch ein paar Tropfen ab. Nicht viel. Doch wir können sagen, am Rande der Atacamawüste einen der ganz seltenen Momente erlebt zu haben, wo es regnet. Ohne grössere Probleme erreichen wir die Felsformationen und die as-phaltierte Strasse. Dann geht es zurück zum sogenannten Wetland, wo wir um 09.30 Uhr bereits gefrühstückt haben und wo sich Lagunen, Wasserläufe und Grünstreifen von der Sand- und Stein-wüste im Hintergrund perfekt abheben. Hier sehen wir viele Wasservögel, so auch verschiedene Flamingoarten. Gegen 17.00 Uhr sind wir wieder zurück in San Pedro. Diesen Ausflug, bei dem gut und gerne auch 300 Fahrkilometer zusammenkommen, können wir nur empfehlen. Erstens, weil diese Tour wenig gebucht wird und zweitens, weil man auf diesem Ausflug auch noch zu ei-nem speziellen Offroad-Erlebnis durch eine besonders schöne Wüstenlandschaft kommt.