30. Dez, 2016

San Pedro und die Atacamawüste

Nachdem wir uns die letzten beiden Tage mit der leidigen Schadensangelegenheit herum-schlagen mussten, bringen wir heute unser Schreiben auf die Post und hoffen, der Brief erreiche unsere Kartenfirma. Gleichzeitig ma-chen wir uns einen ruhigen Tag und schauen uns San Pedro de Atacama etwas näher an.

San Pedro de Atacama

Das Dorf – besser gesagt, das Zentrum von San Pedro – hat sich seit unserem letzten Besuch vor 14 Jahren kaum verändert. In den Aussenbezirken ist San Pedro jedoch stark gewachsen. Wie wir erfahren, sollen in dieser Oase aktuell etwa 5’600 Menschen leben. Vor 14 Jahren seien es weniger als 2'000 gewesen, sagt man uns. San Pedro liegt auf über 2'400 Metern über Meer in einer langestreckten Talsenke. Dass es sich um eine Senke handelt, wird einem erst so richtig bewusst, wenn man auf der Ruta 27 von Nordwesten (Calama) kommend, am Rande des Valle de la Luna steil ins Tal hinunter nach San Pedro fährt. Im Osten von San Pedro steigt das Tal dann langsam aber stetig wieder in Richtung Anden an.

Wir stehen an der Plaza, direkt vor der Kirche von San Pedro (s. Foto). Ich frage Marion, gibt es hier noch eine zweite Kirche? Denn in meiner Erinnerung habe ich die Kirche von San Pedro in Weiss und nicht in Braun abgespeichert. Des Rätsels Lösung. Der nette Rezeptionsangestellte, der uns gestern mit dem Ausdrucken des Beanstandungsformulars geholfen hatte, erklärt uns, die Kirche von San Pedro sei vor etwa drei Jahren renoviert worden.  Seither sei sie lehmfarben braun. Im Abendlicht würde die Kirche jedoch immer noch weiss leuchten, fügt er an. Irgendwie gefiel mir die leuchtendweisse Kirche besser. Wenn Du im Internet googelst, so findest Du Fotos von derselben Kirche, so wie sie früher weiss gekalkt war. Es soll eine der ältesten Kirchen Chiles sein, sagt man uns. San Pedro war bereits im 16. Jahrhundert eine spanische Verwaltungs- und Kontrollstation. Zu San Pedro de Atacama gehören noch weitere Oasendörfer, wie z.B. Toconao, Socaire, sowie weitere kleinere Siedlungen.

Atacamawüste

Die Atacamawüste befindet sich im Norden Chiles. Sie erstreckt sich vom Ozean bis zum Anden-gebirge, wo sich ein Vulkan an den anderen reiht. Die meisten der Vulkane sind zwischen 5'000 und 6'000 Meter hoch und seit vielen Jahren erloschen. Der wohl bekannteste und so etwas, wie der Hausberg von San Pedro, ist der Licancaburvulkan. Mit einer Höhe von 5'917 Metern kratzt er ganz knapp an der 6'000 Metergrenze. Der Licancabur ist ein wunderschöner Kegelvulkan mit einem Kratersee. Wagemutige könnten dort ein Bad nehmen. Doch zuerst muss man es bis da hoch schaffen. Abgesehen von der Höhe und der dünnen Luft wäre das Besteigen des Licancabur eigentlich keine Hexerei. Aber genau wegen dieser dünnen Luft ist das Besteigen des Licancabur definitiv nichts mehr für mich. Übrigens: Taucher hätten den Kratersee bereits erforscht, er-fahren wir.

Die Atacamawüste gilt als die trockenste Wüste der Welt. Es gäbe Stellen, wo es durchschnittlich pro Jahr nur gerade einen Millimeter Regen gibt. (Googel und Wikipedia sei Dank!).

Dass in dieser unwirtlichen Wüste aber trotzdem etwas wächst und hier Tiere und Menschen leben und überleben können, ist zum einen über- und unterirdischen Bächen und Flusssystemen zu verdanken, welche aus den regenreicheren Gegenden der Anden Wasser in diese Talsenke transportieren und zum anderen dem in den Salzwasserlagunen zutage tretenden Grundwasser. An den tiefsten Stellen des Tals – auf etwa 2'200 bis 2'300 Metern über Meer kann das angesam-melte Wasser nicht mehr abfliessen. Der Grundwasserspiegel des Salar de Atacama mit seinen Lagunen ist letztlich von den Niederschlägen und dem Wasserzufluss aus den Anden abhängig. Und weil die Lagunen weder über Zu- noch Abflüsse verfügen, während das Wasser an der Oberfläche einfach verdunstet, weisen die meisten Lagunen einen relativ hohen Salzgehalt auf – ähnlich dem Totenmeer.

Diese Lagunen und noch viel mehr wollen wir die nächsten Tagen erkunden.