16. Jan, 2017

Fertig mit Ärger.

Es ist wolkenlos. Es ist trocken und die Tem-peraturen steigen mittags klar über 30 Grad Celsius. Willkommen in Santiago de Chile. Un-ser Hotel Atton, welches zu einer Hotelkette gehört und in Südamerika noch weitere Hotels betreibt, liegt etwas ausserhalb des Stadtzen-trums, im Bezirk Vitacura, an der gleichnami-gen Avenida.

Als wir gestern morgen gegen 09.30 Uhr mit einem Taxi in unserem Hotel ankommen, rechneten wir damit, nicht vor 15.00 Uhr einchecken zu können. Zu unserer Überraschung händigt man uns unseren Zimmerschlüssel aber umgehend aus. Obendrein lädt man uns zum Frühstück ein.

Für den Preis einer einzigen Übernachtung kommen wir so in den Genuss von zwei Morgenessen und rund 1,5 Tagen Aufenthalt im Atton. Eine solche Kundenfreundlichkeit verdient ein dickes Lob und unbedingt eine Weiterempfehlung. Übrigens: das Frühstück ist super und so reichhaltig, wie wir es bisher in ganz Südamerika nie hatten. Der einzige Nachteil, wenn man dem so sagen kann, ist die Lage des Hotels. Will man ins Stadtzentrum, so muss man zuerst 10 Minuten zu Fuss zur nächsten Metro-Station gehen und dann sechs bis sieben Stationen weit fahren.

Wie die Fotos zeigen, besticht der Bezirk Vitacura durch mondäne und modernste Stahl-Glas-Wolkenkratzer. Wir sind beeindruckt.

Heute fahren wir mit der Metro ins Stadtzentrum, wo wir den Cerro Lucea, ein grösserer Felsen-hügel mit einer Burg besteigen, von wo wir einen recht schönen Überblick über Santiago haben. Am Nachmittag geht es zurück ins Atton, wo Marion noch ein letztes Mal den Hotelpool geniesst, bevor wir dann gegen 21.00 Uhr mit einem Taxi an den Flughafen fahren werden. Ziemlich genau um Mitternacht geht unser 13 stündige Flug nach Auckland (Neuseeland). Dort heisst es dann das Flugzeug wechseln und nach Melbourne (Australien) weiterfliegen. In Melbourne sind aktuell Fe-derer und Co. am Schwitzen. Nur, wir haben keine Zeit den Tenniscracks zuzusehen. Fliegen wir doch gleich weiter. Irgendwann am späten Nachmittag des 18. Januar sollten wir schliesslich un-ser nächstes Etappenziel – Hobart/Tasmanien – erreichen.

Dies ist unser letzter Bericht aus Südamerika. Die nächsten Berichte und Fotos findest Du unter Australien.

A propos! Wenn Du wissen willst, wo sich die trockenste Gegend der Erde befindet, dann kannst Du die Lösung zur «Millionenfrage vom 12.1.» auf unserer Homepage unter «Letzte Neuigkeiten» nachlesen. Viel Spass!

14. Jan, 2017

Der heutige Tag zeigt sich nochmals von seiner schönen Seite. Nichts mit Regen oder schlech-tem Wetter. Unsere Tages- und Fotorucksäcke haben die letzten Monate stark gelitten. Also kaufen wir uns heute zwei neue. Am Nachmit-tag verbringen wir noch etwas Zeit am Strand; schauen Strassenmusikern, Artisten und ande-ren Künstlern zu, bevor wir gegen 18.00 Uhr in unserem Hotel ein letztes Mal ausgiebig zu Abend essen.

Einen Block weiter oder etwa zehn Minuten zu Fuss, fährt um 20.00 Uhr unser Bus der Firma ETM nach Santiago. Die Fahrt dauert ziemlich genau 12 Stunden. Damit sparen wir uns eine Übernach-tung. Das Busbillet haben wir bereits vor drei Tagen gekauft. Wir konnten wählen zwischen Cama und Semicama. Cama sind Sitze, welche man so weit nach hinten klappen kann, dass sich daraus nahezu flache Betten ergeben. Bei den Semicama lassen sich die Sitze etwa zu Zweidritteln nach hinten verstellen.

Wir wählen den Bus mit Semicama-Sitzen zum Preis von ca. SFr./Euro 30.00 pro Person. Der Bus mit den anderen Sitzen hätte uns Fr. 50.00 pro Person gekostet. Beim Kauf der Bustickets sagte uns eine der beiden Damen im Bushäuschen es kämen zwei Busse. Der eine Bus sei mit Premium angeschrieben. Das sei derjenige mit den Betten. Wir müssten den anderen Bus nehmen, sagte sie uns mehrmals und ziemlich eindringlich. Obwohl Marion nur sehr wenig Spanisch versteht, verstand sie diesen Hinweis – so wie ich – klar und deutlich.

Wir sind bereits gegen 19.25 Uhr mit Sack und Pack am Busbahnhof. Zuerst kommt ein Bus von ETM, der nach Puerto Montt, in Richtung Süden, unterwegs ist. Obwohl der Bus mit Premium an-geschrieben ist, erkundigt sich Marion beim Busfahrer, ob dies unser Bus sei. Der verneint und sagt, unser Bus käme später. Fünf Minuten vor 8 Uhr kommt wieder ein Bus von ETM mit der Aufschrift Premium - Ziel Santiago. Es steigen wenige Gäste aus und kaum welche ein. Gemäss Anweisungen der Dame im Bushäuschen vis à vis warten wir auf unseren Bus mit den Semicama-Sitzen. Exakt um 20.00 Uhr fährt der Premium-Bus ab. Wir warten und warten. Etwas Verspätung ist ja möglich, denke ich mir. Doch mittlerweile ist es 20.15 Uhr und unser Bus ist immer noch nicht da. Langsam aber sicher etwas beunruhigt, begebe ich mich ins Bushäuschen, wo dieselben beiden Damen sitzen, welche uns bereits vor drei Tagen die beiden Tickets ausgestellt hatten. Ähnlich wie vor drei Tagen, sitzen die jungen Damen mehr als nur gelangweilt hinter ihren ver-glasten Schaltern und schauen auf ihre Handys. Ich zeige ihnen unsere Tickets und frage, wann denn unser Bus käme. Dann schaut eine auf die Uhr und sagt nicht weniger gelangweilt, unser Bus sei vor exakt 15 Minuten abgefahren.

Das könne gar nicht sein, sage ich. Wir seien seit 19.25 Uhr hier und es sei um 20.00 Uhr nur ein Bus mit der Aufschrift Premium gekommen. Was nun kommt, wird für mich ziemlich schwierig. Denn beide «Langweiler», sprechen nur spanisch und mein Spanisch ist für eine solche Konver-sation einfach viel zu schlecht. Schliesslich bewegt sich die eine - so als ob sie folgende Erklärung nicht zum ersten Mal geben müsste - im zweistöckigen Premiumbus sei der obere Stock Cama und der untere Semicama.

Das glaube ich nicht! Da wurden wir vor drei Tagen von diesen beiden Damen falsch informiert. Und ich unterstelle denen einfach mal, dass sie dies mit Absicht taten. Wir waren frühzeitig an der Busstation, haben unserem Bus zugesehen, wie er ankommt und wieder wegfährt. Weder die eine, noch die andere der beiden Damen – sie mussten uns aus ihrem Bunker schon längst ge-sehen haben, wie wir da draussen stehen - machten nicht die geringsten Anstalten, uns darauf hinzuweisen, dass dies unser Bus sei. Ich bin mir sicher, die wussten auch noch, dass wir drei Tage zuvor bei ihnen diese Tickets gekauft hatten. Denn soviel Betrieb herrscht bei dieser Haltestelle auch wieder nicht. Auch das Buspersonal – auf Langstrecken wie dieser sind immer zwei Fahrer und mindestens ein Begleiter (analog Flugpersonal) an Bord – haben uns zwar ganz in ihrer Nähe gesehen, doch gefragt hätte auch keiner, ob wir zusteigen wollten. Eigentlich hätten sie uns anhand ihrer digitalen und ausgedruckten Listen sogar vermissen müssen.

Mit meinem äusserst dürftigen Spanisch bringe ich in der kleinen «Bushütte» schliesslich meinen ganzen Unmut zum Ausdruck. Zum einen will ich wissen, wann der nächste Bus nach Santiago fährt. Eine der Damen schaut von ihrem Handy auf ihren PC-Bildschirm und sagt: um 20.45 Uhr fahre der letzte für heute. Uns verbleiben gerademal noch 20 Minuten. Ich erkundige mich, ob es auf diesem Bus noch freie Plätze gäbe. Eine der gelangweilten Damen sagt ja, aber nur noch vier der teuren Camaplätze. In diesem Moment ist mir dies so ziemlich egal. Denn wir müssen unbedingt heute nacht noch einen Bus nach Santiago bekommen, geht mir durch den Kopf.

Mit meinem bruchstückhaften Spanisch mache ich der Dame verständlich, dass wir unsere nicht besetzten Plätze vom 8 Uhr Bus in Plätze vom 20.45 Uhr Bus umtauschen wollen. Das gehe nicht, gibt sie mir kurz und trocken zur Antwort. Die Dame bleibt hart. Ich versuche ihr klar zu machen, dass sie uns falsch informiert habe und wir nur deswegen den 8 Uhr Bus verpasst hätten. Doch das hilft mir nicht weiter. Die Damen stellen auf stur. Sie versuchen es nicht einmal erst, eine Um-buchung vorzunehmen, uns eine Gutschrift zu geben oder einen Telefonhörer in die Hand zu nehmen. An diesem Punkt wollen sie mich weder verstehen, noch uns helfen. Und das hat dann überhaupt nichts mehr mit Verständigungsschwierigkeiten zu tun. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angelangt, wo ich beiden Damen hätte eigenhändig deren Köpfe umdrehen können. Aber nicht einmal an diese komme ich ran. Trennt mich doch eine dicke Glasscheibe davor, zu Werke zu schreiten. Diese Bus-Susies wollen Geld sehen und zwar ganze 62'000 Pesos (rund 100.00 SFr.). Oder es gibt nichts. So einfach ist dies. Nach langem Hin und Her und weil wir dringend noch heute nacht nach Santiago müssen, wollen wir nicht nochmals in Puerto Varas übernachten und morgen einen weit teureren Flug nehmen müssen, sind wir schliesslich bereit, in den sauren Apfel zu beissen und die einhundert Franken zu zahlen. Doch jetzt beginnen unsere Probleme erst so richtig. Die Bushüttendamen wollen weder Kreditkarten akzeptieren, noch US$ anneh-men. Sie wollen nur harte chilenische Pesos. Unser Problem ist, wir haben nur noch gut 50'000 und nicht mehr 62'000 Pesos. Vor unserem heutigen Abendessen hätte ich noch genügend Pesos gehabt. Doch das Essen haben wir bewusst in Pesos bezahlt, weil wir in zwei Tagen Chile in Richtung Australien verlassen. Und wir es jeweils so einrichten, dass wir möglichst keine Fremd-währung mehr zurückwechseln müssen. Mittlerweile ist es fast 20.30 Uhr. In 15 Minuten fährt der letzte Bus für heute. Ich kann zwar noch zwei der letzten vier Plätze buchen, aber trotz genü-gender Liquidität nicht bezahlen. Nicht aus der Ruhe zu bringen und so gelangweilt, wie sie sich die ganze Zeit schon gegeben haben, meint die eine Bus-Susi, in der Stadt gäbe es Banken und Wechselstuben. Doch, die seien vermutlich um diese Zeit schon geschlossen, fügt sie lapidar hinzu. Also keine Chance?

Als allerletzte Hoffnung bleibt mir nur noch unser Hotel. Ich renne, was ich kann. Berg runter läuft es mit meinem Übergewicht noch ganz gut. Berg hoch komme ich ziemlich ins Schwitzen. An der Rezeption warten Leute, welche einchecken wollen. Die Zeit wird knapp. Ausser Atem spre-che ich den erstbesten Angestellten an und erkläre ihm meine Notsituation. Wiederum alles auf spanisch. Denn englisch verstehen sie in diesem 4-Sterne-Hotel auch nur sehr wenig, bis gar nichts. Der Herr, den ich angesprochen habe, erklärt mir, zum Geldwechseln müsse ich auf eine Bank gehen. Er schaut auf die Uhr und sagt. Die Banken seien um diese Zeit jedoch geschlossen. Das weiss ich ja schon. Hilft mir auch nicht weiter. Ich erkläre ihm, dass mein Bus in 10 Minuten fahre und ich dringendst für 50.00 US$ Pesos benötige. Ich sei bereit, 50 US$ zu einem schlechten Kurs zu wechseln. Wenn ich nur jemanden fände, der mir diese Dollars wechsle. Gleichzeitig winke ich mit einem 50-Dollar-Schein. Da zeigt eine Angestellte mit mir und ganz besonders mit sich erbarmen und wechselt mir den Schein - ganz privat - zu einem für mich äusserst schlechten Kurs. Aber dafür habe ich nun Pesos, mit denen ich wieder zu den Susi’s renne. Der einen knalle ich die 62'000 Pesos unter der Glasscheibe auf deren Computertastatur, sodass diese zum ersten Mal etwas verwirrt dreinschaut und daraufhin ihren Hintern bewegt. Ich warte, bis sie mir die beiden Tickets ausgehändigt hat. Ihre spitze Bemerkung, diese Tickets seien dann für den Bus mit der Aufschrift Premium, schlägt meinem Fass den Boden vollends raus! Beim Verlassen der Hütte kann ich es nich verkneifen, noch ein paar nette Schimpfwörter loszuwerden. Auf englisch und deutsch – wohlverstanden.  In diesen beiden Sprachen verfüge ich über einen - wie man so schön sagt - erweiterten Wortschatz.

Nun sind wir im Bus auf dem Weg nach Santiago. Meinen Laptop auf den Knien, hacke ich diesen Bericht und meinen Frust in den PC. Danach geht es mir viel, viel besser und schlafen tue ich in den "Liegebetten" auch gut. Santiago erreichen wir schliesslich am Sonntag kurz vor 09.00 Uhr.

13. Jan, 2017

Nachdem es gestern stärker bewölkt war und es zwischendurch immer auch wieder etwas regnete, zeigt sich das Wetter heute wieder von seiner besonders schönen und warmen Seite.

Ausgerüstet mit einer Ladung Insektenschutz-mittel wollen wir es noch einmal wissen. Ge-gen 10.30 Uhr fahren wir wieder mit einem der blauen Busse in den Parque Nacional Vi-cente Pérez Rosales. Diesmal steigen wir bei den Saltos del Petrohué, auf halbem Weg zwischen Ensenada und dem Lago Todos los Santos aus. Von hier wären es noch etwa sechs Kilometer bis zum See. Diese Saltos – oder auf deutsch Wasserfälle – ziehen viele Gäste an. Das haben wir bereits vermutet. Denn das was wir hier zu sehen bekommen – ausser Touristen – sind eindrückliche, etwa drei bis fünf Meter hohe Wasser-fälle, welche an dieser Stelle auf der ganzen Breite des Petrohuéflusse kaskadenartig und mit viel Lärm Stufe um Stufe herunterstürzen und weiter unten in bedeutend ruhigeres Gewässer über-gehen. Entlang des Petrehué gibt es zwei 700 bis 1000 Meter lange, schöne Wanderwege. Eine wirklich beeindruckende Gegend. Und wenn man dann auch noch Glück hat, so wie wir, dass der Osornovulkan wolkenfrei wird, dann ist ein Besuch bei den Saltos del Petrehué perfekt. Für die insgesamt drei Bremsen, welche wir bei den Saltos zu sehen bekommen, hätten wir unseren Insektenschutz nicht mitschleppen müssen.

12. Jan, 2017

Dies könnte die ultimative Millionenfrage von «Wer wird Millionär» sein.

 

Wo befindet sich die trockenste Gegend auf unserer Erde?

a)       in Namibia                                     b) in der Antarktis

c)       in Chile                                           d) in Russland

 

Hast Du eine Ahnung oder weisst Du es?

Wenn ja, dann schreib’ mir doch Deine Antwort, zusammen mit einer kurzen Erklärung und der genauen Gegend, wo Du den trockensten Ort auf unserer Erde vermutest in unser Gästebuch oder als Kommentar auf unsere Homepage.

Aber bitte nur dann, wenn Du vorher nicht das halbe Internet durchforstet, Googel gefragt, Wikipedia aufgerufen oder den Klassiker, ein Lexikon zur Hand genommen hast. In etwa vier Tagen schreibe ich Dir die Antwort auf unsere Homepage unter «Letzte Neuigkeiten».

Dem Gewinner oder der Gewinnerin lacht – nein, leider keine Million – dafür ein herzlicher Applaus von mir!

11. Jan, 2017

Noch immer in Chile, 2'000 Kilometer Luftlinie südlich von San Pedro - zur selben Zeit, wie es in der Atacamawüste staubig braun und kno-chentrocken ist - blüht und grünt es im Süden Chiles - so ähnlich, wie in der Schweiz in den Monaten Mai und Juni. Die Temperaturen in Puerto Varas, wo wir uns seit gestern nachmit-tag befinden, liegen bei angenehmen 18 bis 24 Grad. Diese Gegend Patagoniens gilt nicht nur als sehr fruchtbar, sondern auch als das «Regenloch» Chiles. Auf unserem Flug von Calama nach Santiago haben uns deutsche Sitznachbarn davor gewarnt, in Puerto Montt würde es an 300 von 365 Tagen regnen. Vor einer Woche seien sie in Puerto Montt gewesen - diese Stadt liegt gerade-mal 18 Kilometer von Puerto Varas entfernt - wo sie an vier von vier Tagen Regen gehabt hätten. Nun gut, wir werden ja auch nur vier Tage hier sein. Und nach 14 Tagen extremer Trockenheit und grosser Wärme können vier Tage Regen ja auch ganz reizvoll sein, denken wir uns.

Bei unserer gestrigen Ankunft in Puerto Montt ist der Himmel zwar etwas stärker bewölkt. Doch das Wetter zeigt sich insgesamt von seiner freundlichen Seite. Und für heute sagt der Wetterbe-richt sogar recht schönes Wetter voraus. So machen wir uns nach der Taxifahrt vom Flughafen von Puerto Montt nach Puerto Varas und nach unserem Einchecken im Hotel Solace gleich auf den Weg ins Touristenbüro von Puerto Varas auf, welches sich keine fünf Gehminuten vom Hotel entfernt befindet. Wie fast an jedem neuen Ort ist das Touristenbüro eine unserer ersten Adres-sen, wo wir uns mit Informationen und Informationsmaterial so richtig eindecken. Und solche Touristenbüros gibt es fast in jedem kleinen Dorf.

In der Nähe von Puerto Varas, am östlichen Ende des riesigen Lago Llanquihue liegt der Parque Nacional Vicente Pérez Rosales. In diesem Park befinden sich zwei herrliche Vulkane - der Osorno mit einer Höhe von 2'652 Metern und der Tronador mit 3'320 Metern. Beide Vulkane zeichnen sich durch schöne Kegel und weisse Schneekuppen aus.

Das Wetter zeigt sich von der wirklich schönen Seite. Wir wollen heute im Vicente Pérez Rosales wandern gehen. Mit Fotoausrüstung und etwas Proviant begeben wir uns ins Stadtzentrum, wo kleine blaue Busse zu einem sehr günstigen Preis von Fr./Euro 4.00 pro Person in den rund 60 Kilometer entfernt gelegenen Nationalpark fahren. Alleine die Anfahrt am Lago Llanquihue ent-lang, stets mit dem Vulkan Osorno vor uns, ist bereits mehr als diese Fr. 4.00 wert. Wir steigen in Petrohué am Lago Todos los Santos aus. Am See warten viele kleine und etwas grössere Tou-ristenboote auf Gäste. Und Gäste kommen offenbar viele hierher. Denn der Parkplatz ist heute Mittwoch um 11 Uhr bereits bestens besetzt. Doch wir sind nicht hierher gekommen um Böt-chen zu fahren, sondern um zu wandern.

Petrohué ist ein ganz kleiner Ort, Mitten im Nationalpark Vicente Pérez Rosales. Bestehend aus einem Restaurant, zwei kleinen Souvenirläden, einem Hotel, ein oder zwei Häusern, einer Park-aufsicht, einem Campingplatz und einem grossen Parkplatz. Wandergäste müssen sich bei der Parkaufsicht registrieren lassen. Wir tragen uns in ein Buch ein, bekommen von einer netten Dame, welche sogar etwas englisch spricht, ein paar wichtige Informationen über den Zustand der Wege und was für Tiere man sehen kann, sowie eine kleine Karte mit einem Überblick über den Park. Und dies zu meiner Überraschung erst noch kostenlos. Auf meine Frage, welche Tie-re wir in diesem Teil des Nationalparks sehen können, erklärt uns die Dame, Füchse gäbe es überall. Und mit etwas Glück könne man auch Rotwild oder Spechte sehen.

Wir begeben uns auf eine vierstündige Rundwanderung, welche uns Teils am Lagos Todos los Santos und Teils durch niedrigen, halboffenen Wald führt. Nach ein paar hundert Metern brummt es an unseren Ohren. Ich frage Marion ob sie erkenne, was das für Brmmer seien. Sie meint, sie könne es nicht genau sagen, sie vermute jedoch so etwas wie Junikäfer. Farblich hätten die rötlich-schwarzen Dinger auch Maikäfer sein können. Nur, diese «Käfer» folgen und verfolgen uns auf Schritt und Tritt. Und so etwas bin ich mir von Mai- und Junikäfern definitiv nicht ge-wohnt. Wir wandern weiter. Es ist heiss. Wir schwitzen. Es geht leicht bergauf und der Pfad ist fast überall mehr oder weniger sandig und teilweise recht tief. Ein Schritt vor und ein halber zurück – so wie an einem tiefen Sandstrand.

Die «Käfer» lassen einfach nicht von uns ab. Es werden zusehends mehr. Dann bleibe ich stehen und warte ab, was die Brummis tun. Dann landet einer auf meinem Arm und macht sich gleich an die Arbeit. Erst jetzt sehe ich – es sind grosse, schwarzbraune Bremsen. So gross, wie unsere Rossbremsen – einfach schöner gezeichnet.

Zack! Die hat’s nicht überlebt. Uns kommen Wanderer entgegen. Jeder von denen hält einen halben Baum in der Hand mit dem er wedelt. Irgendwann tun wir es den Anderen gleich. Grüne, verblühte Ginsterzweige sind zum Wedeln geradezu ideal. Die Zahl der Brummer nimmt zu. Ich zähle zwischenzeitlich zehn bis zwanzig Plagegeister, welche es auf mich abgesehen haben. Ich schlage wild und kräftig zu; treffe mich selber im Gesicht. Autsch! Aber ich erwische immer wieder auch die eine oder andere Bremse, die dann benommen und mit einem Brummschädel im Sandweg landet. Irgendwie macht das Wandern so nicht wirklich Spass. Unseren Insektenschutz haben wir natürlich im Hotel vergessen. In der Atacamawüste brauchten wir so etwas nicht. Ausgenommen in der Nacht, wenn bei offenem Fenster Mücken ins Zimmer kamen.

So sind wir auf diese Viecher einfach nicht vorbereitet. Wildtiere, wie könnte es anders sein, sehen wir bei dem Lärm, den wir veranstalten, natürlich keine. Und dass die häufigsten Tiere, welche wir auf unserer Wanderung zu sehen bekommen, Bremsen sind, hat uns die nette Dame am Parkeingang auch schön verschwiegen.

Die Gegend am Lago Todos los Santos wäre ja wunderschön. Links vor uns der Osornovulkan (s. Foto - vom Parkeingang aus aufgenommen) und rechts der Lago Todos los Santos. Doch in An-betracht unserer Abwehrschlacht gegen eine Übermacht an Bremsen können wir diese Land-schaft einfach nicht geniessen. Und ans Fotografieren denke ich schon gar nicht. Nicht einmal unseren Lunch packen wir aus. Und getrunken wird im Gehen, während einer trinkt und der andere mit wildem Wedeln ihm den Kopf und den Rücken von Bremsen freihält. So schaffen wir gerade mal eine Runde von zehn Kilometern. Dann sind wir wieder beim Parkausgang, wo der Spuk ein abruptes Ende nimmt. Kurz vor 15 Uhr essen wir hier unseren Mittagslunch und ge-niessen ein halbes Kilo feiner, frischer Erdbeeren aus der Gegend.

Um 16.30 Uhr sind wir schliesslich mit einem blauen Bus wieder zurück in Puerto Varas. Wir blicken auf eine gewonnene Schlacht mit fast keinen Bremsenstichen zurück. Dafür schmerzt mir jetzt mein rechter Arm vom wilden Wedeln mit grünen Ginsterzweigen.