24. Jan, 2017

Von Launceston nach Port Arthur

Die Tage auf unserer Tour werden immer länger. Zehn und zwölf Stunden lang waren die ersten drei. Heute werden es sogar 14 Stunden. Um 07.00 Uhr holt uns Dan in unserem Hotel ab. Von Launceston bis zu unserem Etappenziel, Port Arthur, ganz im südöstlichsten Zipfel Tasmaniens, werden wir heute gemäss Dan rund 400 Kilometer zurücklegen. Die Tassies verfügen zwar über ordentlich gute, aber meist sehr kurvenreiche Strassen. Da kann man selten so schnell fahren, wie man eigentlich dürfte.

Unseren ersten Zwischenhalt machen wir in Bicheno an der Ostküste. Hier erwartet uns eine besonders schöne Felsenküste mit einem berühmten und oft besuchten «Blowhole». Durch ein Loch in einem Felsen werden heranrollende Brandungswellen als grosse Wasserfontänen nach oben herausgepresst (s. Fotoalbum). Anschliessend fahren wir rund 40 Kilometer der Ostküste entlang südwärts auf die Halbinsel Freycinet. Dort befindet sich ein weiterer wunderschöner Park, der Freycinet Nationalpark. Ähnlich, wie bereits im Cradle Mt Nationalpark, sind auch hier viele Ausflügler und Wanderer unterwegs. Am Ende der Coles Bay starten wir zu einer dreistündigen Wanderung zur «Wineglass Bay». Die traumhaft schöne, halbrunde Bucht mit ihrem schneeweissen, etwas grobkörnigen Sand (s. Foto) preisen die Australier als eine der zehn schönsten Strände der Welt an. Nachzulesen unter folgendem Link: www.australia.com/de-de/places/freycinet/tas-wineglass-bay.html. Wir meinen, es ist in der Tat ein schöner Strand. Ihn aber gleich als einen der zehn schönsten Strände der Welt zu bezeichnen, halten wir doch für etwas übertrieben.

Nebenbei: Australier sind schon eigenartige Leute. Während wir Europäer – wenn wir einander auf der Strasse oder auf einer Wanderung begegnen – wenn überhaupt, dann ein knappes «Hallo», «Guten Tag», «Grüezi» oder «Grüss Gott» sagen, so legen Australier – ob im Supermarkt an der Kasse Verkäufer/in und Kunde, auf der Strasse Passanten oder in den Bergen Wanderer, die sich noch nie begegnet sind, gleich richtig los. Der erste sagt: «Hallo, wie geht’s?» Wie aus der Kanone geschossen, sagt der Angesprochene «good», pretty good» oder «very well» und hängt dann gleich an «and yourself?». Darauf antwortet der erste wieder mit «good oder…». Dieses ganze Hin und Her schaffen echte Aussies (Australier) in höchstens drei Sekunden. Hab mal auf die Uhr geschaut. Wer länger braucht, ist entweder schwerhörig oder Ausländer. Und wer gar nicht reagiert, der dürfte entweder begriffsstutzig sein oder gilt als unanständig.

Auf dieser Wanderung kreuzen wir sicher hundert oder zweihundert Mal andere Touristen. Du kannst Dir vorstellen, wie oft Dan, der ein ausgesprochen freundlicher Mensch ist, sein Sprüchlein aufsagen musste. Witzig ist, aus diesem extrem kurzen Wortwechsel stellt Dan sogar noch fest, woher der gegrüsste Australier stammt. Er sagt uns jeweils, das war ein Tassie (Tasmanier) aus der Gegend ….  oder ein Festland Aussie von Sydney, dem Süden oder Norden.

Dann probier’ ich es ebenfalls aus. Will ja nicht unhöflich sein. Auf die Frage, Hallo, wie geht’s, sage ich «pretty bad» (ziemlich schlecht). Daraufhin schaut mich der andere etwas komisch an – dann lachen wir beide!

Am Nachmittag setzen wir unsere Fahrt nach Port Arthur fort; machen noch kurz einen Halt auf einer «Berry Farm», wo es allerlei Produkte aus frischen Beeren zu kaufen gibt. Dem warmen Wetter entsprechend entscheiden wir uns für ein Himbeereis. Nach einem gemeinsamen Abendessen, immer noch etwa 40 Kilometer vor Port Arthur, erreichen wir unser Motel – ein Motor Inn – gegen 21 Uhr.