31. Jan, 2017

Fast auf die Füsse getreten!

Kurz hinter Gladstone endet die asphaltier-te Strasse. Auf den letzten 20 Kilometern zum Mt. William Nationalpark fahren wir auf unbe-festigter, jedoch bestens präparierter Natur-strasse. Ganz so ab von der Zivilisation sind wir dann doch nicht. An der Musselroe Bay, am nördlichsten Ende des Mt. William Parks gibt es eine kleine Siedlung, die jedoch ziemlich ausgestorben wirkt – besteht vermutlich fast alles aus Ferienhäusern. Unser Buschcamping-platz befindet sich am Stumpys Bay. Er ist nett, überschaubar und sehr einfach. Trinkwasser gibt es hier keines. Dementsprechend wird dieser Nationalpark auch im Hochsommer nur von wenigen Gästen besucht.

Im Mt William Nationalpark wollen wir erneut auf Pirsch gehen und nach Wombats Ausschau hal-ten. Auf den grossen, stark abgeweideten Grasflächen lassen sich die kugeligen «Braunen» am besten beobachten. Nach 19.00 Uhr, eine Stunde, bevor die Sonne untergeht, fahren wir auf den «Forester Känguruh-Drive», stellen das Auto bei einer der grossen Wiesen ab und schauen uns um. Wir sind offenbar noch zu früh. Ausser ein paar Wallabies am Waldrand sind noch keine Tie-re auf der offenen Grasfläche zu sehen. Also parken wir unser Wohnmobil am Strassenrand und gehen auf die Wiesen und ins dichte Grasland spazieren. Scheue Wallabies und vereinzelt auch riesige Forester Känguruhs fliehen vor uns, bevor wir sie so richtig zu sehen bekommen. Etwa eine halbe Stunde lang marschieren wir kreuz und quer über Wiesen und durch dichtes Grasland. Dabei begegnen wir ein paar grossen Wombathöhlen von mindestens 50 bis 60 cm Durchmesser. Meist gut getarnt und versteckt unter Wurzeln oder hohem Steppengras. 

Bereits auf halbem Weg zurück zu unserem Wohnmobil biegen wir um einen weiteren grossen Grasbusch. Und siehe da, knapp zwei Meter vor uns grast seelenruhig ein Wombat. Er hat uns noch nicht bemerkt, läuft dann aber trotzdem langsam hinter einen Busch. Meine Kamera noch nicht in Stellung gebracht, ist der Pelzknuddel bereits weg. Wir gehen etwas näher auf die Büsche zu. Und dann kommt er unvermittelt aus einem der Büsche raus. Auge in Auge stehen Wombat und ich höchstens noch einen Meter voneinander entfernt. Wohl mindestens so überrascht, wie ich, schaut mich der Braune mit seinen kleinen Knopfaugen gross an und bleibt wie angewur-zelt stehen. Dann, wie auf Kommando ergreift er die Flucht. So plump wie diese Wombats ausse-hen mögen, so schnell können die rennen. Kaum zu glauben, was der drauf hat! So rennt doch diese kurzbeinige Pelzkugel über eine nackte Grasfläche mindestens 200 Meter weit, schneller als ein Hase, ohne sich auch nur einmal nach mir umzudrehen. Erst kurz vor sicherem Gebüsch ver-langsamt er sein Tempo. 

So kommen wir zu unserer ersten Begegnung mit einem Wombat. Einer Begegnung, wo wir dem kleinen Braunen fast auf seine Füsse getreten sind. Und mein erstes Wombatfoto zeigt eine ra-send schnelle, kurzbeinige Pelzkugel von hinten (s. Foto).