5. Apr, 2017

Pfahlbauer am Inle-See

Mit einer mittleren Tiefe von 1,5 Metern wäh-rend der Trockenzeit und einer Fläche von 120 km2 ist der Inle-See flächenmässig einer der grössten Süsswasserseen Myanmars. Von Ka-law kommend erreichten wir den Inle-See gestern mittag. Der See liegt Mitten im Shan-Staat. Bekannt ist der Inle vorallem durch sei-ne Einbeinruderer, seine schwimmenden Gär-ten und seine Pfahlbauten geworden.

Die Gegend rund um den Inle-See mit seinen 17 Dörfern wird weitgehend vom Volk der Intha bewohnt. Das Leben dieser Menschen ist völlig auf den See ausgerichtet. Die Häuser der Intha stehen nicht nur am Wasser, sondern Mitten im Inle-See auf Stelzen aus Teakholz, welche während der Trockenzeit rund zwei Meter aus dem Wasser ragen. Als wichtigste Verkehrsmittel dienen den Intha schmale, zigarrenförmige und ex-trem wackelige Holzboote, ebenfalls aus heimischem Teakholz gebaut.

Während unseren zwei Tagen am Inle-See steht uns ein solches, etwa acht bis zehn Meter langes Holzboot mit Bootsführer zu unserer persönlichen Verfügung. Damit kurven und tuckern wir auf Wasserwegen zwischen Wasserhyazinthen, Lotosblumen und schwimmenden Gärten hindurch; schauen Fischern zu, wie sie mit kleinen Wurfnetzen und Körben fischen; Algen für ihre Gärten aus dem Wasser stochern und auf ihre Boote laden oder Einheimische, Gäste und Touristen durch Gassen, Gärten und Dörfer schippern. Eine wirklich schöne und friedliche Gegend, dieser Inle-See.

Die Bewohner des Inle-Sees haben eine spezielle Technik entwickelt, um den Teppich schwim-mender Wasserhyazinthen als Grundlage für ihre Gärten zu nutzen. Damit dieser schwimmende Teppich nicht davondriftet, wird zuerst in Abständen von etwa zehn Metern eine lange Bambus-stange in den Seeboden gerammt. Der Grünteppich wird nun an dieser Stange befestigt. Schliess-lich wird auf den Wasserhyazinthen ein Gemisch aus Algen und Sumpf, welche man vorgängig etwas weiter draussen auf dem See mit langen Stangen vom Grund heraufgeholt hat, ausgebrei-tet. Das Ganze wird so lange wiederholt, bis sich auf den Wasserhyazinthen eine feste Masse, bestehend aus Sumpf und Erde gebildet hat. Landgewinnung würde man dem bei uns sagen. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass dieses Land keinen festen Untergrund hat, sondern auf dem Wasser obenauf schwimmt. Und weil das so gewonnene Land vom Wasserstand des Sees unab-hängig ist, werden diese schwimmenden Gärten in der Regenzeit, dann wenn der Seespiegel um ganze 1,5 bis 2 Meter ansteigt, nie überschwemmt. Ein weiterer Vorteil: das Gemüse, wie z.B. die auf diesem See wachsenden, feinen Tomaten müssen nie bewässert werden. Bekommt doch das Gemüse im Bereich seiner Wurzeln stets genügend Wasser. Eine wirklich gelungene und clevere Sache, wie ich meine.

Die meisten Touristen kommen wegen der speziellen Kultur und den Traditionen der Intha, wie dem Einbeinrudern und den schwimmenden Gärten an den Inle-See. Doch der See wäre unbe-dingt auch etwas für Ornithologen. Laut Aung Aung soll der ganze See ein Vogelschutzgebiet sein. Nebst verschiedenen Reiherarten, sehen wir an beiden Tagen beim Vorbeituckern weitere Vogel-arten, wie Kormorane, Enten und ibisartige Vögel. Zeit für Vogelbeobachtungen fehlt uns leider. Ist doch unser Programm ziemlich gedrängt. Es stehen weitere Besuche von Pagoden, einigen Buddhas, über tausend Stupas, sowie einem Kloster an. Und von den grossen einheimischen Märkten sind alle drei Frauen so sehr angetan, dass sie sich davon kaum losreissen können. So schön und so preiswert sind die Waren. Und ich - ich lasse mir heute bei einem Friseur auf einem Markt den günstigsten und bei Weitem nicht den schlechtesten Haarschnitt aller Zeiten verpas-sen. Dieser Kurzhaarschnitt, ohne Waschen, mit ein wenig Haarlack zum Schluss kostet mich hier am Inle-See nur gerade 1'000 Kyat (ca. 75 Rappen/Euro-Cents). Ein Schnäppchenpreis! Da konnte selbst ich für einmal nicht Nein sagen.