4. Apr, 2017

Religion, Geisterglauben und 8 Wochentage!

Myanmar kennt keine Staatsreligion. Dennoch gehört die Mehrheit der Bevölkerung einer einzigen Religion, dem Theravada-Buddhis-mus, an. Der Theravada gilt als der ursprüng-lichste und älteste Zweig des Buddhismus, der heute noch praktiziert wird. Spannend ist, wie sich in Myanmar der Buddhismus mit einem alten, animistischen Glauben und Astrologie vermischt hat. So begegnen wir an den heilig-sten Stätten Myanmars, wie z.B. der Shweda-gon Pagode in Yangon nicht einfach nur eine Vielzahl von Buddhafiguren, sondern auch auf Darstellungen von Dämonen, Nats (Geistern), sowie den acht burmesischen Tierkreiszeichen, welche von der brahmanischen Astrologie Eingang in den Buddhismus gefunden haben.

Man braucht nicht Religionswissenschafter zu sein, um Parallelen zwischen unserem Christentum und dem in Myanmar praktizierten Buddhismus festzustellen. So sind Dämonen nichts weiter, als das Böse im Menschen. Unsere heidnischen Bräuche, wie Fasching/Fasnacht, wo mit "grausig-schönen" Masken der Winter vertrieben wird, würde man im burmesischen Buddhismus vermut-lich mit Dämonen darstellen. Und die Nats würde man im Christentum als Schutzheilige bezeich-nen. Die 37 Nats wollen aber nicht nur angebetet werden, sondern auch Opfergaben (Spenden) bekommen. Ansonsten können Nats auch allerlei Ungemach bescheren. So spielen Nats im Leben der Burmesen eine wichtige Rolle.

Aung Aung erzählt uns hierzu eine für uns doch eher lustig anmutende Geschichte. So soll im Raum Mandalay einst ein König gelebt haben, der über neun Provinzen herrschte. Dieser König sei eines gewaltsamen Todes gestorben. Aus einem für mich nicht ganz nachvollziehbaren Grund glauben die Burmesen, dass der Geist von diesem König immer noch auf Erden ist und als Nat weiterlebt. Und weil dieser König über neun Provinzen herrschte, würde die Zahl 9, welche in Myanmar grundsätzlich eine Glückszahl sei, im Strassenverkehr Unglück bringen. So dürfen Autos in Mandalay nur mit weniger oder mit mehr als neun Personen fahren. Für Fälle, wo dies nicht möglich sei, hätten die Burmesen eine List, erklärt uns Aung Aung. In diesem Fall würde der Fah-rer noch einen Stein - gewissermassen als zehnte Person - mitführen.

Eine andere spannende Sache ist das burmesische Horoskop. Nachdem Buddha an einem Mitt-woch zur Welt gekommen ist, wird im burmesisch-brahmanischen Kalender der Mittwoch in zwei Hälften, bzw. zwei Tage aufgeteilt. So erleben gläubige Buddhisten Myanmars innerhalb von sie-ben Tagen deren acht. Und der astrologische Kalender der Burmesen teilt nicht wie bei uns das Jahr und den Tag in zwölf Sternkreiszeichen, sondern die Woche in acht Himmelsrichtungen, Planeten und Tierzeichen ein. Diese Einteilung sieht wie folgt aus:

Sonntag: Nordosten - Sonne - Tierzeichen Garuda (Vogelmensch)

Montag: Osten - Mond - Tierzeichen Tiger

Dienstag: Südosten - Mars - Tierzeichen Löwe 

Mittwochvormittag: Süden - Merkur - Tierzeichen Elefant mit Stoßzähnen 

Mittwochnachmittag: Nordosten- Mondknoten - Tierzeichen Elefant ohne Stoßzähne

Donnerstag: Westen - Jupiter - Tierzeichen Ratte 

Freitag: Norden - Venus - Tierzeichen Meerschweinchen

Samstag: Südwesten- Saturn - Tierzeichen Naga (Schlange)

 

Erkenntnis:

Jetzt ist mir auch klar, wieso ich die kugelrunden, chinesischen, lachenden Happy-Buddhas ausser-ordentlich sympathisch finde und wieso ich mich mit den grauen, asiatischen Dickhäutern so verbun-den fühle. Bin ich doch an einem Mittwochnachmittag - am Geburtstag Buddha's - geboren.