3. Apr, 2017

Green Hill Valley Elephant Care Camp

Von Bagan kommend, haben wir vorgestern am Mount Popa einen Zwischenstop mit Übernachtung eingelegt. Der Mount Popa ist ein erloschener Vulkan an dessen Fuss eine riesige Felsnadel in den Himmel ragt. Auf dieser Felsnadel – wie könnte es in Myanmar anders sein – thront ein Felsentempel mit Buddhastatuen. Und weil wir auf unserer Myanmarreise kaum einen Tempel auslas-sen, der irgendeine  Besonderheit hat - und das haben fast alle - stiegen wir vorgestern auch auf diese Felsnadel hoch. Nota bene zweidrittel davon mit nackten Füssen.

Das Spezielle an diesem Tempel sind weder der Tempel an sich noch die Aussicht von da oben, sondern Unfug treibende, diebische Affen, denen man auf dem steilen Aufstieg mit seinen 777 Treppen immer wieder hautnah begegnet (s. Fotoalbum). Einmal abgesehen davon, dass bei unserem Aufstieg ein Affe einer Marktfrau ein grosses Bündel Blumen klaute und dieser die Blu-men kurzerhand über die Felsen in die Tiefe warf um anschliessend der herbeieilenden Marktfrau auch noch an deren Haaren zu zerren, verhielten sich die Affen eigentlich ganz friedlich.

Nach den vielen Pagoden, Stupas und Buddhas haben wir heute für einmal einen «tempelfreien» Tag. Auch bleibe ich davor verschont, zusammen mit drei Frauen und dies als einziger Mann in der Gruppe, Märkte zu besuchen und einkaufen gehen zu müssen. Auf unserer Myanmarreise frage ich mich gelegentlich: Was ist einfacher, einhundert Buddhastatuen mit unterschiedlichen Körperhaltungen anzuschauen oder mit einer Schar Frauen auf Einkaufstour zu gehen? Nichts von dem blieb mir bis dato erspart. Doch das Beste an der Geschichte ist: Ich habe bis anhin so-wohl das Eine, wie auch das Andere überlebt!

Seit gestern befinden wir uns in Kalaw, auf einer Höhe von 1'320 Metern über Meer. In Mittel-europa würde man diese Gegend zu den Voralpen zählen. Die Hügel und Bergkämme sind bewal-det und in den Taleinschnitten fliessen Bäche, welche sogar während der Trockenzeit, in der wir uns befinden, Wasser führen. Das Gebiet um Kalaw ist äusserst fruchtbar. Nebst verschiedenem Gemüse in den Tälern, wird an den Hängen vor allem wärmeliebendes Obst, wie Orangen, Zitro-nen, Bananen, Mangos und Papayas angepflanzt. Und dazwischen sehen wir heute auf einer zweistündigen Wanderung mit Aung Aung, in der Nähe von Kalaw, auch noch kleinere Kaffee- und Teeplantagen.

Heute lassen wir für einmal den Buddhismus links und die Marktstände rechts liegen. Denn heute ist Elefantentag angesagt. Wir besuchen ein ganz besonderes Elefantencamp, das Green Hill Val-ley Elephant Care Camp, wo "ausrangierte" asiatische Arbeitselefanten ihren wohlverdienten Ruhestand geniessen. Das Camp liegt am Fusse des Gebirges, auf einer Höhe von 420 Metern über Meer. Je nach Verkehr und Fahrweise dauert die Autofahrt von Kalaw zum Camp zwischen 30 und 45 Minuten.

Im Camp angekommen, bekommen wir zuerst ein kühles Erfrischungstuch und eine feine, frisch-gepresste Zitronenlimonade. Und danach ein paar Informationen zum Camp und deren Philoso-phie in englischer Sprache. Dann dürfen wir die sieben im Camp lebenden Dickhäuter besuchen. Bis auf einen kleineren, achtjährigen Elefantenbullen, leben hier alles «alte Damen». Die älteste Elefantendame ist 67-jährig. Im Camp erfahren wir, dass asiatische Elefanten über 70 Jahre alt werden können; ausgewachsene Elefanten drei bis vier Tonnen wiegen (afrikanische Elefanten bis zu 7 Tonnen); das Herz eines asiatischen Elefanten bis zu 20 Kilogramm schwer sein könne; der Rüssel aus über 10'000 Muskeln bestehe; ein ausgewachsener asiatischer Elefant rund 200 Kilogramm Futter pro Tag zu sich nimmt und das Gehirn des kleineren asiatischen Elefanten rund 1,5 Mal so gross sei, wie dasjenige seines grösseren, afrikanischen Bruders. Es soll in ganz Myan-mar rund fünfzehn solcher Camps, wie das Green Hill Valley Elephant Care Camp geben, wo ehemalige Arbeitselefanten ihren Lebensabend verbringen können, erklärt uns Aung Aung.

Bei den Elefanten angekommen, dürfen wir gleich mit Füttern loslegen. Zuerst nähern wir uns den Elefanten etwas zögerlich; halten ihnen grosse Kürbisschnitze oder Bambusstücke in Rich-tung Rüssel. Man erklärt uns, dass wir vor den Elefanten keine Angst haben müssen, die Tiere auch anfassen und streicheln und wir den Dickhäutern das Futter auch gleich in deren Maul schieben dürfen. Aus unserer anfänglichen Zurückhaltung wird je länger desto mehr ein riesen Spass. Und wie es den Anschein macht - nicht nur für uns. Die grossen, sanften Riesen scheinen unsere Handfütterung sichtlich zu geniessen. So halten sie uns ihren weichen Rüssel hin oder öffnen gleich deren Maul, damit wir ihnen das Futter kiloweise reinschieben können. So verfüt-tern wir das von fleissigen Arbeitern bereitgestellte und zerkleinerte Futter gleich Kübelweise an diese grauen Rüsseltiere mit den grossen, braunen Knopfaugen. Nach der Fütterung geht es zu einem nahegelegenen Bach, wo wir einen Dickhäuter auch noch Baden und mit Naturfasern schruppen dürfen. Ein absolutes «Gaudi» für Gross und Klein. Und mit Gross meine ich für einmal nicht uns, sondern der im Wasser liegende Elefant. Während wir Kopf und Rücken waschen, füllt der Gebadete immer wieder seinen Rüssel mit Wasser um uns anzuspritzen und kalt zu duschen.

Nach dem Wasserbad pflanzen wir noch einen Akazienbaum, bzw. stecken Akaziensamen in ei-nen kleinen Topf. Gewissermassen als krönender Abschluss gibt es danach im Elefantencamp noch ein feines Mittagessen.

 

Fazit:

Ein absolut tolles Projekt, wo mit den einhundert Dollars Eintrittsgeld viel Gutes getan wird; wo man liebevoll mit den Elefanten umgeht, wo die Elefanten ab 15.30 Uhr bis am anderen Morgen frei gelassen werden und sie sich bis zu sieben Kilometer vom Camp entfernen um am anderen Morgen wieder eingesammelt, gepflegt und gefüttert zu werden; wo mit dem Bäume pflanzen etwas zum Erhalt und Aufforstung der heimischen Wälder getan wird und wo mit einem Teil des Eintrittsgeldes offenbar auch noch Schulen unterstützt werden – wie dies aus anderen Berichten hervorgeht.

Das Green Hill Valley Elephant Care Camp bei Kalaw ist unbedingt ein Besuch wert. Und die 100 US$, was für Einheimische extrem viel Geld ist, ist unserer Meinung nach jeden einzelnen Cent wert!