31. Mrz, 2017

Sonnenaufgang über Bagan

Seit zwei Tagen erkunden wir zusammen mit unserem Reiseführer Aung Aug Bagan. Bagan, eine historische Königsstadt Myanmars ist eine der faszinierendsten, kulturhistorischen Stätten Myanmars. Verteilt auf einer Fläche von rund 36 km2 befinden sich über zweitau-send Ziegelstein-Pagoden, Stupas und Tempel aus dem 11. bis 14. Jahrhundert. Der Boden ist sandig und die Landschaft staubtrocken. März und April sind in Myanmar die heissesten und trockensten Monate des Jahres. Um fünf Uhr morgens, mehr als eine Stunde bevor die Sonne aufgeht, zeigt das Thermometer in Bagan bereits 27 Grad an. Die Luftfeuchtigkeit beträgt 92 Prozent.

Zusammen mit einem halben Dutzend anderer Gäste sitzen wir heute morgen um 04.45 Uhr in der Hotel-Lobby und warten darauf abgeholt zu werden. Die letzten zwei Tage ging ein starker und sehr warmer Wind aus Richtung Süden – bei uns würde man dem Fön sagen. Gestern wäre unser Tag gewesen. So, wie heute, standen wir bereits gestern kurz nach vier Uhr auf. Dies je-doch vergebens. Heute nun, klappt es. Es ist nahezu windstill. Die Gebete von Aung Aung haben offenbar gewirkt. Eines unserer grössten Highlights dieser Myanmarreise wartet auf uns. Es ist Ballontag!

In Bagan bieten drei Organisationen Ballonfahrten an. Über unser Reisebüro Myanmar Diaries mit Sitz in Yangon haben wir eine Ballonfahrt mit Oriental Ballooning gebucht. Wir werden kurz vor fünf Uhr im Hotel abgeholt und zu einem Sammelplatz gefahren. Oriental Ballooning hat grüne Ballone, während eine andere Organisation gelbe hat und die dritte mit roten Ballonen am Start ist. Nach einem Frühstückskaffee und etwas Kuchen stellt man den 56 wartenden Gästen die Piloten der sechs Ballone vor. Wir werden Pilot Ravinda (Kurzform Ravi) zugeteilt.  Nach einer kurzen Einführung wie wir uns vor und während der Ballonfahrt, sowie bei der Landung zu ver-halten hätten – läuft ähnlich, wie die Instruktionen im Flugzeug ab (hier einfach ohne Schwimm-westen), geht es los.

Alle sechs Ballone werden gleichzeitig aufgeblasen. Dazu ist ein halbes Heer von Mitarbeitern nötig. Die Ballonorganisationen und deren Piloten seien nicht burmesisch, sagte uns Aung Aung noch gestern. Oriental Ballooning dürfte eine englische Organisation sein. Das Heer von Mitar-beitern, welche die niedere, schwere und vermutlich auch schlecht bezahlte Arbeit verrichten, sind ausschliesslich Burmesen. Um sechs Uhr heben alle Ballone kurz hintereinander ab. Die roten zuerst, dann die gelben und zuletzt wir grünen. So steigen wir auf. Es ist richtig friedlich da oben. Jeder hat seinen «Fensterplatz». Mit einem Seil, an dem der Pilot zieht, lässt er immer wieder den Korb, bzw. den Ballon drehen. So öffnen sich uns immer wieder ganz neue Blicke auf die Gegend. Auf einer Höhe von wenigen hundert Metern überqueren wir so Alt-Bagan und dutzende, in gelbes und oranges Licht getünchte Pagoden.

Wie eine rotgelbe Scheibe steigt die Sonne aus einem feinen Dunst empor. Ein neuer Tag bricht an. Die Zeit zerrinnt schnell. Fast zu schnell, um all diese gewaltigen Eindrücke aufnehmen zu können. Nach gut 45 Minuten landen wir auf einer breiten Sandbank am Irrawaddy. Viel länger hätten wir nicht in der Luft bleiben dürfen. Ansonsten hätte uns der Wind über den Fluss getra-gen. Wir haben Landeposition eingenommen. Im Flugzeug hätten wir jetzt die Sitze senkrecht gestellt und die Mobilphones abgestellt. Im Ballon setzt man sich einfach tief in den Korb und hält sich an Schlaufen fest. Sand spritzt in unseren Korb und regnet auf unsere Köpfe. Das Aufsetzen auf der Sandbank verläuft erstaunlich sanft. Nach längerem Warten eilen unsere fleissigen Helfer herbei und schleppen uns zusammen mit dem Korb noch ein paar hundert Meter ab. Wir steigen aus. Bestaunt und umringt von kleinen Kindern, stossen wir mit einer Flasche Champagner auf die geglückte Ballonfahrt an. Dann bekommt jeder noch ein Zertifikat, das uns zusammen mit unzählig vielen Fotos noch lange an diese unvergessliche und einzigartige Ballonfahrt über Bagan erinnern wird.

Übrigens: So eine etwa einstündige Ballonfahrt in einem Korb mit 8 Gästen, kostet rund 330 US$ pro Person.