24. Mrz, 2017

Geld, Gold und Edelsteine für ein besseres Karma!

Aung Aung, unser burmesische Reiseführer der nächsten zwei Wochen, holt uns gekleidet in einen für Myanmar typischen Wickelrock, genannt Longyi, heute mittag am Flughafen von Yangon ab. Aung Aung strahlt wie die Son-ne. Einfach ansteckend, dieses Strahlen. Sein Deutsch ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür, dass er die deutsche Sprache ohne je-mals sein Land verlassen zu haben, in nur ge-rade drei Jahren erlernt hat, ist sein Deutsch erstaunlich gut.

Mit Aung Aung, ausgesprochen Oh Oh, fahren wir am Nachmittag zum grössten Heiligtum Myan-mars, der Shwedagon Pagode. Über 90% der burmesischen Bevölkerung sind Buddhisten, welche dem ursprünglichen, "reinen" Buddhismus angehören. Dass auch Aung Aung ein bekennender und praktizierender Buddhist ist, trifft sich gut. Denn das was uns die nächsten Tage erwartet, sind Pagoden, Stupas, buddhistische Klöster und Buddhas zu Hauf. Am späten Nachmittag starten wir gleich mit dem religiösem Zentrum Myanmars, dem wichtigsten Sakralbau, der Shwedagon Pagode von Yangon. Die Shwedagon Pagode gilt als Wahrzeichen des ganzen Landes und ist eine der berühmtesten Stupas der Welt. Erbaut auf dem stark befestigten und mit zwei Terrassen ge-schmückten Singuttara-Hügel, dem südlichsten Ausläufer der Pegu-Joma-Bergkette, überragt das Bauwerk Yangon, die größte Stadt des Landes.

Der glockenförmige Teil der Shwedagon Pagode sei bis zu deren Spitze mit Golplatten verkleidet. Das Gewicht dieser Goldplatten werde auf rund 60 Tonnen geschätzt, erklärt uns Aung Aung. An der Turmspitze würden sich über 4‘000 Edelsteine mit über 1‘800 Karat befinden. Beim grössten Edelstein, der eigentlichen Spitze würde es sich um einen 76-karätigen Diamanten handeln, er-fahren wir von ihm. Die Gläubigen, welche jeden Tag zusammen mit unzähligen Touristen hier-herkommen, spenden sehr viel Geld. Überall sind riesige Glasvitrinen aufgestellt. Die meisten davon sind mit Geldscheinen übervoll. Das Geld werde für den Unterhalt der Pagode verwendet. Arme Familien oder Kinder, welche mangels Geld nicht zur Schule gingen, wovon es im Land viele gäbe, bekämen von diesem Geld nichts zu sehen, bedauert Aung Aung. In Myanmar hat sich so ein regelrechter „Spendenkult“ eingebürgert. Menschen jeden Alters und jeder Schichtzugehörig-keit versuchen mit Geldspenden oder auch anderen Spenden ein besseres Karma (eine höhere Stufe im nächsten Leben) zu erlangen.

So kommt es, dass es in Myanmar abertausende gespendeter Buddhastatuen, tausende von Pa-goden und Stupas, sowie hunderte von Klöstern gibt, wo einheimische Gläubige Geld oder wie bei der Shwedagon Pagode Gold und Edelsteine spenden, um damit Buddhas und Stupas zu ver-zieren, während die Mehrheit dieser Bevölkerung zwar nicht gerade ein armseliges, aber nach unserem Verständnis doch ein eher ärmliches Leben führt.